Deutscher Mindestlohn weiter „spürbar“ unter dem in Nachbarländern

Epoch Times14. Februar 2019 Aktualisiert: 14. Februar 2019 12:16
Der gesetzliche deutsche Mindestlohn liegt offenbar weiterhin "spürbar" unter dem anderer westeuropäischer Staaten, heißt es in einer Studie.

Der gesetzliche deutsche Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde liegt nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung weiterhin „spürbar“ unter dem anderer westeuropäischer Staaten. Diese gewährleisteten mit Ausnahme Großbritanniens mindestens einen Betrag von 9,66 Euro, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Stiftung am Donnerstag unter Berufung auf seinen internationalen Mindestlohnreport 2019 mit.

In Frankreich seien es inzwischen mehr als zehn Euro und in Luxemburg würden sogar 11,97 Euro gezahlt, hieß es darin. Insgesamt seien die gesetzlichen Mindestlöhne in jenen 22 EU-Staaten, die über dieses Instrumentarium verfügten, im Schnitt zuletzt „kräftig angehoben worden“. Die durchschnittliche Steigerung belaufe sich dabei auf nominal 4,8 Prozent, nach Abzug der Inflation verblieben 2,7 Prozent.

In Großbritannien liegt der Mindestlohn demnach mit umgerechnet 8,85 Euro aktuell etwas niedriger als in Deutschland, wird aber zum April auf 9,28 Euro angehoben. Die Experten der Stiftung wiesen zudem darauf hin, dass er ohne die jüngste Abwertung des britischen Pfunds deutlich höher wäre.

Bei Berücksichtigung der Kaufkraft schneiden Mindestlohnempfänger in Deutschland der Untersuchung zufolge im Vergleich zu denen in anderen westeuropäischen Ländern wegen des niedrigeren Preisniveaus zwar etwas besser ab. Aber ihre reale Kaufkraft bleibt unter dem Strich trotzdem hinter der von Mindestlohnempfängern in Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden zurück. Mit denen in Belgien liegen sie etwa gleichauf.

Gemessen am allgemeinen Lohnniveau in Deutschland war der Mindestlohn den Forschern zufolge „moderat“. Im Jahr 2017 entsprach er demnach knapp 48 Prozent des sogenannten Medianlohns. Zwölf EU-Staaten kamen auf höhere Werte, darunter Portugal, Polen und Großbritannien. Das Jahr 2017 wurde laut Stiftung für diese Betrachtung gewählt, weil es seitdem keine neueren internationalen Vergleichsdaten dazu mehr gab.

Nach Angaben des WSI gelten Mindestlöhne generell ab einem Niveau von 60 Prozent des nationalen Medianlohns nach Einschätzung von Experten als „einigermaßen existenzsichernd“. In der Bundesrepublik müssten diese dafür auf fast zwölf Euro ansteigen. Die Düsseldorfer Experten regten eine europaweite Koordinierung der Mindestlohngestaltung mit dem Ziel eines „angemessenen, existenzsichernden Niveaus“ an. Dies könne nationale Initiativen unterstützen und für ein „sozialeres Europa“ sorgen. (afp)

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