Studie: Selbst ein militärisch strenger Lockdown kann COVID-19 nicht stoppen

Von 3. Januar 2021 Aktualisiert: 5. Januar 2021 16:43
Kein noch so strikter Lockdown kann das Coronavirus (SARS-CoV-2) aufhalten, auch nicht mit militärischer Strenge. Im Gegenteil, in einer Gruppe US-Marines mit den vermutlich strengsten Corona-Maßnahmen weltweit breitete sich COVID-19 stärker aus, als in einer Kontrollgruppe.

Das Coronavirus hat das öffentliche Leben, die Kunst und den Sport weitestgehend lahmgelegt. Im Interesse der Allgemeinheit soll ein Lockdown-Light die „zweite Welle“ der Corona-Pandemie abschwächen. Ob die Einschränkungen der Freiheit und des Lebens dazu beitragen können, ist mindestens fraglich.

Verschiedene Studien weisen jedoch darauf hin, dass auch ein noch so strenger Lockdown – der Begriff stammt ursprünglich aus dem Strafvollzug und bedeutet, das Einsperren der Häftlinge bei reduziertem Freigang – nicht den erhofften Erfolg zeigt und eine Ausbreitung des Virus unterbinden kann. Auch ein Zusammenhang zwischen Zwangsmaßnahmen und Todesfällen konnte nicht nachgewiesen werden.

COVID-19 kümmert sich weder um Politik noch Lockdown

Das Amerikanische Institut für Wirtschaftsforschung (AIER) wies bereits im Juli darauf hin, dass sich „das Virus nicht um die Politik kümmert“. Dennoch glauben Regierungen weltweit, dass sie die Ausbreitung durch eine Reihe von „nicht-pharmazeutischen Interventionen“ beeinflussen können.

Die Methoden sind nahezu überall dieselben: Verbot von Versammlungen und Freizeitaktivitäten, Verbot von Kunst und Sport, Schließung von Schulen und Geschäften, Hausarrest, Kontaktverbot, Reisebeschränkungen, Maskenpflicht.

Man könnte also annehmen“, schreibt das AIER, „dass es mit absoluter Sicherheit einen Zusammenhang zwischen Lockdown und Virusausbreitung gibt. Genauso wie die FDA [Anm. d. Red.: Food and Drug Administration, US-Behörde zur Überwachung und Zulassung von Lebens- und Arzneimitteln] ein Medikament nur dann genehmigt, wenn es sich als sicher und wirksam erweist, könnte man annehmen, dass dasselbe für eine Politik gilt, die jede Routine zerschlägt und die Menschenrechte im Namen der Eindämmung von Krankheiten mit Füßen tritt.“

Die Frage bleibt, ob ein Lockdown – in welcher Art auch immer – in der Lage ist, COVID-19 zu stoppen. Wenn ja, könnte man argumentieren, dass die Maßnahmen trotz ihrer enormen sozialen und wirtschaftlichen Kosten etwas bewirken.

Eine Mitte November im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie, legt jedoch nahe, dass sich das Virus nicht nur nicht an die Politik, sondern auch nicht an einen Lockdown hält.

In diesem Fall, so das AIER „haben [die] Nationen der Welt ein katastrophales Experiment begonnen, das Milliarden von Menschenleben und alle Erwartungen an Menschenrechte und Freiheiten zerstört hat, ohne dass es sich gelohnt hätte.“

Mit militärischer Strenge gegen Corona

Bereits im Mai erhielten insgesamt 3.143 neue Rekruten der US-Marines die Möglichkeit, an einer Studie zur Übertragung von COVID-19 unter extremer Quarantäne teilzunehmen. 1.848 Rekruten stimmten zu, an diesem Experiment teilzunehmen, das „wöchentliche qPCR-Tests und Blutproben zur Bestimmung von IgG-Antikörpern“ beinhaltete. Die anderen dienten als Kontrollgruppe.

Bereits vor ihrer Ankunft auf der Basis sollten sich alle künftigen Marines 14 Tage zu Hause isolieren. Auf der Basis folgten weitere 14 Tage mit deutlich verschärften Maßnahmen. In der Studie heißt es:

Alle Rekruten trugen zu jeder Zeit im Haus und im Freien zweilagige Stoffmasken, außer beim Schlafen oder Essen. Sie hielten einen Mindestabstand von mindestens zwei Metern [und] durften den Campus nicht verlassen. [Sie] hatten keinen Zugang zu persönlicher Elektronik und anderen Gegenständen, die zur Oberflächenübertragung beitragen könnten und wuschen sich routinemäßig die Hände.“

Sie schliefen in Doppelzimmern mit Waschbecken, aßen in gemeinsamen Essräumen und benutzten gemeinsame Badezimmer. Alle Rekruten reinigten ihre Zimmer täglich, desinfizierten die Toiletten nach jedem Gebrauch. [Sie] aßen vorbereitete Mahlzeiten in einem Speisesaal, der nach [jeder Gruppe] desinfiziert wurde. Die meisten Unterweisungen und Übungen wurden im Freien durchgeführt.“

Lockdown extrem: Maske, Mindestabstand, portionierte Mahlzeiten – und kein Smartphone

Alle Bewegungen der Rekruten wurden beaufsichtigt, und es wurde ein unidirektionaler Fluss implementiert, mit ausgewiesenen Ein- und -ausgangspunkten an Gebäuden, um den Kontakt zwischen den Personen zu minimieren. Alle Rekruten durchliefen unabhängig von ihrer Teilnahme an der Studie ein tägliches Temperatur- und Symptomscreening. Wurde ein Rekrut positiv getestet wurde er von seinen Mitbewohnern getrennt und in Isolation gebracht.“

Sechs Ausbilder, die jeder Gruppe zugeteilt waren, arbeiteten in 8-Stunden-Schichten und setzten die Quarantänemaßnahmen durch. Wenn die Rekruten irgendwelche Anzeichen oder Symptome meldeten, die mit Covid-19 übereinstimmten, meldeten sie sich krank, unterzogen sich einem qPCR-Schnelltest auf SARS-CoV-2 und wurden bis zum Vorliegen der Testergebnisse isoliert.“

Ähnliches galt für die Ausbilder: Sie waren ebenfalls auf den Campus beschränkt, mussten Masken tragen, erhielten vorbereitete Mahlzeiten und unterzogen sich den täglichen Temperaturkontrollen und Symptomscreening. Ausbilder in deren Gruppe ein positiver Fall diagnostiziert wurde, unterzog man einem PCR-Schnelltest […]. War das Ergebnis positiv, wurde der Ausbilder von seinen Aufgaben entbunden.

Darüber hinaus war es Rekruten und Ausbildern untersagt, mit dem Hilfspersonal auf dem Campus zu interagieren, zum Beispiel mit dem Hausmeister und Küchenpersonal. Nach Ende der Quarantäne, wurden die Bäder, Duschen, Schlafzimmer und Flure in den Schlafsälen einer Tiefenreinigung mit Desinfektionsmitteln unterzogen. Alle Unterkünfte blieben mindestens 72 Stunden lang unbewohnt.

Lockdowns begünstigten COVID-19

Die Ausbildung der US-Marines zählt zu härtesten der US-Streitkräfte, zudem herrscht besondere militärische Strenge. Es ist daher davon auszugehen, dass die Maßnahmen nahezu 100-prozentig eingehalten wurden, verglichen beispielsweise mit einem typischen College-Campus. Mögliche Einflussfaktoren einer ähnlichen Studie in der Bevölkerung wie Demografie, Bevölkerungsdichte, bestehende Immunitäten und Vorerkrankungen sowie Grad der Einhaltung der Vorschriften entfallen.

Die Marine-Rekruten waren eine nahezu homogene Gruppe, basierend auf Alter, Gesundheit, Kontakten und Verhalten. Dennoch breitete sich das Coronavirus aus. „Unsere Studie zeigte, dass in einer Gruppe von überwiegend jungen männlichen Militärrekruten etwa zwei Prozent während einer zweiwöchigen, streng erzwungenen Quarantäne positiv auf SARS-CoV-2 [getestet] wurden“, schlussfolgern die Forscher.

Von 3.143 Rekruten testeten die Forscher der Icahn School of Medicine at Mount Sinaiund des Naval Medical Research Center 77 positiv auf SARS-CoV-2. Mehr als zwei Drittel der Fälle traten in der streng überwachten Gruppe auf. Mit einer Ausnahme zeigte kein positiv Getesteter Symptome.

Mit anderen Worten: In der Kontrollgruppe breitete sich das Virus weniger stark aus. Umgekehrt bedeutet dies jedoch auch, dass die extreme Durchsetzung der Maßnahmen sowie häufigere Tests und Isolierung, die mit den Maßnahmen einhergehen mit einem höheren Infektionsgrad verbunden sind.



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