Metabolisches Syndrom – weltweites Risiko

Von 27. Oktober 2005 Aktualisiert: 27. Oktober 2005 12:55

Wer ist nicht glücklich über ein angenehmes Leben, Komfort und Genuss? In einer technisierten Welt wird vieles nicht mehr von Menschen, sondern automatisch verrichtet. Computer und Fernsehen liefern Information und Unterhaltung frei Haus. Durch Anpassung an Anforderungen der modernen Welt verändern sich Nahrungsangebot und Essensgewohnheiten. Hochkalorische, aber nährstoffarme Mahlzeiten sind Produkte einer industrialisierten Nahrungszubereitung.

Aber technischer Fortschritt ist in mancher Hinsicht auch ein Rückschritt. Das zeigt sich besonders deutlich im Metabolischen Syndrom, ein Krankheitsbild, das bis vor kurzem vorwiegend in der zivilisierten Welt zu sehen war. Man spricht von einem Metabolischen Syndrom, wenn drei der folgenden Erkrankungen gleichzeitig vorliegen: Dickleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung oder Diabetes (Blutzuckerkrankheit).

Schon jede dieser Erkrankungen für sich ist ernst zu nehmen, treten diese aber gleichzeitig auf in Form des Metabolischen Syndroms, wird die schlechte Prognose auf die Lebensqualität und auf Folgeerkrankungen wie die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) noch verstärkt. Wie sehr dieses Syndrom in der westlichen Welt Fuß gefasst hat, zeigt sich darin, dass immer häufiger bereits Kinder davon betroffen sind.

Kinderärzte fordern daher auch flächendeckende Maßnahmen von Politik und Krankenkassen aktiver gegen Übergewicht bei Kindern vorzugehen. War Schulsport vor einigen Jahrzehnten noch als Nebenfach belächelt worden, entpuppt es sich im Zeitalter des Computers als lebenswichtig, Kindern ausreichend körperliche Bewegung und eine frühzeitige Gesundheitsberatung anzubieten. Dies wurde auf der jährlichen Herbsttagung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Bad Orb betont. Dr. Wirth, Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Wuppertal, fand die richtigen Worte: „Der erhobene Zeigefinger des Doktors oder Appelle reichen nicht aus – es muss Lifestyle und ‚cool’ bei der Jugend werden, sich gesund zu ernähren und zu bewegen.“

Die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Man schätzt, dass ca. 10 Prozent der Deutschen unter 18 Jahren an Fettleibigkeit leiden, in Amerika sind es bereits 16 Prozent. Weltweiten  Schätzungen zufolge sind schon 150 Millionen Schulkinder übergewichtig. War die Dickleibigkeit bisher eher als Problem des nordamerikanischen Kontinents betrachtet worden, wo ca. 25-30 Prozent der Erwachsenen an Fettsucht leiden, so ist dieses nun auch im europäischen Raum mit zunehmender Tendenz verbreitet, da bereits ca. 10-20 Prozent der Erwachsenen betroffen sind. Dickleibigkeit bei Kindern zieht häufig die anderen Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes nach sich und führt so zum Metabolischen Syndrom. Durch die Wechselwirkung des Übergewichts im sozialen und psychischen Bereich – Ausgrenzung, Frustration, Bewegungsmangel, Depression, ungesunde Ernährung – wird die Spirale verstärkt und das Metabolische Syndrom erscheint immer öfter und früher.

Die Leibesfülle stellt zwar nur einen Teil des Metabolischen Syndroms dar, aber sie wird als bedeutender Triggerfaktor angesehen. Nach einer Studie aus Philadelphia hat die Säuglingsernährung  in der ersten Woche großen Einfluss auf das spätere Gewicht. Wurde das Neugeborene mit Fertignahrung überfüttert und nahm dabei rasch an Gewicht zu, war die Wahrscheinlichkeit später an Adipositas zu erkranken signifikant höher. Für jede überschüssige 100 Gramm Körpergewichtszunahme in der ersten Woche war das Risiko, später an Übergewicht zu leiden, um 10 Prozent erhöht. Bei Brustnahrung in der ersten Woche, wurde dies nicht beobachtet. Später werden von den Kindern insbesondere die Essensgewohnheiten von den Eltern übernommen. Die Kinder zeigen damit also nicht nur das Verhalten der Eltern, sondern auch , inwieweit sich Erwachsene gesund verhalten und ernähren.

Übergewicht gilt u.a. als Risikofaktor für Bluthochdruck und scheint insbesondere im mittleren Alter häufig zu Diabetes zu führen. Neben der Behandlung jedes dieser Krankheitsbilder stellt sich aber folgende Frage: Kann man öfter körperlich aktiv sein? – Neben dem Sportverein sollten auch die Bewegung und Aktivitäten im Alltag beachtet werden. Kann die Ernährung umgestellt werden und können lieb gewonnene, aber ungesunde Nahrungsmittel ersetzt werden? – Oft versteckt sich hinter Chips, Schokolade oder Alkohol eine Sucht. Wie kann das seelische Befinden und die allgemeine Zufriedenheit erhöht werden? – Zufriedene Menschen achten auf eine gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung. Das Metabolische Syndrom ist eine Zivilisationskrankheit. In diesem Sinne muss man kritisch hinterfragen, was uns die Zivilisation gegeben hat und was sie uns genommen hat. Sicherlich kann man eine weitere Verbreitung des Metabolischen Syndroms stoppen, wenn man die ungesunden Aspekte der Zivilisation erkennt und ausgleicht.

Dr. med. Torsten Trey promovierte in Deutschland und praktiziert zur Zeit in den USA.



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