Der Präsident von Mali Ibrahim Boubacar Keita (4. L) beim Begräbnis der drei Chinesen, die beim Angriff im Hotel Radisson Blu in Bamako am 26. November 2015 starben. Es waren die drei vielleicht wichtigsten Männer in Mali zu dieser Zeit. Weiterhin starben u.a. sechs Russen, zwei Belgier, ein Amerikaner, ein Israeli, ein Senegalesen und ein Mitglied der Sondereinheiten von MalianFoto: HABIBOU KOUYATE/AFP/Getty Images

Analyse: IS-Blutbad in Hotel in Mali war Schlag gegen China und Russland

Von 1. Dezember 2015 Aktualisiert: 9. Oktober 2016 11:30
Bei einem mutmaßlichen Angriff des IS auf das Radisson Blu Hotel in Mali starben am 20. November rein "zufällig" mehrere Russen und Chinesen, die Großprojekte in Mali planten. Drei Top-Männer der chinesischen Eisenbahnbaugesellschaft und sechs Vertreter der Frachtfluggesellschaft Volga-Dnepr waren die vielleicht wichtigsten Personen, die sich zum Zeitpunkt des Anschlags im Land aufhielten.

Wie Eric Draitser, unabhängiger geopolitischer Analytiker aus New York berichtet (just New Eastern Outlook), ist es interessant, einen Blick auf die Opfer des Angriffes in Mali zu richten. Internationale Medien haben bestätigt, dass mindestens 9 der 27 Ermordeten Chinesen und Russen sind. Und das waren nicht irgendwelche Personen.

Drei der Chinesen, die gleich anfangs ermordet wurden, waren hohe Beamte der CCRC, der China Railway Construction Corporation – der Eisenbahnbaugesellschaft, ihre Namen sind Zhou Tianxiang, Wang Xuanshang und Chang Xuehui. Zhou war Generaldirektor der internationalen Abteilung der CRCC und Wang war sein Stellvertreter und Chang war Generaldirektor der Westafrikaabteilung der CRCC.

Die sechs Russen waren Angestellte der russischen Fracht-Fluggesellschaft Volga-Dnepr. Diese transportiert alles, was sperrig, zu schwer, zu groß und zu unhandlich ist: Von übergroßen Baggern bis zu Flugzeugen, Helikoptern, Mini-Fabriken und Kraftwerken, auch schwere Maschinen zur Energie-Gewinnung – sprich: Schwere, komplizierte und unhandliche Frachten.

Kein Zufall – es sind Vertragspartner der Regierung

Wie die Positionen der Chinesen schon andeuten, investiert China in Mali bei großen Projekten im Eisenbahnbau. Der Eisenbahnbau ist ein Schlüssel für die ökonomische Entwicklung von Mali, das keinen Zugang zum Meer hat.

Es sind grundlegende Projekte, da die alten Kolonialherren Frankreich, die militärische Besatzungsmacht USA und auch Deutschland in Afrika allgemein kaum oder keine Infrastruktur für die Bevölkerung errichteten – sondern nur, um Bodenschätze aus dem Land zu schaffen – es gab auch Eisenbahnlinien, die nur Güter und keine Menschen transportierten.

Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita nahm Ende 2014 am World Economic Forum in Tianjin / China teil. Am Rande des Formus schloss er wichtige Entwicklungsabkommen mit China ab, bei denen das wichtigste Projekt der Eisenbahnbau ist.

Es geht einerseits um den Bau von 900 km Eisenbahn im Umfang von 8 Mrd. Dollar von Bamako zur Hauptstadt von Guinea, Conakry, die ein Atlantikhafen ist. Andererseits geht es um die Erneuerung der Eisenbahnverbindung zwischen Bamako und Senegals Hauptstadt Dakar im Umfang von 1.5 Mrd. Dollar.

Allein diese beiden Projekte, zusammen mit einer neuen Brücke in Bamako und einer Straße im Norden des Landes, haben einen finanziellen Umfang, der das Bruttonationalprodukt Malis erreicht (2014 waren das 12 Mrd. Dollar).

Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass diese drei entscheidenden Männer rein „zufällig“ erschossen wurden. Es waren die drei vielleicht wichtigsten Männer, die sich zu dieser Zeit in Mali aufhielten.

Die Russen, die getötet wurden, gehörten zur Frachtfluggesellschaft Volga-Dnepr. Laut Wikipedia ist Volga-Dnepr „weltführend auf dem globalen Markt für den Transport von übergroßen, einzigartigen und schweren Frachten … Sie bedient Regierungs- und kommerzielle Organisationen wie etwa führende Firmen im Öl-, Gas-, Energie-, Luftfahrt-, Landwirtschafts- und Telekommunikations-Sektor sowie humanitäre und Notfall – Dienstleistungen“.

Für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, das kaum Eisenbahnlinien oder Straßen für den Schwerlastverkehr hat, ist genau diese Art Service dringend notwendig und wird auch beim Eisenbahnbau gebraucht.

China als neuer Handels- und Entwicklungsparter in Afrika

China, und in geringerem Maße Russland, sind in Mali ein großer Handels- und Entwicklungspartner. China interessiert sich sehr für Afrika und investiert viel: So wurden Mali im Jahr 2014 insgesamt 18 Milliarden CFA-Franc (fast 30 Millionen Dollar) geschenkt und ein zinsloses Darlehen von 8 Mrd. CFA (fast 13 Mio. Dollar) gewährt. Es gibt Stipendiaten-Programme und Unterstützung auf dem Bildungssektor.

Es wurden Verträge mit Mali im Transportwesen, im Bau-, Energie-, Bergbau und anderen wichtigen Sektoren abgeschlossen, dazu ein Abkommen, bei dem China mindestens 24.000 Wohneinheiten bauen wird. China unterstützt den Ausbau einer Fabrik für Medikamente, die letztendlich die größte in Westafrika sein wird.

Wichtig für Mali ist insbesondere eine solide Energie-Versorgung, bei der ebenfalls China eine Rolle spielt. So wird ein Staudamm für ein Wasserkraftwerk im Dire-Gebiet im Norden des Landes geplant, ein Hybrid-Kraftwerk in Kidal und ein weiteres in Timbuktu. Mit einem neuen Sonnen-Kraftwerk wird eine neues nationales Elektrizitätsnetz entstehen.

China plant Win-Win-Partnerschaften, es wird damit natürlich auch Gewinn machen und Zugang zu Rohstoffen, Ressourcen und den afrikanischen Märkten bekommen. Mali könnte ein Musterbeispiel werden, wie Entwicklungshilfe jenseits des IWF und der Weltbank aussehen kann.

Und Russland? Nahrung, Kleidung, medizinische Hilfe, Waffen und Bildung

Russland ist nicht so umfangreich in Afrika engagiert wie China, es ist jedoch eines der Länder, die in Mali nach dem Militärputsch 2012 und al Qaida dringend benötigte Nahrung lieferten, Kleidung und medizinische Hilfe. Die Russen lieferten moderne und wichtige medizinische Ausrüstung an Krankenhäuser – aber auch Waffen. Seit den frühen 60er bis 80er Jahren konnten tausende malinesische Studenten in der Sowjetunion studieren.

Wie Jewgenji Korendjasow vom Zentrum für Russisch-Afrikanische Beziehungen erklärt: „Wir haben sehr enge Bande mit Mali in unserer ganzen jüngeren Geschichte gehabt … Obwohl finanzielle Schätzungen der sowjetischen Hilfe schwer zu bekommen sind, war Moskaus Engagement in Mali umfassend.“

Russland und China habe die Botschaft garantiert verstanden, die die Angreifer loswerden wollten. Ihnen dürften die wahren Motive bewusst sein und sie werden darauf antworten.

Und was macht Deutschland? Es will Soldaten nach Mali schicken

Nach dem Anschlag entschied Ursula von der Leyen rasch, bis zu 650 Bundeswehrler nach Mali zu schicken (siehe LINK).

Die Begründung lautet, sie zur Friedenssicherung in Mali einsetzen. Mit dem Schritt soll Frankreich für den Kampf gegen die Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) entlastet werden.

Doch wem wird da geholfen? Offenbar der alten Kolonialmacht Frankreich, auf der militärischen Seite den USA, gegen die Entwicklung Afrikas zu wirtschaftlich selbstständigen Staaten und gegen die Unterstützung dieser Entwicklung durch Russland und China. (ks)



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