Von Adler bis Kolibri, von Ente bis Fledermaus: Erneuerbare gefährden Wildtiere

Erneuerbare Energien sind für viele die Hoffnungsträger der Energiewende. Zwei unabhängige Studien aus den USA und Deutschland zeigen, dass diese nachweislich eine Gefahr für Vögel und Fledermäuse darstellen.
Erneuerbare Energien sind Tag und Nacht eine Gefahr für Wildtiere
Gleich zwei neue Studie zeigen, dass Erneuerbare Energien Tag und Nacht eine Gefahr für Wildtiere sind.Foto: iStock
Von 18. Januar 2024

Weltweit zeigen sich immer mehr Tierökologen vom Rückgang der Vogelpopulationen besorgt. Laut einer Studie von 2019 sind seit 1970 rund drei Milliarden Vögel in Nordamerika verschwunden – was ein Drittel der gesamten Population in diesem Gebiet entspricht1.

In Europa zeigt sich ein ähnliches Bild: So gab es laut einer Studie im Jahr 2016 rund 25 Prozent weniger Vögel als noch im Jahr 19602. Als Ursache für den Vogelverlust geben die Autoren der Studie die Landwirtschaft und ihren Eingriff in die Natur an. Für Nordamerika haben Biologen der Universität Florida eine neue Bedrohung für die gefiederten Tiere festgestellt und näher untersucht: die Zunahme von Wind- und Solarkraftwerken.

Erneuerbare ungewollt tödlich

„Das Vogelsterben ist zu einer unbeabsichtigten Folge der Entwicklung Erneuerbarer Energien geworden“, sagt Hannah Vander Zanden, Assistenzprofessorin für Biologie an der Universität Florida. „Wenn wir diese Todesfälle minimieren oder sogar ausgleichen wollen, insbesondere bei gefährdeten Populationen, müssen wir die geografische Herkunft der betroffenen Vögel ermitteln. Mit anderen Worten: Sind die toten Vögel einheimisch oder kommen sie aus anderen Teilen Nordamerikas?“

Die Erneuerbaren Energien können dabei auf unterschiedliche Weise tödlich für die Vögel enden – zum Beispiel wenn:

  • die Tiere mit den Rotoren von Windkraftanlagen kollidieren
  • in Solarpaneele fliegen, die sie mit Gewässern verwechseln
  • oder von der starken Hitze konzentrierender Solarkraftwerke angesengt werden.

Laut den Forschern sei jedoch die Todesrate von Vögeln durch Erneuerbare weitaus geringer als durch Zusammenstöße mit Gebäuden oder Jagd durch Hauskatzen. Letzteren wird immer wieder nachgesagt, dass sie allein in Deutschland schätzungsweise 200 Millionen Vögel pro Jahr töten – zu hoch, findet NABU-Vogelexperte Lars Lachmann. Es gebe andere Faktoren, alles „den Katzen anlasten zu wollen, wäre daher viel zu einfach“.

Für die Wissenschaftler aus Florida sind vor allem die Bemühungen zur Eindämmung der Vogeltode durch Energieanlagen wichtig. Um die Gefahren künftig abwenden zu können, müssten die Forscher jedoch erst verstehen, wer die Opfer sind und woher sie kommen.

„Heimatgebiete der Zugvögel attraktiver gestalten“

Vander Zanden und ihre Kollegen untersuchten hierfür in ihrer aktuellen Studie 871 Vögel, die tot an Solar- und Windenergieanlagen in Kalifornien gefunden wurden3. Mithilfe einer Isotopenanalyse von Federn der insgesamt 25 Arten ermittelten die Forscher die Herkunft der Todesopfer. „Anhand dessen konnten wir feststellen, ob es sich um einen einheimischen Vogel handelte oder ob er von einem anderen Ort zugewandert war“, so Vander Zanden.

Mit einer Isotopenanalyse kann der Herkunftsort eines Menschen oder Tieres nachgewiesen werden, Foto: kms/Epoch TImes

Tatsächlich zeigt ihre Studie, dass die von den Erneuerbaren getöteten Vögel aus einem breiten Gebiet des Kontinents stammten. Ihre geografische Herkunft variierte je nach Art und umfasste eine Mischung aus einheimischen und nicht einheimischen Vögeln.

Die Forscher stellten fest, dass die toten Vögel an den Solaranlagen überwiegend nicht aus der Region stammten. Dafür spricht auch, dass die Opferzahlen in den Zugzeiten im April und von September bis Oktober ihren Höhepunkt erreichten. Der Prozentsatz der toten Zugvögel, die an Windrädern gefunden wurden, war mit 51 Prozent indes fast genauso hoch wie der der einheimischen toten Vögel, so Vander Zanden.

„Diese Art von Daten kann uns helfen, die besten Strategien zu finden, um die Todesfälle zu minimieren oder deutlich zu verringern“, erklärt die Biologin. „Beispielsweise könnte der Betreiber der Anlagen mit Naturschützern zusammenarbeiten, um den Lebensraum vor Ort zu verbessern und so zum Schutz der einheimischen Vögel beizutragen. Andererseits könnten die Heimatgebiete der Zugvögel attraktiver gestaltet werden.“

Erneuerbare töten Ente bis Kolibri

Unter den betroffenen Tieren sind neben fünf Arten von Wasservögeln vor allem Raubvögel (sieben Arten) und Singvögel (neun Arten) sowie je eine Art von Tauben, Nachtschwalben, Kuckuck und Kolibri.

Für 25 Arten wurden Erneuerbare in den USA zum Verhängnis

Liste der 25 betroffenen Vogelarten. Unter den Toten waren Standvögel (ganzjährig in einem Gebiet lebend), Teilzieher (überwintern teils außerhalb des Brutgebiets) und Zugvögel (überwintern außerhalb des Brutgebiets). Foto: kms/Epoch Times

Die Verteilung der Arten nach Todesort zeigt, dass Erneuerbare nicht für alle Arten gleich tödlich sind. So lagen die toten Wasservögel ausschließlich bei Solaranlagen – die Parabolrinnen, Photovoltaik und Solartürme beinhalten. Möglicherweise hielten sie die dunklen und/oder spiegelnden Flächen für Gewässer.

Raubvögel fielen hingegen überwiegend Windkraftanlagen zum Opfer. Für Buntfalken, Ohrenlerchen, Wiesenstärlinge, Mönchswaldsänger und Carolinatauben – und damit ein Fünftel aller Arten – waren beide Erneuerbaren tödlich.

Diagramm zur Verteilung der durch Erneuerbare getötete Vögel

Laut der Studie von Vander Zanden sind 25 Vogelarten Opfer von Erneuerbaren Energien geworden. Foto: kms/Epoch Times

Inwieweit andere Faktoren für den Tod der gefiederten Tiere verantwortlich sein könnten, ist nicht bekannt. An der Dezimierung der Wasser- und Raubvögel werden Hauskatzen aufgrund des Größenverhältnisses höchstwahrscheinlich nicht beteiligt gewesen sein.

Auch deutsche Fledermäuse meiden Erneuerbare

Doch nicht nur auf Vögel haben Windkraftanlagen einen negativen bis tödlichen Effekt, sondern auch auf Fledermäuse. Jährlich fallen nachweislich rund 250.000 Tiere den Erneuerbaren zum Opfer4 – Tendenz steigend. Hinzu kommt, dass geeignete Standorte in offenen Landschaften immer rarer werden, sodass es zu einem vermehrten Bau von Windrädern in Waldgebieten kommt.

Diese Neuerung führt schließlich zur weiträumigen Verdrängung einiger Fledermausarten aus ihren Lebensräumen, wie Forscher der Universität Marburg und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in ihrer aktuellen Studie herausgefunden haben5. Dieser Eingriff in den einst ungestörten Luftraum hat entsprechende Auswirkungen auf das Jagdverhalten der Tiere und ihre Lebensweise.

Erneuerbare sind eine Gefahr für Fledermäuse

Fledermäuse wie das Große Mausohr (Myotis myotis) werden durch Windräder gefährdet. Foto: iStock

„Wir stellten fest, dass die Aktivität von Fledermäusen, die üblicherweise in der Vegetation von Wäldern nach Nahrung suchen, im Umkreis von 80 bis 450 Metern um die Windenergieanlagen mit zunehmender Windgeschwindigkeit um durchschnittlich 77 Prozent abnimmt, wenn die Anlagen in Betrieb sind. Die Fledermausaktivität blieb dagegen von der Windgeschwindigkeit unbeeinflusst, wenn die Anlagen abgeschaltet waren“, erklärt Biologin Julia Ellerbrok von der Universität Marburg.

Zusätzlich zum Verlust des Lebensraumes durch Rodung oder Umgehung der Windräder könnten die Rotorbewegungen mit ihren sogenannten Wirbelschleppen und der Lärm die empfindlichen Tiere stören, vertreiben oder töten. Die Tatsache, dass Fledermäuse die Anlagen vor allem bei Starkwind meiden, unterstützt diese Annahme.

Quellen und Literatur:

[1] Rosenberg et al. (2019); doi.org/10.1126/science.aaw1313

[2] Rigal et al. (2023); doi.org/10.1073/pnas.2216573120

[3] Vander Zanden et al. (2024); doi.org/10.1111/cobi.14191

[4] Voigt et al. (2015); doi.org/10.1007/s10344-015-0903-y

[5] Ellerbrok et al. (2024); doi.org/10.1016/j.gecco.2023.e02782



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