Mitglied des PEN International: Mehr Friedens-Preise für das chinesische Volk. Bitte!

Epoch Times10. Dezember 2010 Aktualisiert: 10. Dezember 2010 5:31
Rede bei der Gedenkfeier von Amnesty International in Finnland zum 60. Internationalen Tag der Menschenrechte – Am Tag der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo – Von Chen Maiping, Mitglied des PEN International

Heute am 10. Dezember ist der Geburtstag von Alfred Nobel, es ist auch der Tag, an dem Nobelpreise vergeben werden. Heute sind viele Chinesen in Oslo versammelt, um an der Verleihung des Friedensnobelpreises teilzunehmen und mit einem Bankett zu feiern, dass zum ersten Mal eine chinesische Person den Preis erhält. Ich hatte auch das Glück eingeladen worden zu sein, um „an den Feierlichkeiten teilzunehmen“.

In den Augen vieler Menschen es ist wirklich das herrlichste Ereignis des Lebens, wenn man an solch einer Zeremonie und dem Bankett teilnehmen darf, und sie würden in Scharen diese Gelegenheit ergreifen. Es scheint dumm zu sein, solch eine Gelegenheit nicht zu ergreifen.

Ich habe die Bekanntschaft mit dem Preisträger Liu Xiaobo schon vor langer Zeit gemacht, in der Tat früher als alle Chinesen, die sich jetzt in Oslo versammelt haben. Bereits im Sommer 1988, als ich an einem akademischen Projekt an der Universität Oslo teilgenommen habe, wurde Liu Xiaobo auch nach Oslo eingeladen, um daran teilzunehmen und Vorträge zu halten. Ich arbeitete mit ihm ein paar Monate zusammen. Er sprach gar keine Fremdsprache, so dass ich mich auch um ihn als sein Dolmetscher kümmerte. Mehr als zehn Jahre später, im Jahr 2001, gründeten ich und eine Reihe von chinesischen Schriftstellern im Exil, auch einige Dissidenten Schriftsteller in China, darunter Liu Xiaobo, das Unabhängige Chinesische PEN-Zentrum (ICPC). Noch im selben Jahr wurde das ICPC als ein Teil des Internationalen PEN akzeptiert.

Später, ab 2003, arbeiteten wir zusammen, um das ICPC führen. Liu Xiaobo diente als Präsident in Peking, und ich wurde Vize-Präsident und Generalsekretär und machte die tägliche administrative Arbeit im Ausland. Nach einer Amtszeit als Generalsekretär diente ich auch als Internationaler Sekretär und Pressesprecher und als Sprecher für das ICPC. Während dieser Zeit waren wir natürlich häufig im Kontakt miteinander, fast täglich per E-Mail im Austausch oder durch Anrufe. Also, Liu Xiaobo und ich sind alte Bekannte. Wie ein alter Bekannter und auch als internationales PEN Mitglied, sollte ich nach Oslo gereist sein und an der Zeremonie teilnehmen, um ihm in dieser Weise zu dieser Auszeichnung zu gratulieren.

Allerdings habe ich auf die Einladung von Oslo entschieden, nicht nach Westen zu gehen, sondern nach Osten nach Helsinki zu fliegen.

Ich wollte eher die Einladung von Amnesty International Finnland annehmen, um mich an den Aktivitäten hier zu beteiligen. Woran liegt das? Heute, am 10. Dezember, ist nicht nur der Geburtstag von Alfred Nobel, nicht nur der Nobelpreis-Tag, heute ist auch der Internationale Tag der Menschenrechte. Heute sollten wir uns mehr um die Lage der Menschenrechte in der Welt kümmern. Als Chinese bin ich natürlich auch mehr besorgt über die Menschenrechtslage in China. Deshalb möchte ich Amnesty International Finnland dafür danken, dass ich diese Gelegenheit bekommen habe, über die Lage der Menschenrechte in China sprechen.

In diesem Augenblick habe ich nicht die Absicht, einen Smoking tragen und ein Champagnerglas zur Feier des ersten Friedensnobelpreises für einen Chinesen zu erheben, für den Erfolg eines alten Bekannten. Ganz im Gegenteil, ich bin voller Sorgen über viele andere politische Gefangene in China. Wenn die internationale Gemeinschaft nur den Fokus auf Oslo richtet, wenn in diesem Moment sich die Scheinwerfer nur auf einen Gewinner konzentrieren, dann fürchte ich, dass die anderen politischen Gefangenen in China in einen noch dunkleren Schatten fallen und leicht vergessen werden.

Deshalb zog ich es vor, nach Helsinki zu kommen, um hier eine Rede zu halten, wie ich sie für Amnesty International Schweden vor ein paar Wochen gehalten habe. Ich möchte alle diese Chancen zu nutzen, um an die Freunde von Amnesty International zu appellieren, mehr Aufmerksamkeit auf jene fast vergessenen chinesischen Gefangenen aus Gewissensgründen und die politischen Gefangenen zu richten. Insbesondere möchte ich erwähnen die Namen von Dr. Wang Bingzhang, Gao Zhisheng, Hu Jia, Huang Qi, Chen Guangcheng, Guo Quan, Shi Tao, Zheng Yichun, Niyaz … . Die Liste kann sehr lang sein. Es gibt auch einige politische Gefangene, die entweder auf Kaution wegen ihres sehr schlechten körperlichen Zustands freigelassen wurden oder die, nachdem sie die gesamte Haftzeit abgesessen haben, immer noch unter dem Status der Verfolgung leiden, wie Yan Zhengxue, Li Hong, Qin Yongmin, Hada, etc. Qin und Hada zum Beispiel sind nach jeweils 12 Jahren und 15 Jahren Haft entlassen worden. [Hier werde ich einige der Gefangenen aus Gewissensgründen noch mit einer PPT-Dokumentation zeigen.]

Ich muss darauf hinweisen, dass diese Gefangenen aus Gewissensgründen alle sehr herausragende Persönlichkeiten sind. Sie alle haben ihr Leben den Menschenrechten, der Demokratie und der Freiheit für das chinesische Volk gewidmet. Und sie haben so gehandelt aus ihrer eigenen Gewissensentscheidung heraus, ihren Überzeugungen und Idealen, nicht um persönliche Interessen zu verfolgen. Und sie haben das für eine lange Zeit geleistet mit außerordentlichen Anstrengungen und bezahlt mit großen persönlichen Konsequenzen. Meiner Meinung nach sind viele von ihnen wirklich würdig, den Friedensnobelpreis zu erhalten, sie sind auch „das führende Symbol für den weit reichenden Kampf für die Menschenrechte in China“ (zitiert aus der Pressemeldung vom Ausschuss für die Vergabe des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo).

Als Beispiel kann ich Dr. Wang Bingzhang erwähnen. Er hatte bereits im Jahr 1982 seinen Abschluss als Arzt an der berühmten McGill University in Kanada gemacht. Wenn er sich nur auf sein eigenes Leben als ein professioneller Arzt konzentriert hätte, dann hätte er längst ein reiches und sicheres Leben mit viel Komfort haben können. Aber er hat sich der Sache der chinesischen Demokratie gewidmet und gründete die erste chinesische Demokratische Union im Jahr 1982. Seit etwa drei Jahrzehnten bleib er beharrlich in dieser Sache und hat mehrere Versuche unternommen, nach China zurückzukehren, um die Demokratie zu fördern. Er ist nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Dieses Urteil ist viel härter, als das von Liu Xiaobo zu 11 Jahren. Liu Xiaobos Frau ist in China, da kann sie ihren Mann besuchen, während Dr. Wangs Familie, seine Frau und seine Kinder, in Kanada leben und nicht einmal in der Lage sind, ihn zu besuchen. Ich bewundere Dr. Wangs Tapferkeit und seinen hingebungsvollen Geist.

Ich möchte hiermit an das norwegische Nobelpreiskomitee appellieren: Wenn Sie glauben, dass die Menschenrechtslage in China wirklich so wichtig ist und tatsächlich einen Einfluss auf den Weltfrieden hat, dann können Sie noch mehr Auszeichnungen und noch mehr Friedensnobelpreise an diese oben genannten Menschenrechtskämpfer in China vergeben! Das lohnt sich!

Einige Leute argumentieren, dass die Auszeichnung an Liu Xiaobo nicht nur eine Auszeichnung für ihn ist, sondern eine symbolische Auszeichnung für das chinesische Volk, für jedermann, so dass diese eine Medaille genug ist. Aber für mich ist eine Medaille nur gut, aber nicht genug. Wenn diese Medaille, wie einige chinesische Leute das beschreiben, wie ein Bombenabwurf ist auf die Diktatur in China, dann könnten weitere Bomben doch zu einem Zusammenbruch des Regimes führen.

Heute sind die Chinesen so verschieden in ihren politischen Forderungen, zersplittert in verschiedene Gruppen, und es gibt viele Dissidenten. Da ist zum Beispiel Dr. Wang Bingzhang, er kann nicht in einer Linie stehen mit Liu Xiaobo, sodass Liu kaum ein Symbol geworden sein kann für derart umfassende und aufgesplitterte Kämpfe, wie es das norwegische Nobelpreiskomitee behauptet. Liu Xiaobo ist nun einmal bekannt für seine moderate Haltung gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), wie wir aus seinem letzten Statement in der Hauptverhandlung 2009 sehen können: „Ich habe keine Feinde“. Das bedeutet, auch die KPCh ist nicht sein Feind. Aber ich weiß, dass Dr. Wang Bingzhang und viele andere Dissidenten definitiv die KPCh als den schlimmsten Feind der Demokratie in China betrachten. Liu Xiaobo hat auch in seinem Statement beschrieben, dass die Menschenrechte in China auf der „Makro-Ebene Fortschritte“ gemacht hätten, und das Gefängnis wäre „humanisiert“, wo er den vollen Respekt von allen Offizieren empfangen würde. Aber es gibt auch politische Gefangene, die gefoltert werden und leiden und die niemals Respekt erhalten haben im Gefängnis, wie Gao Zhisheng. Dazu sagen wir oft, einige bekommen eine Karotte, einige bekommen Stöcke.

Einige norwegische Freunde sagten mir, dass sie nicht viel wissen über Dr. Wang Bingzhang oder Rechtsanwalt Gao Zhisheng. Ich kann das verstehen. Viele chinesische Gefangene wie Dr. Wang Bingzhang sind oft nicht sehr bekannt in der internationalen Gesellschaft. Dies ist so, weil sie nicht genügend Mittel für Propaganda für sich selbst haben, weil ihre klare politische Position gegenüber der KPCh oft die westlichen Regierungen abschreckt, sodass keine westliche Regierung tatsächlich wagen würde, sie oder ihre Organisationen zu finanzieren. Aber Liu Xiaobo und seine Fraktion haben diese Ressourcen und können auch zum Beispiel mit amerikanischen Subventionen für ihre gemäßigte Position finanziert werden. Es gibt auch andere Gründe. Zum Beispiel werden Dr. Wang oder Anwalt Gao nicht einmal in unserer Internationalen PEN-Liste „Writers in Prison“ geführt. Das Internationale PEN Komitee für „Writers in Prison“ konzentriert sich ausschließlich auf Schriftsteller, nicht auf alle Gefangene aus Gewissensgründen. Der Internationale PEN konnte nicht einmal Wei Jingsheng in seine Liste aufnehmen, als er noch im Gefängnis in China war. Aus diesem Grund können Gefangene wie Dr. Wang Bingzhang oder Rechtsanwalt Gao Zhisheng ebenfalls nicht viel Aufmerksamkeit vom Internationalen PEN erhalten. Es wurde kein RAN (Rapid Action Network) herausgegeben vom Internationalen PEN in ihrem Namen. Auch wenn ihre Namen auf der Liste des ICPC stünden, würde ihnen nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Maiping Chen, schwedisches PEN-Mitglied.Maiping Chen, schwedisches PEN-Mitglied.Foto: The Epoch Times Archiv
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Zum Beispiel beim Internationalen PEN-Kongress in Tokio im September 2010 wurde eine Resolution für Liu Xiaobo von der Versammlung beschlossen, aber die Resolution erwähnte nicht einmal Dr. Wang Bingzhang oder Rechtsanwalt Gao Zhisheng. Es scheint mir, dass der Umfang der Internationalen PEN-Arbeit wirklich eingeschränkt ist, ich sollte wohl PEN verlassen und mich Amnesty International anschließen (lacht).

Deshalb muss ich die Freunde von Amnesty International aufrufen, mehr Aufmerksamkeit auf jene politischen Gefangenen zu richten. Ich denke auch, dass man sie für den Friedensnobelpreis empfehlen sollte. Der Wettbewerb um den Preis sollte auf einem fairen Hintergrund stattfinden. Das chinesische Volk pflegt zu sagen, ob sie Maultieren sind oder Pferde, alle sollten aus dem Stall gelassen werden für einen Lauf und dann soll man die Menschen urteilen lassen, dann ist es fair. Ich weiß, dass einige Zweige von Amnesty International über sie besorgt sind, wie die kanadische Niederlassung, die Dr. Wang Bingzhangs Fall übernimmt. Ich bin dafür wirklich sehr dankbar.

Also, wie ist die Menschenrechtslage in China jetzt? Nach meiner kurzen Einführung über einige Gefangene aus Gewissensgründen glaube ich, dass Sie Ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Darüber hinaus möchte ich erwähnen, dass ich einige Freunde habe, die eine „Human Rights Defenders“ Website (Wei Wang Quan) erstellt haben. Sie haben Korrespondenten im ganzen Land China, die täglich E-Mails senden können und von den neuesten und lokalen Veranstaltungen zu Menschenrechtsfragen in China berichten. Ich erhalte ihre Briefings täglich. Ich denke, dass ihre Arbeit sehr wichtig ist und sie sollten auch den Friedensnobelpreis gewinnen. Dank ihrer Bemühungen denke ich, dass ich gut über die Situation in China informiert bin.

Wenn es Leute gibt aus China, die sagen: Sie haben China vor zu vielen Jahren verlassen und verstehen nicht, wie die Situation ist, würde ich erwidern, dass ich mehr als sie wissen kann, weil ich jeden Tag die „Human Rights Defenders“ Nachrichten erhalte. Da die Menschen in China die Informationen nicht frei erhalten können, Menschen in einer Provinz können nicht wissen, was in einer anderen Provinz passiert, dann können sie nicht sagen, sie kennen das Land besser ist als ich. Von „Human Rights Defenders“ Briefings bekomme ich die Informationen aus verschiedenen Teilen Chinas zur Verfügung gestellt. Ich weiß, dass schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen stattfinden jeden Tag und überall. Diese Verletzungen betreffen oft das tägliche Leben oder die grundlegenden Menschenrechte, Wohnrechte, das Recht auf Arbeit, das Recht zu reisen und so weiter. Wenn diese grundlegenden Menschenrechte nicht geschützt sind, geschweige denn die wichtigsten Aspekte der Menschenrechte, wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Vereinigungsfreiheit, Religionsfreiheit, etc.

Ich weiß, dass viele Menschen in dieser Welt immer noch Illusionen haben über die Kommunistische Partei Chinas. Sie wollen, dass sich auf dem chinesischen Festland allmählich eine Demokratie entwickelt, wie es die ehemalige sowjetische Kommunistische Partei tat. Sie möchten auch, dass Führer wie Michail Gorbatschow oder Boris Jelzin erscheinen, die innerhalb der KPCh eine politische Reform in Gang setzen könnten. In der Tat, auch wegen dieser Illusionen, greifen Europas und Amerikas Regierungen im Allgemeinen zu einer Politik der Beschwichtigung, weil man sich dem Druck aus China beugt. Die Regierungen konzentrieren sich nur auf unmittelbare wirtschaftliche Vorteile. Oberflächlich betrachtet führen sie einen „Menschenrechtsdialog“ mit China, aber sie kümmern sich nicht darum, ob solch ein „Dialog“ wirksam ist oder überhaupt einige wesentliche Ergebnisse zeitigt. Dies zeigt auch, warum diese Regierungen nicht chinesische Dissidenten wie Dr. Wang Bingzhang unterstützen, die eindeutig befürworten, die Diktatur der Kommunistischen Partei Chinas zu stürzen, sondern sie unterstützen nur die Dissidenten wie Liu Xiaobo, die eine moderate Verbesserung befürworten.

Ironischerweise hat selbst die gemäßigte Fraktion jetzt schwer unter Verfolgung zu leiden, einschließlich schwerer Strafen. Das Urteil gegen Liu Xiaobo von 11 Jahren wurde am Weihnachtstag 2009 ausgesprochen, obwohl die internationale Gesellschaft schweren Druck gemacht hat. Dies bedeutet, dass eine chinesische Regierung es der westlichen Welt zeigen wollte, dass sie sich um den Druck nicht mehr kümmert. Die Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo ist im Moment selbst ein weiterer Beweis dafür, dass die Handlungen der chinesische Regierung willkürlich sind. Der Gewinner ist immer noch ein chinesischer politischer Gefangener, der im Gefängnis sitzt und nicht nach Oslo kommen kann, um den Preis persönlich in Empfang zu nehmen, auch seine Familienangehörigen dürfen nicht ins Ausland reisen um teilzunehmen. Fast alle geladenen Gäste aus China wurden von der Polizei gestoppt. Vielen Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern, Juristen, wurde vor kurzem verboten für Konferenzen ins Ausland zu reisen. Ein Schriftsteller-Freund in Peking sagte mir, dass die Behörden ihnen mitgeteilt haben, dass sie vor dem 31. Januar 2011 keine Freiheit haben, ins Ausland zu fahren, und dass sie auch nicht frei innerhalb des Landes reisen dürfen.

Alle obigen Informationen reichen aus um nachzuweisen, dass die Menschenrechtssituation in China erschreckend ist. Heute, am Tag der Nobelpreisauszeichnung, wenn die ganze Welt sich für die Freilassung von Liu Xiaobo und anderen politischen Gefangenen in China engagiert, fahren die chinesischen Behörden fort, an der Politik der Diktatur festzuhalten und weiterhin sturköpfig gegen die Welt zu stehen. Die Kommunistische Partei Chinas ist zweifellos der Feind der Menschen dieser Welt.

Hier möchte ich erwähnen, dass Liu Xiaobo zu seiner Frau Liu Xiao sagte, als sie ins Gefängnis ging um Liu Xiaobo von dem Preis zu erzählen, dass er seine letzte Aussage „Ich habe keine Feinde“ lesen wollte als seine Dankesrede heute bei der Preisverleihung in Oslo. Ob die Aussage bei der Zeremonie in Oslo im Augenblick gelesen wird, weiß ich nicht. Allerdings würde ich sagen, dass der Kampf für die Menschenrechte in China nicht nur um „Ich“ oder „Sie“ geht oder um „er“ oder „sie“. Ob „Ich“ oder „Sie“ oder „er“ oder „sie“ Feinde hat oder nicht, ist meiner Meinung nach unbedeutend und irrelevant. „Ich“ oder „Sie“ oder „er“ oder „sie“ ist nur ein Individuum. Was ich fragen will, ist, ob „wir“ oder „Sie“ im Plural oder „sie“ Feinde haben oder nicht? Meine Antwort ist Ja!

In allen Kämpfen für die Freiheit gibt es immer Feinde der Freiheit. In Finnland während des Krieges für die Unabhängigkeit war Russland der Feind des Menschen in Finnland. Im Zweiten Weltkrieg, nach dem deutschen Einmarsch in Finnland, wurde Deutschland der Feind des Menschen in Finnland. Deutschland wurde auch der Feind der Völker Europas, der Feind der Völker der Welt.

Aber die größte menschliche Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Herrschaft der Diktatur der Kommunistischen Partei in vielen Ländern, die in den Tod von Hunderten von Millionen Menschen führte, viele Male mehr Menschen, als von deutschen Faschisten getötet wurden. Dies wurde bereits durch das berühmte Schwarzbuch der Kommunistischen Partei bewiesen. Heute, mit Ausnahme einer Handvoll von Ländern auf der ganzen Welt, in denen das kommunistische System noch besteht, haben die meisten Länder und die Menschen dieses totalitäre System verworfen, weil dieses System der Feind der Demokratie ist und der Feind der Freiheit. Die heutigen Klauen der KPCh haben gezeigt, dass sie ein offenkundiger Feind der Freiheit, ein Feind der Menschenrechte in China und ein Feind der Völker der Welt ist. Angesichts eines solchen „Feindes“, wenn man die Freiheit liebt, wenn man die Menschenrechte achtet, wenn man sich um das Leiden der Menschen und der Nation sorgt, dann kann ich kaum sagen: „Ich habe keine Feinde.“

Während ich hier stehe und die KPCh als „Feind“ anprangere, die Freunde von Amnesty International über die schlechte Lage der Menschenrechte in China in den Alarmzustand versetze, weiß ich, dass manche mich fragen möchten, siehst du nicht Chinas „Fortschritt“? Es ist ein schwedischer Professor, der sehr freundlich mit der chinesischen Regierung ist, der rief mich an, nachdem er ein Interview mit dem Künstler Ai Weiwei auf CNN gesehen hatte, und sagte, er fühle, dass es sehr unfair und falsch sei, dass die chinesischen Intellektuellen wie Ai Weiwei so heftige Kritik an China übten. Er fragte: „Siehst du nicht, dass China nun große Fortschritte gemacht hat?“ Ich weiß, dieses Argument vom „Fortschritt Chinas“ ist in der Tat ähnlich, wenn nicht das gleiche wie die Propaganda der KPCh, um die Kritik von allen Seiten zu kontern, und damit eine „Falle“ erschafft für Menschen mit logischem Denken. Wenn Sie nur zugeben, dass China einige „Fortschritte“ macht, so scheint es, dass ihre „Kritik“ falsch und ungerecht wird. Dieses Argument vom „Fortschritt Chinas“ kann dafür diejenigen, die Kompromisse mit der KPCh eingehen wollen, mit dem angenehmen Gefühl versorgen, dass sie nicht mehr zu „kritisieren“ brauchen, darunter befinden sich viele Intellektuelle. Da die KPCh „Fortschritte“ und „Verbesserungen“ gemacht hat, braucht man nicht noch einmal die verbrecherische Vergangenheit der Partei zu erwähnen, sodass „ein Feind sich in einen Freund verwandeln kann“.

Meiner Meinung nach ist in dem Zusammenhang, dass ein chinesischer Intellektueller von seinem Recht auf soziale Kritik Gebrauch macht, die Frage „ob China Fortschritte gemacht hat oder nicht“, eine Pseudo-Frage. Diese Verbindung hat keine Logik. Ob ein Land „Fortschritte gemacht hat und der Intellektuelle weiterhin das Recht hat zur „Kritik“, hat nichts miteinander zu tun. Finnland hat Fortschritte gemacht, Schweden hat Fortschritte gemacht, aber kein finnischer oder schwedischer Intellektueller würde deshalb sein Recht aufgeben die Regierung und soziale Probleme zu „kritisieren“. Kritik zu üben ist ihre Pflicht und ihr Recht und sie werden nicht ins Gefängnis geworfen wegen einer „Kritik“.

Mit anderen Worten, selbst wenn in einigen Aspekten China sogenannten „Fortschritt“ gemacht hat, wie die wirtschaftliche Entwicklung, das Volkseinkommen zu erhöhen, verbesserte Lebensbedingungen, etc., oder auch wenn das Gefängnis „human“ geworden ist, müssen Intellektuelle nicht das Recht auf „Kritik“ an der Regierung und bei sozialen Problemen aufgeben und die Waffe der Kritik niederlegen. In der Tat, wenn es keine Verbesserung der grundlegenden Menschenrechte, kein Recht für die soziale „Kritik“ und die Freiheit der Rede gibt, und wenn es nur die wirtschaftliche Entwicklung gibt, wird es immer gefährlicher. Schauen Sie sich Nazi-Deutschland an, dann werden wir ein gutes Beispiel bekommen. Nazi-Deutschland hatte große „Fortschritte“ gemacht in der wirtschaftlichen Entwicklung in der nationalen Produktion und beim Lebensstandard der Menschen. Es konnte auch Gastgeber der Olympischen Spiele sein. Aber Lage der Menschenrechte wurde schlimmer, der deutsche Nazi-Diktator beraubte allmählich das deutsche Volk der Meinungsfreiheit und der Menschenrechte, insbesondere beraubte er das jüdische Volk und sie erlitten den Völkermord. Die Nazis brachten dann die Katastrophe über ganz Europa und die Welt und auch über das deutsche Volk selbst.

Ähnlich wie Nazi-Deutschland kann China auch in eine gefährliche Richtung gehen, wenn es nur den wirtschaftlichen „Fortschritt“ gibt. Je stärker das totalitäre Regime in seinem „Fortschritt“ wird, desto schlechter kann die Situation sein. Daher darf das „Fortschritte“-Argument nicht unser Recht auf „kritisieren“ aufheben, im Gegenteil, je mehr „Fortschritt“ diese Diktatur in ihrer Macht gemacht hat, desto mehr sollten wir beunruhigt sein, und desto mehr müssen wir bestehen auf dem Recht von „Kritik“. Wer nur seine eigenen Interessen verfolgt wie die westlichen Geschäftsleute, die für sich nur die wirtschaftlichen Vorteile prüfen und nur ein Vermögen machen wollen mit den billigen Arbeitskräften in China, die werden den „Fortschritt“ preisen, die tatsächliche Situation der Menschenrechte in China ignorieren und sich allem widersetzen, was „Kritik“ heißt.

Außerdem ist das „Fortschritts“-Argument für mich nur eine quantitative Frage. Zum Beispiel kann die Todesstrafe von Tausenden jedes Jahr zu Hundert oder sogar weniger reduziert werden, die Gefangenen aus Gewissensgründen können von Tausenden auf ein paar Leute reduziert werden, können wir sagen, dass dies eine Art von „Fortschritt“ ist in der quantitativen Reduktion? Ich glaube nicht, dass es die Art der Freunde von Amnesty International wäre, zu dieser Art von „Fortschritt“ zu schweigen.

Vor ein paar Jahren bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Menschenrechte in China auf der Göteborger Buchmesse, sagte ich dasselbe. Ich sagte, dass Freiheit und Menschenrechte für mich eine qualitative Frage wäre, nicht quantitativ. Eine Leine an einem Hund könnte von einem Meter bis zu zwei Meter, drei Meter, fünf Meter und sogar zehn Meter lang gelassen werden, der Hund kann spüren, dass der Bewegungsraum enorm gestiegen ist, und das ist ein großer „Fortschritt“ für den Hund, es gibt ihm mehr Freiheit in seinem Gefühl. Aber das ist nur eine quantitative Veränderung, für Freiheit muss der Hund von der Leine los. Es ist das gleiche für Menschen. Wenn Sie die Freiheit haben wollen, müssen Sie die Leine an der Wurzel ausreißen, Sie müssen sich von den Fesseln befreien, auch wenn diese von Eisen zu Gold wechselten. Und Sie sollten aus den Gefängnismauern hinausgehen – unabhängig davon, ob es ein schöner Garten ist, in dem Sie landen. Es handelt sich um eine qualitative Frage, die das Prinzip der Freiheit ist.

Deshalb habe ich hier betont, dass die Menschenrechte in China eine qualitative Veränderung brauchen, nicht nur eine quantitative; und diese Veränderung kann nur durch ein vollständiges Ende des Ein-Parteien-Diktatur Chinas erfüllt werden. Bei dieser Änderung geht nicht nur um die Freilassung von Liu Xiaobo, dass etwa eine berühmte Person die Freiheit erlangt, es geht um alle, um die Freiheit des chinesischen Volkes. Es geht darum, alle politischen Gefangenen freizulassen. Egal, wie große „Fortschritte“ China gemacht hat, solange es politische Gefangene in den Gefängnissen gibt, auch wenn es nur noch einer ist, sollten wir nicht aufhören, wir sollten unsere „Kritik“ nicht aufgeben und unseren Kampf!

Vielen Dank!

Die Rede wurde gekürzt übermittelt.