Ab sofort werden im chinesischen Unterricht wieder traditionelle Schriftzeichen gelehrt. (Foto: Getty Images)

Traditionelles Chinesisch

Von 21. November 2007 Aktualisiert: 21. November 2007 19:41
China, Taiwan, Japan und Korea führen die alte chinesische Schrift ein

Auf dem achten Internationalen Kongress über Chinesische Schriftzeichen am 30. und 31. Oktober 2007 in Peking haben Gelehrte aus der Volksrepublik China, Taiwan, Korea und Japan die Vereinheitlichung der Schriftsprache von geläufigen Wörtern beschlossen, die größtenteils auf traditionellen Schriftzeichen beruht. Damit wurde der seit langem bestehenden Debatte, die traditionellen Schriftzeichen mit Vereinfachten zu ersetzen, ein Ende bereitet. Es war das erste Mal, dass das chinesische kommunistische Regime die Idee einer „Koexistenz zwischen vereinfachten und traditionellen chinesischen Schriftzeichen“ angenommen hat.

Traditionelle Schrift-zeichen als Standard

Nach der südkoreanischen Zeitung „Chosun Daily“ sollen mehr als 5.000 alltäglich verwendete Zeichen zu den ursprünglichen, traditionellen Schriftzeichen umgewandelt werden. Die vereinfachte Version von einigen Schriftzeichen soll beibehalten werden.

Organisiert wurde der Kongress vom Institut für Anwendung der Sprache und Schriftzeichen des chinesischen Bildungsministeriums sowie dem Büro für Internationale Verbreitung und Lehre der chinesischen Sprache. Die Experten beschlossen zudem einen Plan, der eine Erweiterung des Geltungsbereiches vorsieht. So soll die neue Regelung neben der Volksrepublik China auch in anderen Ländern und Gebieten gelten, wo die chinesische Sprache gebräuchlich ist, wie beispielsweise in Vietnam, Malaysia, Singapur, Hong Kong oder Macao. Zudem wurde die Veröffentlichung eines Wörterbuches von vergleichenden Studien der chinesischen Schriftzeichen aus den vier Ländern China, Taiwan, Japan und Korea geplant, um dort die angewandten Schriften zu standardisieren. Der neunte Kongress soll 2008 in der Südkoreanischen Hauptstadt Seoul stattfinden.

1991 hatte Südkorea diesen Internationalen Kongress über Chinesische Schriftzeichen initiiert. Ziel war es gewesen die gemeinsam verwendeten Wörter herauszufinden und die Schreibweise zu standardisieren. Denn bis dato wurden in den vier Ländern oftmals gleiche Wörter anders geschrieben. So verwenden Süd-Korea und Taiwan traditionelle Schriftzeichen, China und Japan dagegen vereinfachte Schriftzeichen.

Ändern der Schriftzeichen führt zum kulturellen Bruch

Dr. Zhang Tian Liang, Kolumnist der Epoch Times, sieht die Einigung positiv: Eine zentrale Eigenschaft der tradtionellen, chinesischen Schriftzeichen sei ihre Standfestigkeit. Über diese Schrift könnten die Leute in ganz China, unabhängig von ihren unterschiedlichen lokalen Dialekten, kommunizieren. Eben dieser einzigartige Aspekt habe das Lesen von Literatur von der Han- bis zur Qin-Dynastie möglich gemacht. Es würde zum kulturellen Bruch führen, sollten die Zeichen modifiziert werden. Bei der Erfindung der chinesischen Schriftzeichen drücke jedes Zeichen durch seine Zusammensetzung eine tief greifende Bedeutung aus, die in den vereinfachten Schriftzeichen nicht mehr wieder zu finden sei.

Einführung vereinfachter Schriftzeichen scheiterte

Der Chefredakteur von Web Digest, Xu Shuiliang, meint, dass die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) schon vor der Machtübernahme mit der Vereinfachung der traditionellen Schriftzeichen begonnen habe. Die erste Regelung zur Vereinfachung der chinesischen traditionellen Schriftzeichen sei 1956 und die „Zusammenfassung der vereinfachten chinesischen Schriftzeichen“ 1964 publiziert worden. Jedoch habe die „Zweite Regelung zur Vereinfachung der chinesischen Schriftzeichen“ 1977 zurückgenommen werden müssen. Bis zum Tod habe Mao daran festgehalten, die traditionellen chinesischen Schriftzeichen abzuschaffen und die lateinisch geschriebene Lautsprache der Schriftzeichen, Pingyin genannt, als Schrift einzuführen. Doch seien alle diesbezügliche Versuche der Abschaffung gescheitert.

Traditionelle chinesische Kultur untergraben

Zhang Fuzhang, ein taiwanesischer Sprachwissenschaftler und Chefredakteur von „Was alte Prophezeiungen uns heute sagen“ sieht das endgültige Ziel der KPCh darin, die tiefe spirituelle Bindung der traditionellen chinesischen Kultur zu untergraben und die Nachkommen von der Kultur zu trennen. Jedoch sei dieses Vorhaben wegen der großen Anzahl an Zeichen, die gleiche Laute aber ganz andere Bedeutungen haben, fehlgeschlagen. Außerdem hätte die Bevölkerung die Lautsprache nicht als neue Schreibweise akzeptiert. Eine erneute Vereinheitlichung zurück zu den traditionellen Schriftzeichen habe somit der allgemeinen Tendenz entsprochen. Doch obwohl die daraufhin vereinfachten Schriftzeichen aus weniger Strichen bestünden, würden sie die Regeln der grundlegenden Strukturkomponenten der chinesischen Schriftzeichen und ihre kulturelle Bindung untergraben. Einige der vereinfachten Schriftzeichen trügen sogar den gegensätzlichen Sinn der Originalen. Das erschwere zusätzlich das Lernen von Chinesisch. Das Verstehen von alter Lektüre gestalte sich für Leute, die die vereinfachte Schriftzeichen lernten, als äußerst schwierig. „Die chinesische Kultur wurde durch die vereinfachten Schriftzeichen beschädigt, und der wertvollste Teil der Chinesischen Kultur zerstört“, sagt Zhang.

義 (yi) wird zu 义 (yi)

Das traditionelle Schriftzeichen für Gerechtigkeit und Treue ist 義 (yi). Das obere Zeichen 羊 (Yang), Schaf oder Lamm, war im alten China ein Symbol von Glück und Wohlergehen. Die Menschen verwendeten Lammfleisch als Opfergabe, um sich bei Erde, Himmel und Gottheiten zu bedanken. In Zusammensetzung mit dem unteren Zeichen 我 (wo), ich, – wortwörtlich also: ich bin ein Schaf – bedeutet 義, dass man sich für die Gerechtigkeit opfern kann, so wie man einer Gottheit das Lammfleisch als Opfer darbringt. Dieser kulturelle Inhalt von 義 ging in der vereinfachten Version 义 völlig verloren. 义 ist ein künstlich vereinfachtes Schriftzeichen, ohne jeden tieferen Sinn.


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion