Spekulationen beim BRICS-Gipfel: Warum verschwindet Chinas Staatschef vorübergehend

Eigentlich sollte Xi Jinping in Johannesburg eine Rede halten. Tat er jedoch nicht. Ein Minister las vor. In China vertuscht man den Vorfall.
Titelbild
Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping während des BRICS-Gipfels 2023 im Sandton Convention Centre in Johannesburg am 24. August 2023.Foto: Marco Longari / AFP via Getty Images
Von 24. August 2023

Vom 22. bis 24. August treffen sich die Vertreter der fünf BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in Johannesburg zu ihrem diesjährigen Treffen. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping war bereits am Tag vor dem Gipfel angereist.

Auf einem Wirtschaftsforum am nächsten Tag sollte er im Rahmen des BRICS-Treffens eine Rede halten. Überraschenderweise kam Xi jedoch nicht zu dem Forum.

Seine Rede wurde von Handelsminister Wang Wentao lediglich vorgelesen. Eine offizielle Erklärung chinesischer Beamter gibt es bisher nicht. Xis unerklärliche Abwesenheit löste jedoch Spekulationen aus. Einige Experten vermuten gesundheitliche Probleme, andere einen Vorfall in China.

Später tauchte Xi wieder auf, als wäre nichts geschehen. Kurioses am Rande: Türsteher mussten Xis Berater bei der Ankunft im Sitzungssaal des Sandton Convention Centre abdrängen, als dieser Eintritt zum Gruppengipfel begehrte; der zweite seltsame China-Vorfall auf dem Gipfel.

Warum war Xi verschwunden?

Das China Global South Project (CGSP), eine Washingtoner Denkfabrik, sprach von einem „sehr ungewöhnlichen ersten Tag für die chinesische Delegation“ beim BRICS-Gipfel in Johannesburg. „Zu sagen, dass dies außergewöhnlich ist, ist eine Untertreibung, da chinesische Staats- und Regierungschefs solch hoch choreografierte Ereignisse nie verpassen“, erklärte die CGSP auf der Social-Media-Plattform X (Twitter).

Man erinnerte daran, dass dies bereits die „zweite mysteriöse Abwesenheit Chinas bei einer BRICS-Veranstaltung in diesem Jahr“ sei. Chinas ehemaliger Außenminister Qin Gang fehlte im Juli vor seiner Ablösung aus unerklärlichen Gründen beim BRICS-Außenministertreffen in Kapstadt.

Die chinesischsprachige Epoch Times sprach mit Su Ziyun, Direktor des National Defense Strategy and Resources Research Institute of Taiwan, am 23. August.

Der Chinaexperte meinte, dass Xi Jinping möglicherweise auf besondere Umstände gestoßen sei. Herr Su zog sowohl gesundheitliche Probleme bei Xi selbst in Erwägung als auch Herausforderungen aus dem Kreis der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) oder militärische Probleme, wie unlängst mit der Führung der Raketentruppen. Er riet zu Aufmerksamkeit.

Sollte Xi auch bei anderen geplanten Reden in Südafrika fehlen, könne man davon ausgehen, dass es in China große Probleme gebe. Vielleicht sei Xi daher bereits nach China zurückgekehrt. Bereits früher habe es vergleichbare Fälle in anderen Ländern gegeben. Staats- und Regierungschefs seien früher nach Hause zurückgekehrt – „normalerweise aufgrund großer innerstaatlicher Veränderungen“.

Chinas Staatsmedien vertuschen Abwesenheit

Chinas offizielle Partei-Medien berichteten zwar von Xis Rede, ignorierten aber den Umstand, dass diese lediglich von Minister Wang vorgelesen worden war. So schrieb die „Peoples Daily“, Chinas „Volkstageszeitung“, am 24. August, dass Xi eine Rede am Nachmittag des 22. bei der Abschlusszeremonie des BRICS-Wirtschaftsforums in Johannesburg gehalten habe. Man sprach gar von „begeisterten Reaktionen in der internationalen Gemeinschaft“ auf Xis Rede hin.

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, veröffentlichte ein Foto des Veranstaltungsortes auf X (Twitter) – ohne Xi Jinping. Im Begleittext tat die Sprecherin dann aber so, als ob Xi anwesend gewesen wäre: „Präsident Xi Jinping hielt eine Rede bei der Abschlusszeremonie des BRICS-Wirtschaftsforums 2023“, hieß es da.

Die CGSP kommentierte in einem Post: „Die oberste Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, verstärkte die Verwirrung über die ungeklärte Abwesenheit von Präsident Xi Jinping beim BRICS-Wirtschaftsforum in Südafrika“, weil sie fälschlicherweise behauptet habe, dass Xi bei der Veranstaltung „eine Ansprache gehalten“ habe.

Brian Hart vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington meinte zu dem Posting der chinesischen Sprecherin: „Das ist sehr seltsam. Hua Chunying sagt, Xi habe eine Rede ‚gehalten‘, aber Xi schwänzte das Treffen.“ An seiner Stelle habe Handelsminister Wang gesprochen. „Beachten Sie, dass das Foto hier von weit hinten aufgenommen wurde und Xi nicht zeigt.“

Auch Kristie Lu Stout, CNN-Moderatorin in Hongkong, wunderte sich: Es sei das erste persönliche Treffen der BRICS-Gruppe seit der Pandemie, die zweite Auslandsreise von Xi in diesem Jahr und Xis erste Reise nach Afrika seit fünf Jahren: „Warum also hat Xi unerwartet eine wichtige BRICS-Veranstaltung verlassen?“

Auch Putin fehlte bei BRICS

Neben China und Russland gehören auch Indien, Brasilien und Südafrika zu den sogenannten BRICS-Staaten. Seit 15 Jahren treffen sich deren Staats- und Regierungschefs jährlich zu einer Konferenz für internationale Beziehungen.

Als Gastgeber fungierte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa. Für die weiteren vier BRICS-Staaten waren angereist: Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, Indiens Premier Narendra Modi und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Für Russland kam Außenminister Sergei Lawrow, stellvertretend für Präsident Wladimir Putin, der aufgrund eines internationalen Haftbefehls aus Den Haag nur per Videoschalte anwesend sein wollte. Wegen dieses Umstandes hatten die Organisatoren sogar überlegt, das Treffen nach China zu verlegen, sich schließlich aber dennoch für Südafrika entschieden.

Ramaphosa hatte zu dem Treffen weitere 67 hochrangige Politiker aus mehr als 30 Ländern Afrikas und des Globalen Südens eingeladen. Zudem waren weitere 20 internationale Vertreter – einschließlich der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und der regionalen Wirtschaftsgemeinschaften Afrikas gekommen. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Interesse bekundet, bekam jedoch keine Einladung.



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