Chinesischer Aktienmarkt wird vom Skandal um Bo Xilai beeinflusst. Foto:Foto: Getty Images

China: Korruptionsskandal von Bo Xilai beeinflusst den Aktienmarkt

Von 27. April 2012 Aktualisiert: 27. April 2012 5:03

 

Die kürzliche Entmachtung des Spitzenpolitikers Bo Xilai scheint keine rein politische Angelegenheit mehr zu sein. Die Ermittlung gegen ihn wirken sich mittlerweile deutlich auf dem Aktienmarkt in China aus. Am 25. April gab China Everbright International Limited, ein großes Unternehmen für Grüne Technologie und alternative Energie bekannt, dass Bo Xiyong, der Bruder von Bo Xilai, als Vize-Vorstandsvorsitzender zurückgetreten sei. Am 26. April stieg der Aktienkurs dieser Firma um 8,18 %. Zuvor war der Aktienkurs drei Tage lang gefallen und hatte allein am Montag, dem 23. April, einen Wertverlust von 10 % zu verzeichnen. Nach Berichten von Finance.qq.com ist Bo Xiyong aus eigenem Antrieb zurückgetreten und wolle damit „einen negativen Einfluss auf die Firma durch Medienberichte über seine Familie vermeiden“.

Bo Xiyong, das geheimnisvolle Vorstandsmitglied

Bo Xiyong war seit dem Jahr 2003 Vize-Vorstandsvorsitzender von China Everbright International Limited und verwendete dabei den Decknamen „Li Xueming“. Dass dieser „Li Xueming“ eigentlich der Bruder von Bo Xilai ist, kam erst durch Recherchen von Time-Weekly ans Licht. Am 14. April berichteten Medien in Hongkong, dass Bo Xiyong eine Immobilie in Hongkong besitze, die zur China Everbright International gehöre. Danach untersuchte Time-Weekly den Jahresbericht des Unternehmens und fand heraus, dass die angegebene Adresse des Vize-Vorstandsvorsitzenden Li Xueming mit dem Wohnsitz von Bo Xiyong in Peking identisch war. Am 16. April stellte Time-Weekly durch Anfrage beim Amt für Firmen-Registrierung in Hongkong fest, dass Li Xueming eigentlich Bo Xiyong, der Bruder von Bo Xilai ist. Es sei unerklärlich, so die Meinung von Time-Weekly, dass der Name „Li Xueming“ seit fast 10 Jahren auf dem Jahresbericht von China Everbright International auftaucht.

Welche Vorteile Bo Xiyong durch seine Stelle bei China Everbright International bekommen hat, ist bis jetzt unklar. Time-Weekly zitierte Daten von Bloomberg, nach denen Bo Xiyong im Jahr 2011 ein Jahresgehalt in Höhe von 219.000 Dollar bekommen habe. Außerdem soll Bo durch den Verkauf von Aktien der Firma im Jahr 2011 ca. 2,5 Millionen Euro bekommen haben und er besitze noch 10 Millionen Aktien von China Everbright. Das Management von China Everbright International versuchte sein Image zu retten und betonte, dass Bo nicht direkt am Alltagsgeschäft der Firma beteiligt gewesen sei. Zur Frage warum Bo als Vize-Vorstandsvorsitzender in der Firma tätig war, wurde erklärt, dass er den passenden Studiengang und genügend Arbeitserfahrung habe.

Am 14. April berichtete The New York Times, dass gegen Bo Xiyong ermittelt werde. Am gleichen Tag verlor der Aktienkurs von China Everbright International 6,8% an Wert. Am 19. April war „Li Xueming“ auf dem Jahrestreffen des Unternehmens nicht anwesend. Das Management erklärte, dass Li Xueming krank sei und sich in Peking befinde. Außerdem seien sie sich nicht sicher, ob Li Xueming Bo Xiyong sei. Tang Shuangning, der Vorsitzende von China Everbright International und ein guter Freund von „Li Xueming“ verließ das Jahrestreffen so schnell, dass die Medien keine Frage stellen konnten.

Des Weiteren fand Time-Weekly heraus, dass Bo Xiyong noch in anderen Unternehmen tätig war und dass einer seiner Geschäftspartner ein Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz sei.

Wird der Skandal um Bo Xilai der größte Korruptionsskandal in der Geschichte der KPCh?

Nach der Entmachtung von Spitzenpolitiker Bo Xilai, wird allmählich bekannt, wie viele Vorteile er und seine Familie an sich gerissen haben. Die japanische Zeitung Asahi Shimbun berichtete, dass Bo Xilai und seine Frau Kapital in Höhe von 6 Milliarden Dollar ins Ausland verschoben haben. Nach Einschätzung von dwnews.com sei dies nur der bis jetzt entdeckte Teil des Gesamtvermögens, das Bo Xilai ins Ausland verschoben habe.

Seine anderen Brüder Bo Xining und Bo Xicheng haben nach Berichten der chinesischsprachigen Epoch Times mit Hilfe ihrer politischen Macht ebenfalls große Summen an sich gerafft.

Über seinen Sohn, Bo Guagua, berichtete The New York Times, dass er in Peking eine Firma mit einem Kapital in Höhe von 320.000 Dollar registriert habe. Außerdem berichtete Epoch Times, dass das Studium von Bo Guagua in Großbritannien und in den USA durch Unternehmer in China finanziert worden sei.

Nach Einschätzung von dwnews.com könnte der Skandal um Bo Xilai der größte Korruptionsskandal in der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) sein. Allerdings ist Korruption nicht die größte Untat von Bo Xilai. Nach Berichten von Epoch Times sei Bo Xilai einer der Hauptverantwortlichen bei der Verfolgung von Falun Gong, einer friedlichen buddhistischen Kultivierungsschule, von deren Praktizierenden es nach inoffiziellen Angaben im Jahr 1999 etwa 100 Millionen in China gab. Um die enormen Kosten der Verfolgung zu decken, wurden sogar die Organe der Falun-Gong Praktizierenden entnommen und verkauft. Die Verfolgung begann im Jahr 1999 und dauert bis heute an. Gegen Bo Xilai wurde längst am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eine Klage wegen Völkermord und Folter eigereicht.

 



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