Die Zukunft der Kinder steht in viel größerem Ausmaß auf dem Spiel, als bisher zugegeben wurde. (China Photos/Getty Images)

In China sind vermutlich sechs Millionen Kinder in Gefahr durch verunreinigtes Milchpulver

Von 24. September 2008 Aktualisiert: 24. September 2008 10:42
Die vom chinesischen Regime angegebene Anzahl der an Nierenschäden erkrankten Kinder liegt über 50 000. Aber die Zahl von möglicherweise Geschädigten bei einer Berechnung der Gesamtzahl der chinesischen Säuglinge und der Verbreitung von billigem Milchpulver ergibt ein erschreckenderes Ergebnis.

Niemand kennt bisher die Langzeit- und Spätfolgen, die Melamin im menschlichen Organismus auslösen kann. Die Angst und die Suche nach verstecktem Melamin geht um in China und ebenso in anderen Ländern.

Der Rücktritt des Direktors des Generalqualitätskontrollamtes Chinas Li Changjiang am 22. September 2008 kann die empörte Bevölkerung nicht beruhigen. Niemand hat bisher gewagt, die Zahl der möglicherweise Geschädigten zu berechnen.

Zwölf Millionen Säuglinge bekommen billiges Milchpulver

Nach den aktuellen Daten der chinesischen Webseite für Schwangerschaft und Säuglingserziehung gibt es unter den 1,3 Milliarden Chinesen rund zwanzig bis dreißig Millionen Säuglinge. Die meisten davon werden mit Milchpulver ernährt; auch wenn die Säuglinge Muttermilch bekommen, wird ihnen nach drei bis sechs Monaten noch Milch aus Pulver als Zusatznahrung gegeben. Die Hälfte der Säuglinge brauchen sofort nach der Geburt schon Milchpulver, weil sie nicht ausreichend Muttermilch oder gar keine Muttermilch bekommen. Der Anteil dieser Säuglinge zeigt eine klare ansteigende Tendenz.

Das bedeutet, dass in China mindestens zwanzig Millionen Säuglinge Babymilchpulver bekommen. Zehn Millionen davon bekommen gleich nach der Geburt Babymilchpulver. Unter den 1,3 Milliarden Chinesen leben mindestens 800 Millionen (61,5 Prozent) auf dem Land, viele sind sehr arm. Normalerweise kaufen sie aus Kostengründen billiges Milchpulver. Zusammengerechnet bedeutet es, dass etwa 12,3 Millionen Säuglinge auf dem Land Konsumenten von billigem Milchpulver sind. Sobald durch billiges Milchpulver Probleme entstehen, sind also 12,3 Millionen Säuglinge potenzielle Opfer.

Alle in China produzierten Milchpulver enthalten Melamin

Am 16. September gab das Hauptqualitätsprüfungsamt Chinas offiziell bekannt, dass die Produkte von 22 Herstellern für Folgemilchpulver durch Melamin verseucht sind. Es gibt in China insgesamt 154 Hersteller für Milchprodukte, aber die Hersteller von Folgemilchpulver sind fast alle auf der „schwarzen Liste“.

Einer Nachricht der chinesischen Webseite Boxun zufolge hat das Gesundheitsministerium bei einer geheimen Videokonferenz die jahrelang gängige Praxis der Anwendung von Melamin in der Herstellung des Milchpulvers bestätigt. Mit Zusatz von Melamin bekommt das Milchpulver einen besseren Geschmack, eine vorgetäuschte hohe Proteinkonzentration und eine gute Cremigkeit. Aufgrund der „richtigen Dosierung“ wurde bislang kein großes Problem entdeckt.

Die Katastrophe einer Nation — Mindestens sechs Millionen Geschädigte durch giftiges Milchpulver

Laut Berichten der chinesischen Medien gibt es jetzt zwei große Gruppen von Milchpulver auf dem chinesischen Markt, nämlich das in China hergestellte Milchpulver und das importierte Milchpulver. Bei den niedrigpreisigen Produkten besitzen die heimischen Milchpulver 45 Prozent Marktanteil; bei den mittleren und teuren Milchpulvern besitzen die heimischen und ausländischen Produkte fast den gleichen Marktanteil. Wenn 12,3 Millionen Säuglinge billiges Milchpulver bekommen, bedeutet es dann, dass 6,64 Millionen Säuglinge das billige Milchpulver aus China bekommen. Das ist aber laut der oben ausgeführten Information fast ausnahmslos von der Chemikalie Melamin verseucht. Die meisten Säuglinge davon bekommen langfristig oder mindestens drei Monate lang Milchpulver. Deshalb ist davon auszugehen, dass in China bereits sechs Millionen Säuglinge in verschiedenem Maße Opfer des giftigen Milchpulvers sind.

Am 21. September schreibt ein chinesischer Arzt im Internet: „In der Provinz Hebei sind 3,6 Prozent der untersuchten Kinder an Nierensteinen erkrankt, 2,2 Prozent in der Provinz Guangdong. Es gibt dreihundert Millionen Kinder in China, wir werden dann fünf bis zehn Millionen Kinder haben, die an Nierensteinen erkrankt sind. Manche Kinder haben jetzt noch keine Symptome, aber die Kinder mit Nierenschaden, bei denen Blut in Urin entdeckt wurde, sind noch nicht registriert worden. Ist das nicht wirklich eine Katastrophe für die Nation?“

Mindestens zwei Millionen Opfer von verseuchtem Sanlu-Milchpulver

Es wird berichtet, dass die Zwischenhändler von „Sanlu“ zugegeben haben, dass der Zusatz von Melamin im Sanlu-Milchpulver schon 2005 begonnen hat. Nach den Informationen aus der geheimen Videokonferenz des Gesundheitsministeriums, wird Melamin seit mehr als zehn Jahren eingesetzt, um den Geschmack des Milchpulvers zu verbessern. Laut interner Information der Milchpulverhersteller waren die Milchpulver auf dem internationalen Markt vor 2006 billiger als das aus China. So wurde meistens das importierte Milchpulver in chinesische Packungen gefüllt. Aber durch die Dürre in Australien im Jahr 2006 ist der Preis des Milchpulvers drastisch gestiegen. So haben die Züchter, Zwischenhändler und Hersteller seit 2007 angefangen, Melamin in noch größerer Menge in die Milch hineinzumischen. Daher sind die nach dem Januar 2007 produzierten Milchpulver fast alle durch Melamin verseucht.

Weil das Milchpulver nur ein Jahr Verfallszeit hat, kauft man normalerweise gerne frisches Milchpulver. So kann man schon davon ausgehen, dass von dem giftigen Sanlu-Milchpulver vom Jahr 2007 schon alles von den Kindern getrunken wurde. Das Unternehmen stellt es auf seiner Webseite wie folgt dar: „Im Jahr 2007 hat Sanlu 18 Prozent Marktanteil in China und einen Jahresumsatz von mehr als zehn Milliarden Yuan erzielt. 130.000 Tonnen Milchpulver und eine Million Tonnen Flüssigmilch wurden produziert. Sanlu hat zwanzig Millionen Müttern sichere Milch gebracht. Im Jahr 2008 ist die Produktion des Milchpulvers um zwanzig Prozent gestiegen.“

Im Jahr 2007 wurden siebzig Prozent des Sanlu-Milchpulvers für Familien mit niedrigem Einkommen produziert. Das bedeutet, dass bereits 91.000 Tonnen giftiges Milchpulver von den Kindern getrunken wurden. Laut Informationen der chinesischen Medien werden normalerweise 3,6 Kilogramm Milchpulver monatlich von einem Säugling verbraucht. So ergibt sich, dass allein das Sanlu-Milchpulver vom Jahr 2007 zu 2,1 Millionen Opfern (9.100 Tonnen / 12 Monate / 3,6 kg (pro Säugling pro Monat) = 2,1 Millionen Säuglinge) geführt hat. Die Opfer durch Flüssigmilch, Eis oder andere Milchprodukte sind noch nicht mitgezählt worden.

Selbstmord eines hohen Beamten für Qualitätsprüfung

Li Changjiang, der zurückgetretene Vorsitzende des Generalqualitätskontrollamts Chinas hat in der Vergangenheit mehrmals die Wahrheit verdeckt. Am Anfang kritisierte er die Firma Sanlu, dass sie nicht darüber berichtet hätte, aber die Partnerfirma von Sanlu in Neuseeland hat dieses als Lüge aufgedeckt. Li betonte außerdem mehrmals, dass das Generalqualitätskontrollamt Chinas genau so arbeitet wie in anderen Ländern, es wurden nämlich niemals solche chemischen Stoffe wie Melamin in Lebensmitteln gesucht, weil „diese giftigen Stoffe nicht in Lebensmittel hinzugefügt werden dürfen.“ Das bedeutet, dass das Qualitätskontrollamt überhaupt keine Verantwortung tragen müsste.

Am 2. August, an dem Tag, an dem das Unternehmen Sanlu der lokalen Regierung über den Giftstoff im Milchpulver berichtete,  sprang Wu Jianping, Leiter der Abteilung für Produktionskontrolle des Generalqualitätskontrollamtes aus einem Fenster und starb. Er ist der erste hochrangige Funktionär, der wegen seiner Verbrechen Selbstmord begangen hat.

Die Angst geht um

Untersuchungsergebnisse an Tieren lassen vermuten, dass Melamin auch zu Unfruchtbarkeit und Blasenkrebs führen kann. Niemand weiß bisher genau, wie sehr und wie lange ein menschlicher Organismus durch Melamin, bzw. Einlagerungen von Melamin geschädigt wird. Die Nierensteinerkrankungen sind da nur die grauenhafte sichtbare Spitze des Eisbergs. Man kann sich also auch vorstellen, dass Kinder, die eine Nierenerkrankung dieser Art überleben, nach zwanzig Jahren eventuell selber kein Kind bekommen können. Unter der Ein-Kind-Politik bedeutet das, die Eltern von geschädigten Kindern werden auch keine Enkelkinder haben.



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