Laut Bundeskriminalamt besteht der Trend, dass vor allem Kinder und Jugendliche über ihre Smartphones immer häufiger kinder- und jugendpornografische Bilder teilen.Foto: DANIEL MUNOZ/AFP via Getty Images

Sexualisierte Gewalt via Webcam und Smartphone – Massiver Anstieg von Kindesmissbrauch im Jahr 2020

Von 2. Juni 2021 Aktualisiert: 2. Juni 2021 12:58
Kinderpornografie, Missbrauch, Mord. Die Zahlen in der Polizeilichen Kriminalstatistik sprechen eine klare Sprache. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Straftaten gegenüber Kindern gestiegen. Die Gefahr lauert nach Angabe der Ermittler auch in den eigenen vier Wänden, unbemerkt von den Eltern.

Am 26. Mai wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2020 in Deutschland vorgestellt. Sie dürfe nicht als „Rapport aus den Randbereichen der Gesellschaft missverstanden werden“, erklärte Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. „Sexuelle Gewalt gibt es überall, sie ist trauriger Alltag und findet meistens dort statt, wo sie niemand vermuten möchte – ganz nah dran in Familien, in der Nachbarschaft, im Sportverein und im Netz.“

Die Bandbreite der sexuellen Gewalt ist groß. Sie reicht von verbaler Belästigung über voyeuristisches Betrachten des kindlichen Körpers bis zur Penetration. Dazu gehört auch, ein Kind dazu aufzufordern – beispielsweise via Webcam – sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen.

Sexuelle Gewalt ist jede sexuelle Handlung, die an Kindern und Jugendlichen gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können. Bei unter 14-Jährigen werden sexuelle Handlungen immer als sexuelle Gewalt gewertet, selbst wenn ein Kind damit einverstanden wäre.

In Deutschland sind die angezeigten Fälle von Missbrauchsabbildungen, sogenannter Kinderpornografie, laut PKS im Vergleich zum Vorjahr von 12.262 um 53 Prozent auf 18.761 Fälle gestiegen. Seit 2018 hat sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die Missbrauchsabbildungen, insbesondere in sozialen Medien, weiterverbreiteten, erwarben, besaßen oder herstellten, mehr als verfünffacht.

Ob Verbreitung von Kinderpornografie oder Besitzverschaffung des Materials mit und ohne Verbreitungsabsicht, die Anzahl der Straftaten ist – mit Ausnahme der gewerbs-/bandenmäßigen Verbreitung und Herstellung in den vergangenen Jahren beständig gestiegen.

Waren es im Jahr 2019 1.373 Tatverdächtige unter 18 Jahren, so stieg die Anzahl auf 7.643 Tatverdächtige im vergangenen Jahr.

Hell- und Dunkelfeld

Die Kriminalstatistik verzeichnet für das Jahr 2020 in Deutschland 14.594  Straftaten des sexuellen Kindesmissbrauchs, die den Ermittlern gemeldet wurden. Hinzu kommen 1.528 Anzeigen von sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen und Jugendlichen sowie 21.868 Fälle sogenannter Kinder- und Jugendpornografie.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um das sogenannte Hellfeld. Das Dunkelfeld ist weitaus größer. Forschungen der vergangenen Jahre haben ergeben, dass etwa jeder siebte bis achte Erwachsene in seiner Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt erlitten hat.

Es ist davon auszugehen, dass etwa ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse von sexueller Gewalt in der Familie und andernorts betroffen waren oder sind, heißt es in dem Bericht. „In diese Zahlen fließen die Fälle von sexueller Gewalt, die durch andere Kinder oder Jugendliche verübt wird, nur zu einem kleinen Teil ein.“ Befragungen von älteren Schülern und Schülerinnen hätten darauf hingewiesen, dass Übergriffe durch andere Jugendliche eine häufige Form von Gewalt sind.

Internationaler Kindesmissbrauch via Webcam

Doch nicht nur in Deutschland, auch international sprechen die Zahlen für eine Zunahme der sexuellen Ausbeutung von Kindern via Internet, so die Kriminalstatistik weiter. Nach Angaben des Jahresberichts 2020 der britischen Internet Watch Foundation (IWF) hat die Organisation einen dramatischen Anstieg an selbst erstelltem Missbrauchsmaterial um 77 Prozent im Vergleich zu 2019 verzeichnet. Nicht nur Kinder, auch Täter hätten 2020 mehr Zeit online verbracht. In einigen Fällen werden die Kinder laut IWF überredet oder erpresst, selbst erstellte Webcam-Videos aus ihren Kinderzimmern zu versenden.

Von diesem sogenannten Cybergrooming sind vor allem Mädchen zwischen 11 und 13 Jahren betroffen. Die IWF vermutet, dass Kinder durch die Schulschließungen und Lockdowns in der Corona-Pandemie einer höheren Gefahr ausgesetzt sind. Denn zum einen verbringen sie mehr Zeit online, und zum anderen ist die Nachfrage an Missbrauchsdarstellungen und -material auf Livestreaming-Plattformen ansteigend.

Zudem konnten viele Technologie-Unternehmen weniger Mitarbeitende in der Online-Überwachung von sexuellem Missbrauch einstellen und somit weniger Missbrauchsfälle erfassen.

Bereits im Juni 2020 warnte Europol vor einer starken Zunahme der sexuellen Ausbeutung von Kindern online während der COVID19-Pandemie. Im ersten Lockdown in Europa ist der Konsum von Missbrauchsabbildungen um rund 30 Prozent gestiegen.

Europol weist darauf hin, dass auch das Livestreaming von sexualisierter Gewalt an Kindern immer mehr nachgefragt wird. Sexualstraftäter haben ihre kriminellen Aktivitäten in sozialen Medien vermehrt verstärkt. Webcam-Videos nahmen laut Europol in den Foren der Täter deutlich zu. In derartigen Foren tauschen Straftäter nicht nur Missbrauchsmaterial aus, sondern auch die „Best Practices“, wie man die Opfer in die Falle lockt.

BKA: Kinder und Jugendliche verbreiten pornografische Bilder über Smartphones

Laut Bundeskriminalamt (BKA) besteht auch in Deutschland ein Trend, dass vor allem Kinder und Jugendliche über ihre Smartphones immer häufiger kinder- und jugendpornografische Bilder teilen. Dabei sei ihnen die Strafbarkeit ihrer Handlung häufig nicht bewusst. Entweder würden sie nicht von ihren Eltern dafür sensibilisiert oder würden die pornografischen Dateien als „Mutprobe“ weiterleiten.

BKA-Präsident Holger Münch findet es wichtig, dass Kinder um diese Gefahren wissen und zu einem sicherheitsbewussten Umgang mit dem Internet angeleitet werden. Wir alle seien aufgefordert, wachsam zu sein und Verantwortung zu übernehmen. „Jeder, der Anzeichen strafbarer Handlungen an Kindern wahrnimmt, sollte deshalb nicht zögern, die Polizei zu informieren und Strafanzeige zu erstatten oder Hilfestellen oder das Jugendamt zu kontaktieren.“

Münch weist gleichzeitig darauf hin, dass sich nicht alle erfassten Fälle in der deutschen Statistik im Jahr 2020 ereignet haben. Die Fälle würden zu dem Zeitpunkt erfasst, wenn die Polizei ihre Bearbeitung abschließt. Demnach haben sich mehr als ein Viertel der statistisch erfassten Straftaten in Deutschland vor 2020 ereignet. Damit sei ein direkter Zusammenhang mit der Corona-Pandemie für ihn nicht belegbar.

Mord- und Tötungsdelikte an Kindern unter 14 Jahren

Neben dem sexuellen Missbrauch gibt die Kriminalstatistik auch Auskunft über die Mord- und Tötungsdelikte an Kinder. Im vergangenen Jahr sind demnach 152 Kinder in Deutschland gewaltsam zu Tode gekommen, wobei Verkehrsunfälle nicht in die Statistik eingeflossen sind. 115 der getöteten Kinder waren jünger als sechs Jahre. Insgesamt 38 der getöteten Kinder fielen einem Mord zum Opfer, davon waren 13 unter sechs Jahren. In den Jahren 2012 und 2013 lag die Zahl der Mord- und Tötungsdelikte höher.

Im Vergleich zu den Vorjahren ergibt sich folgendes Bild:

Versuchter Mord und Totschlag an Kindern

Die Gesamtzahl der versuchten Mord- und Totschlagsdelikte gegen kindliche Opfer sprengte in diesem Jahr erstmals die 100er-Marke. Im Vergleich zu 2019 stiegt die Anzahl der polizeilich gemeldeten Fälle um mehr als das Doppelte von 87 auf 134; 66 Kinder waren unter sechs Jahren alt.

 

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert eine massive Personalaufstockung bei Polizei und Justiz. Ermittlungen dürften nicht daran scheitern, dass Durchsuchungsbeschlüsse nicht vollstreckt oder Datenträger nicht ausgewertet werden.

Es könne auch nicht sein, dass „tausende Akten bundesweit auf Halde liegen, weil es keine Kapazitäten für ihre Bearbeitung gibt“. Für Rörig steht fest: „Hier ist ein Kipppunkt erreicht – wir müssen verhindern, dass das System kollabiert!“

Rörig hält es für erforderlich, dass der nächste Bundestag eine Enquête-Kommission einsetzt. Dort sollten Datenschützer, Kinderschützer, Cyberkriminologen und Ermittler sowie Vertreter der großen Online-Unternehmen und Gamingplattformen zusammen eine Grundsatzstrategie zur Bekämpfung sexueller Gewalt im Netz erarbeiten.



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