China: Die Überkapazität der Stahlindustrie beträgt 200 Millionen Tonnen pro Jahr

Von 16. Juni 2012 Aktualisiert: 16. Juni 2012 10:10

 

Da sind leere Parkplätze! So präsentierte Deutsche Mittelstands Nachrichten im Artikel „Crash-Angst in China: Stahlproduktion bricht ein“ das Foto einer chinesischen Stahlfabrik an einem normalen Mittwochnachmittag. Ein bisher unvorstellbares Phänomen. Die Realität ist ernst: 21cbh.com, eine Finanzwebseite in China, berichtete am 6. Juni, dass China zurzeit eine Überkapazität bei der Stahlproduktion in Höhe von 200 Millionen Tonnen pro Jahr hat.

Überkapazität verringert Gewinnspanne der Stahlproduzenten

Bis 1. Juni habe es in 26 Haupthandelsplätzen in China über 15,6 Millionen Tonnen von fünf der wichtigsten Halbzeuge (kaltgewalzte Coils, warmgewalzte Coils, Bewehrungsstahl,  Stahldraht und Stahlplatten) auf Lager gegeben. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr seien dies 1,19 Millionen Tonnen mehr. Diese Menge sei ausreichend, um 371-mal das Pekinger Olympiastadion zu bauen. 21cbh.com erklärte, dass der Grund dafür die steigende Stahlproduktion sei.

Eine logische Folge der Produktionsüberkapazität ist die geringe Gewinnspanne der Stahlwerke in China. Nach Berichten von Deutsche Mittelstands Nachrichten habe die Baoshan Iron & Steel Co., eines der wichtigsten Unternehmen dieser Branche in China, im Jahr 2011 einen Rückgang des Netto-Profits von 43 Prozent verzeichnet. Diese Tendenz scheint sich im Jahr 2012 fortzusetzen. Nach Berichten von China.alibaba.com habe dieses Unternehmen am 11. Juni eine Preissenkung für Juli bekannt gegeben.

Lianhe Zaobao, die größte chinesischsprachige Zeitung in Singapur, berichtete, dass die Stahlproduktion eine der am schwersten von der Wirtschaftskrise betroffenen Branchen in China sei. Allein im Januar und Februar 2012 haben 41,2 Prozent aller chinesischen Stahlwerke zusammen Verluste in Höhe von insgesamt 7,3 Milliarden Yuan (etwa 907 Millionen Euro) verzeichnet. Die chinesische Stahlindustrie mache damit zum ersten Mal seit Jahrzehnten einheitlich Verlust.

Preise für Eisenerz scheinbar unbeeindruckt

Wie wirkt sich die Überkapazität der Stahlbranche in China auf die Weltmarktpreise für Eisenerz aus? Darüber sind die Rohstoffkonzerne unterschiedlicher Ansicht. Während der global agierende Rohstoffkonzern BHP Billiton die Eisenerzproduktion 2012 auf hohem Niveau halten wolle, wohl in Erwartung einer Fortsetzung des Baubooms in China, seien andere Bergbaukonzerne vorsichtiger und ziehen die Gefahr einer Immobilienblase in Erwägung. Dies wurde Anfang des Jahres auf der Webseite von ARD im Rahmen einer Analyse veröffentlicht. Dabei erklärte Stefan Freudenreich, ein Stahlanalyst bei Equinet, dass rund 50 Prozent der globalen Rohstahlproduktion in China stattfinde. Dadurch bestimme China auch maßgeblich den Preis für Eisenerz. Wegen des Abbaus der Lagerbestände chinesischer Stahlwerke habe es massive Preisschwankungen bei Eisenerz gegeben.

Nach Berichten von institutional-money.com habe China die Preise für Eisenerz trotz Überkapazität weiter in die Höhe getrieben. Mitte März habe Eisenerz etwa 145 US-Dollar pro Tonne gekostet. Die Importvolumina Chinas für Eisenerz haben auf hohem Niveau gelegen und es seien im Februar 65 Millionen Tonnen Eisenerz importiert worden. Der Eisenerzimport entspreche damit beispielsweise der gesamten Quartals-Produktion des Rohstoffgiganten Rio Tinto.

Produktionsstillstand ist eine unpopuläre Maßnahme

Diese widersprüchlichen Daten lassen sich wahrscheinlich damit begründen, dass sich die Regionalregierungen in China scheuen, Stahlwerke zu schließen. Ein Bericht von der Finanzwebseite caijing.com.cn liefert eine mögliche Erklärung dazu. Obwohl die Schließung der Stahlwerke eine logische Folge der Überkapazität sein sollte, sei diese Maßnahme in China politisch nicht durchsetzbar. Da solche Unternehmen viele Arbeitsplätze bieten, bedeutet eine Schließung große Probleme für die jeweilige Regionalregierung. 21cbh.com fügte hinzu, dass die Kunden mit der Schließung eines Stahlwerkes zur Konkurrenz gehen würden und die Unternehmen fürchten, dass sie die Kunden nicht wiedergewinnen können, wenn sie die Produktion wieder aufnehmen.

Derzeit werden in China jedoch noch weitere Stahlwerke geplant. Beispielsweise berichtete die Webseite eboce.com, dass am 25. Mai ein Neubau der Baoshan Iron & Steel Co. mit einem Investitionsvolumen von 70 Milliarden Yuan (etwa 8,7 Milliarden Euro) genehmigt worden sei.

Das Erz stapelt sich in den Häfen

Ein Teil der gewaltigen Mengen an importiertem Eisenerz scheint nun in chinesischen Häfen gelagert zu werden, was weitere Probleme mit sich bringt. Die chinesischsprachige Epoch Times zitierte Berichte von Nanfang Daily, dass bis zum 28. Mai insgesamt 97,24 Millionen Tonnen Eisenerz in chinesischen Häfen gelagert worden seien. Allein im Hafen von Qingdao stapeln sich etwa 15 Millionen Tonnen Eisenerz. Dort seien sogar Bürogebäude zum Lagern von Eisenerz verwendet worden. Manche Häfen sollen auch keine Ladungen mehr annehmen, weil keine Lagerkapazitäten mehr frei seien.

Nach Einschätzung von institutional-money.com sind die großen Mengen an nach China importiertem Eisenerz ein Zeichen, dass die chinesische Volkswirtschaft kein „hard landing“ habe. Nach Einschätzung von Nanfang Daily deute die Lagerung von so großen Mengen an Eisenerz jedoch darauf hin, dass der kalte Winter der chinesischen Wirtschaft bereits begonnen habe.

 

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