Medizinisches Personal in Wuhan trifft Vorbereitungen, um einen Mann auf das neuartige Coronavirus zu testen. Alle Bewohner sollen getestet werden.Foto: Hector Retamal/AFP via Getty Images

11 Millionen Tests in 10 Tagen: Wuhan soll komplett getestet werden

Von 16. Mai 2020 Aktualisiert: 17. Mai 2020 15:44
Die zentralchinesische Stadt Wuhan verlangt, dass sich alle Einwohner einem Nukleinsäuretest für das SARS-CoV-2 unterziehen. Die Behörden planen, die Tests an insgesamt mehr als 11 Millionen Menschen innerhalb von 10 Tagen abzuschließen.

Aufgrund der Terminierung für zwei bevorstehende politische Highlights – dem Volkskongress und der Politischen Konsultativkonferenz Chinas ab dem 22. Mai glauben einige Analysten, dass die Behörden breit angelegte Tests durchführen wollen, um zu vermeiden, dass infizierte Beamte zur Konferenz nach Peking reisen.

Seit Anfang April wurden Ausbrüche der zweiten Infektionswelle in den nordöstlichen Provinzen, der südlichen Provinz Guangdong und Wuhan, wo das Virus zuerst ausbrach, gemeldet.

„Ergebnis des Nukleinsäuretests ist wichtiger als ein Personalausweis“

In einer „dringenden Benachrichtigung“ rief die Stadtregierung von Wuhan laut einem internen Dokument vom 11. Mai, das online durchgesickert ist, alle Bezirke der Stadt auf, einen sogenannten „Zehn-Tage-Kampf“ durchzuführen. Die Stadtverwaltung wies an, dass sich sowohl die dauerhaften Einwohner, als auch diejenigen Menschen, die sich nur vorübergehend in der Stadt aufhielten, einem Nukleinsäuretest unterziehen müssten. Die Tests müssten bis zum 22. Mai abgeschlossen sein.

Die Stadt forderte die einzelnen Bezirksregierungen auf, ihre Testpläne bis zum Mittag des 12. Mai vorzulegen. Die staatliche chinesische Onlinezeitung The Paper zitierte einen Beamten der Bezirksregierung von Wuhan, der sagte, er habe am 11. Mai einen nächtlichen Test arrangiert.

Einige Bewohner von Wuhan aus dem im Bezirk Dongxihu gelegenen Stadtteil Gexin veröffentlichten im Internet Mitteilungen, die sie von den lokalen Behörden erhalten hatten: „Bei den Tests darf niemand ausgelassen werden. Alle Personen müssen erfasst werden“.

Bewohner, die den Test bereits innerhalb der letzten sieben Tage absolviert hatten, wurden in der Mitteilung angewiesen, sich mit dem bisherigen Testergebnis anzumelden.

Wang Chen, ein Spezialist für Atemwegserkrankungen und Vizepräsident der staatlichen Chinesischen Akademie für Ingenieurwesen, sagte am 28. April während eines nationalen Treffens zur Virus-Reaktion: „Das Ergebnis des Nukleinsäuretests ist wichtiger als ein Personalausweis. Es ist ein wichtiger Nachweis, der es den Menschen ermöglicht, sich zwischen Städten zu bewegen“.

Alle Infektionen feststellen

Der in den USA ansässige Kommentator für China-Angelegenheiten, Tang Jingyuan, bemerkte, dass angesichts der großen Bevölkerungszahl Wuhans die Stadt allein wahrscheinlich nicht die Kapazität habe, alle Proben selbst zu testen.

Tang schätzt, dass Proben zum Testen in andere Städte gebracht werden müssten – was bedeute, dass die Entscheidung, alle Einwohner Wuhans zu testen, eine Koordination auf nationaler Ebene erfordere und damit die Zustimmung der Zentralregierung benötigt werde.

„Ich denke, das Regime in Peking verfolgt [mit dieser Entscheidung] zwei Ziele. Eines ist es, den Überblick über die Einwohner von Wuhan zu behalten, die nach Peking gehen“, sagte Tang.

Gegenwärtig ist es den Einwohnern von Wuhan nicht erlaubt, in eine andere Stadt zu reisen, ohne sich einem Nukleinsäuretest zu unterziehen. Da die Tests innerhalb der nächsten zehn Tage abgeschlossen werden sollen, können die Einwohner die Stadt in der Zwischenzeit nicht ohne weiteres verlassen.

„Der zweite Zweck liegt darin, alle Infektionen festzustellen. Obwohl das Regime nur einen einzigen Gruppenausbruch in einer Wohnanlage öffentlich machte, haben Einheimische mehrere andere Ausbrüche gemeldet. Ich glaube, dass die Behörden diese Gelegenheit nutzen wollen, um alle asymptomatischen Träger zu finden“, fügte Tang hinzu.

Neue Fälle

Nachdem Wuhan die Sperrmaßnahmen am 8. April aufgehoben hatte, gab die Stadtverwaltung wochenlang keine neuen Fälle bekannt und forderte die Menschen auf, so schnell wie möglich an die Arbeitsplätze zurückzukehren.

Am 6. Mai öffnete die Regierung Gymnasien, technische Schulen und Berufsschulen für die höheren Klassen und stellte die Wiedereröffnung als Zeichen dafür dar, dass der Ausbruch unter Kontrolle sei.

Am 10. Mai gaben die Behörden jedoch bekannt, dass am 9. Mai bei einem 89-jährigen Mann das Virus diagnostiziert worden sei. Einen Tag später gaben die Behörden fünf weitere Patienten bekannt, die im gleichen Wohngebiet wie der ältere Mann leben. Die Regierung sperrte das Gelände ab, schickte Hunderte weiterer Bewohner in Quarantänezentren und veranlasste, dass sich alle der über 4.900 Bewohner Nukleinsäuretests unterziehen mussten.

Am 12. Mai meldete die Provinz Hubei, deren Hauptstadt Wuhan ist, 11 neue asymptomatische Träger, ohne anzugeben, wo sie diagnostiziert worden waren. Am selben Tag meldete die Inselprovinz Hainan einen importierten asymptomatischen Träger, der am 10. Mai per Flugzeug aus Wuhan auf die Insel gereist war, was darauf hindeutete, dass er in Wuhan mit dem Virus infiziert worden war. Auch die Stadt Chongqing im Südwesten Chinas gab am 12. Mai zwei importierte asymptomatische Träger bekannt, die aus Hubei angereist waren.

Diese offiziellen Verlautbarungen deuten darauf hin, dass sich das Virus in Wuhan und anderen Städten in Hubei immer noch ausbreitet.

Bewerbungsverfahren abgebrochen

Am 11. Mai veröffentlichten Einheimische aus Wuhan auf Social-Media-Plattformen ein Video, das mehrere Sicherheitsbeamte vor einem Supermarkt in der Jinghan Avenue zeigt. Den Kommentaren zufolge wurde der Supermarkt geschlossen, nachdem ein Mitarbeiter des Geschäfts als asymptomatischer Träger diagnostiziert worden war.

Am selben Tag öffnete die örtliche Filiale des chinesischen Herstellers von Bildschirmgeräten China Star Optoelectronics Technology ihre Türen, um Arbeitskräfte anzuwerben. Als Hunderte von Menschen Schlange standen, um sich für die Stellen zu bewerben, gab das Unternehmen plötzlich ohne Angabe von Gründen bekannt, dass das Einstellungsverfahren abgebrochen werde. Wuhan-Netizens sagten, sie glaubten, dies sei auf die Angst vor der Verbreitung des Virus zurückzuführen.

Das Original erschien in The Epoch Times (deutsche Bearbeitung von mk)
Originalartikel: Wuhan Orders Testing of All City Residents to Contain Virus’s Spread

 

China im Fokus, die neue Serie von NTD Television. Jetzt auch auf Deutsch!

 


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

In letzter Zeit beobachten wir, wie Hacker immer wieder beliebige Nicks verwenden und üble Kommentare unter eben diesen Namen schreiben. Trolle schrecken nicht davor zurück, das Epoch Times Logo als Profilbild sich anzueignen und ebenfalls die Kommentarfunktion auf schlimmste Weise zu missbrauchen.

Aufgrund der großen Menge solcher Angriffe haben wir uns entschieden, einen eigenen Kommentarbereich zu programmieren, den wir gut kontrollieren können und dadurch für unsere Leser eine wirklich gute Kommentar-Umgebung schaffen können.

In Kürze werden wir diese Kommentarfunktion online stellen. Bis dahin bitten wir Sie noch um etwas Geduld.


Ihre Epoch Times - Redaktion