Chinesische Lampions – Glücksbringer und Nachrichtenübermittler

Von 13. November 2006 Aktualisiert: 13. November 2006 21:32
„Es ist ein Glücksbringer!“ Mit diesen Worten schenkte mir eine chinesische Freundin einen von diesen hübschen, meist roten chinesischen Lampions. Inzwischen habe ich gelernt, dass Lampions in China auch Nachrichten …

„Es ist ein Glücksbringer!“ Mit diesen Worten schenkte mir eine chinesische Freundin einen von diesen hübschen, meist roten chinesischen Lampions. Inzwischen habe ich gelernt, dass Lampions in China auch Nachrichten über Geburt und Tod, gesellschaftlichen Status und bevorstehende Gefahren mitteilen können.

Dynastien kamen und gingen in China. In Zeiten des Friedens über Jahrhunderte hinweg zeigten die Größe und die Platzierung von Lampions vor dem Wohnhaus die gesellschaftliche Stellung seiner Bewohner an. Kostbare Seiden-Lampions hingen vor den Häusern reicher Leute. Rote Lampions berichteten von frohen Ereignissen wie Geburt oder Heirat. Ein blauer Lampion dagegen signalisierte abnehmende Energie, daraus konnte man auf Krankheit in der Familie schließen. Die Farbe Weiß steht im asiatischen Raum für den Tod, so hängte man bei einem Trauerfall weiße Lampions vor das Haus, als Zeichen für die Trauer um Verstorbene.

Erfinder war ein Militär

Sie heißen noch immer Kongming-Lampions, denn ihr Erfinder war angeblich der Militärstratege und Kriegsheld Zhu Ge Liang (181-234 n. Chr.), der im Volksmund Kongming* hieß. Er war einer der berühmtesten Militärberater in der Geschichte Chinas und wurde später Premierminister im Königreich Shu. Damals, in der Zeit der Drei Reiche, wurden Lampions zum ersten Mal eingesetzt, um Informationen über die aktuelle militärische Lage anzuzeigen. In der Überlieferung heißt es:

Kongming befand sich einmal bei Kämpfen mit einem Teil seiner Truppen in einer kleinen Stadt umzingelt. Es war unmöglich, die Stadt zu verlassen, und somit konnte er seine Mitkämpfer nicht informieren und keine Hilfe von ihnen erbitten. Da ließ Kongming große Ballons aus dünnen Bambusstangen und zartem Papier herstellen. Oben waren sie geschlossen, unten offen. Am unteren Ende befand sich eine kleine Konstruktion aus Bambusstangen, auf der ein Stück Stoff befestigt war. Dieser Stoff wurde mit Petroleum getränkt und angezündet. Nach kurzer Zeit erwärmte sich die Luft in den solcherart erschaffenen Lampions sehr stark und dehnte sich aus, sodass sie in die Höhe schwebten. War der Stoff verbrannt, sanken sie von selbst wieder auf den Boden zurück. Ein Prinzip, nach dem auch heute noch die Ballonfahrt funktioniert.

Mit Hilfe des I Ging, eines Orakelbuches, das in China seit Jahrtausenden bekannt ist, konnte Kongming vorhersagen, zu welcher Zeit der Wind aus welcher Richtung wehen würde. Zu einem nach dieser Vorhersage festgelegten, günstigen Zeitpunkt ließ Kongming viele solcher Lampions hochschweben, auf die er Informationen über seine Lage hatte schreiben lassen. Die fliegenden Boten bewegten sich nun in Richtung seiner Mitkämpfer außerhalb der Stadt, die auf diese Weise Kenntnis über die bedrängte Lage von Kongming und seinen Truppen erhielten. Sie eilten zur Stadt und konnten Kongming und die eingeschlossenen Truppen retten.

Zeichen von Freude und Hoffnung

Als Maos Kulturrevolution in den Jahren 1966 – 1976 über China und seine Menschen hereinbrach, wurden die traditionellen Lampions, wie so viele kostbare Kulturgüter auch, als Zeichen der Bourgeoisie verachtet und durften nicht mehr benutzt werden.

Nach dem Ende der Kulturrevolution lasteten die Düsternis und die schlimmen Erfahrungen dieser Zeit noch zwei Jahre über dem chinesischen Volk. Erst langsam erwachte es aus einem Zustand der Lethargie. Und erst nach vollen zwei Jahren fanden 1978 fast explosionsartig wieder die alten Feste im Volk statt. Das Ende der Kulturrevolution wurde gefeiert, auch das Laternenfest kehrte zurück. Es wird am 15. Tag nach dem chinesischen Neujahr gefeiert, das wiederum nach dem Mondkalender festgelegt wird. Das Laternenfest ist farbenfroh und die Laternen haben die verschiedensten Motive, sie zeigen die Mondgöttin oder den Hasen, dessen Sitz man im Mond vermutet, sie zeigen Szenen aus dem berühmten Roman „Die Reise in den Westen“, sie zeigen kleine Schweinchen und andere Tiere, manche geben dem Betrachter Rätsel auf, die es mit viel Spaß zu lösen gilt.

Noch heute ist es in manchen Gegenden in China Brauch, Kongming-Laternen hochschweben zu lassen, besonders in der Nacht des Mondfestes. Sie tragen nicht mehr die Informationen über die militärische Lage mit sich, sondern man schreibt gute Wünsche auf die Lampions und hofft, dass sie in Erfüllung gehen.
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* In alter Zeit hatten chinesische Männer zwei Namen; einer wurde von den Angehörigen der Familie, von Freunden und ihnen nahe stehenden Personen benutzt, der andere war der offizielle Name. Auch heute gibt es in manchen traditionsbewussten Familien noch Männer mit zwei Namen.

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