Chinesen warten nach ihrem Einkauf in Hongkong in einer Schlange vor dem Bezirkszollamt von Shenzhen. Wegen der Inflation in China reisen viele Chinesen nach Hongkong, um lebensnotwendige Güter einzukaufen.Foto: Epoch Times Archiv

Falsche Strategien treiben China in eine unkontrollierbare Inflation

Von 11. Dezember 2010 Aktualisiert: 11. Dezember 2010 0:54
Die Zeiten, als man wegen billiger Produkte aufs chinesische Festland fuhr, sind vorbei. Die Inflation in China macht den Lebensmitteleinkauf in Hongkong zu einem heißen Tipp unter den chinesischen Internet-Nutzern.

Viele finden die Hongkonger Preise so attraktiv, dass sie vom inflationsgeschädigten Shanghai aus mehr als 1.450 Kilometer weit fahren, um lebensnotwendige Güter einzukaufen. In einem neuen im chinesischen Internet weit verbreiteten Bericht wird die Büroangestellte Sun Ningin zitiert: „Als ich sah, wie schnell die Preise stiegen, nahm ich mir vor, mit meinen Freunden per Zug nach Hongkong zu fahren.“ Sie sagte, wenn die Reisekosten innerhalb der Gruppe aufgeteilt würden, lägen sie weit unter den Preisersparnissen.

Auf Suns Einkaufsliste stehen Säuglingsnahrung, Körperpflegeprodukte, Sportschuhe und Gewürze, sowie alle gängigen Waren, bei denen preisbewusste Festlandseinkäufer sparen können. Laut einer aktuellen Studie der Shanghaier Zeitung Oriental Morning Post und der Fudan-Universität können die Preise für Markenartikel bei Körperpflegeprodukten wie Shampoo in Shanghai bis zu 30 Prozent über denen in Hongkong liegen, wo auch Lebensmittel wie Äpfel und Eier günstiger sind.

Die Inflation steigt schnell

Chinas Inflation ist offiziell außer Kontrolle. Der Verbraucherpreisindex (CPI – consumer price index) stieg im Oktober um 4,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres und bricht damit einen 25-Monats-Rekord. Die Nahrungsmittelpreise, die den Großteil der Erhöhung ausmachten, stiegen laut amtlicher Statistik gegenüber dem Vorjahr um 10,1 Prozent – aber die Zahlen erfassen möglicherweise nicht die wirkliche Situation. In einem Bericht vom 9. November meinte der an der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften tätige Forscher Xu Qiyuan, Chinas CPI wäre in den vergangenen fünf Jahren systematisch um sieben Prozent unterbewertet worden. Preisstatistiken scheinen seine Schlussfolgerung zu bestätigen: Die November-Daten belegen, dass in 36 chinesischen Großstädten der durchschnittliche Großhandelspreis für 18 beobachtete Gemüsesorten im Vergleich zum Vorjahr um 62,4 Prozent anstieg.

Die Preise für Nichtnahrungsmittel-Produkte steigen auch gerade. In den vergangenen zwei Monaten kam es zum Beispiel bei Termingeschäften mit Baumwolle zu Preissteigerungen von 32 Prozent, was auch zur Verteuerung von Stoffen und Bekleidung führte. Die Behörden erhöhten am 26. Oktober auch die Benzin- und Dieselpreise um jeweils 4,5 Prozent und 5 Prozent.

Enorme soziale Auswirkungen

Die Inflation hat die Chinesen in jeder Hinsicht getroffen. Preiserhöhungen und die Suche nach den besten Angeboten wurden zu Alltagsthemen; viele müssen jetzt ein bescheidenes Leben führen.

Die in Qiqihar lebende Liu Hua sagte gegenüber der chinesischen Zeitung Southern Weekly, ihre Familie würde mittags auf ihr jahrzehntelanges Lieblingsgericht, gedünstetes Schweinefleisch und Nudeln, verzichten, da beides zu teuer sei. In diesem Winter würde ihre Familie mehr auf Chinakohl und Kartoffeln als auf teureres Gemüse wie grüne Bohnen und Gurken zurückgreifen.

Sie gaben auch ihre Pläne auf, eine neue Waschmaschine zu kaufen, und gaben das Geld für Lebensmittel aus. Lius Ehemann sagte: „Eine neue Waschmaschine kann warten bis wir mehr Geld haben, aber Reis, Mehl und Speiseöl werden immer teurer. Wir können nicht ohne sie leben.“ Liu Hua meinte, trotz aller Sparsamkeit müssten sie 30 Prozent mehr für Lebensmittel ausgeben als im Sommer.

Unter dem Druck steigender Preise werden die Einkaufsmethoden der Verbraucher immer penibler. Online-Shopping, Sammel-Einkäufe, die Jagd nach günstigen Angeboten und Vorratshaltung sind jetzt alle gängige Internet-Begriffe. Die Webseiten des „Groupon“-Typs mit Angeboten des Tages haben seit ihrer ersten Einführung in China vor weniger als einem Jahr große Popularität erlangt.

Zhang Yi, ein 23-jähriger Werbeagentur-Angestellter, ist ein Fan großer Sammeleinkäufe. Er erzählte gegenüber der chinesischen Zeitung Xiaoxiang Morning Post, er setze auf Webseiten für Sammeleinkäufe für Haarschnitte, Mahlzeiten, Kinokarten und sogar Reisen.

Aber kreatives Einkaufen löst nicht das eigentliche Problem. Auf die unteren Einkommensgruppen wirkt sich eine hohe Inflation verheerend aus. Die in Shanghai lebende Rentnerin Frau Shen sagte der Epoch Times, die Lebenshaltungskosten seien jetzt so hoch, dass sie sich die Gesundheitsversorgung nicht mehr leisten könne: „Wir Rentner trauen uns schon nicht mehr einen Arzt aufzusuchen, solange die Situation nicht sehr ernst wird. Wir können uns die Behandlungen einfach nicht leisten.“

Die Verzweiflung wird von Wut begleitet. Am 22. November verwüsteten mehr als 1.000 Hochschulstudenten in der Provinz Guizhou die Schul-Cafeteria aus Protest gegen den jüngsten Preisanstieg. Die Menschen fürchten, es könnte wegen der höheren finanziellen Belastungen häufiger zu solchen gewalttätigen Protesten kommen.

Verzweifelte Maßnahmen

Für das kommunistische Regime ist der politische Einfluss der Inflation sogar noch besorgniserregender: 1988 trug eine ähnliche Inflation zur Studentenbewegung von 1989 bei, die sich für Demokratie einsetzte und im berüchtigten Tiananmen-Massaker endete.

Das Regime führte in jüngster Zeit verschiedene Maßnahmen durch, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Chinas Zentralbank kündigte im Oktober ihre erste Zinserhöhung seit 2007 an. Im November kündigte Beijing die fünfte Erhöhung ihrer Mindestreserven in diesem Jahr an. Nach Angaben staatlichen Medien gab außerdem der chinesische Staatsrat ein Rundschreiben mit der Aufforderung heraus, die Regionalregierungen sollten die Versorgung mit landwirtschaftlichen Gütern sowie Energie gewährleisten und die Rohstoffpreise stabilisieren.

Aber einige China-Kenner meinen, diese Maßnahmen reichten nicht aus und kämen zu spät. Der Hongkonger Finanzanalyst Dr. Lew Mo Hung sagte: „Im Vergleich zu den explodierenden Preisen kratzt die Zinserhöhung von 0,5 Prozent nur an der Oberfläche.“ Außerdem meinte er, die höheren Zinsen würden mehr heißes Geld einbringen und damit die Kapitalblase noch weiter aufpumpen: „Die chinesischen Behörden stecken in einem Dilemma.“

Grundlegende Ursachen

Fachleute meinen, die Inflation sei das Ergebnis der falschen Geldpolitik des Regimes. Der chinesische Demokratie-Aktivist Wei Jingsheng sagte kürzlich in einem Fernseh-Interview, der überhöhte Geldumlauf und der niedrige Yuan-Wechselkurs seien die Ursachen der Inflation. Er sagte, das Regime hätte in den letzten zwei Jahrzehnten mehr Geld in Umlauf gebracht, um das Wachstum zu stimulieren, was zu einer anhaltenden, langfristigen Inflation führte. Nach offiziellen Statistiken lag Chinas Geldmenge (M2) im Jahr 2009 1,8-mal so hoch wie das BIP und die Differenz wird schnell größer. Im September hatte der Saldo der Geldmenge für das Jahr 2010 schon das 2,6-fache des BIP erreicht. In einem Interview mit der Zeitung China Economics Weekly sagte der chinesische Beamte Wu Xiaoling kürzlich, das Regime hätte den Geldumlauf überhöht, um das hohe Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten.

Wei sagte, die Inflation sei wegen Chinas hoher Sparquote und der vorsichtigen Manipulation des Regimes auf einem annehmbaren Niveau geblieben: „Der jüngste Ausbruch (der Inflation) wurde durch die übermäßige Geldmenge ausgelöst, mit der die globale Wirtschaftskrise des letzten Jahres bekämpft werden sollte. Das Regime versuchte, die weltweite Stagnation durch die Erhöhung der Investitionen auszugleichen, aber solche Maßnahmen vergrößerten weiter das Ungleichgewicht zwischen der gesamten Geldmenge und der Marktproduktion“, die eine direkte Ursache der Inflation ist.

Er meint, die jüngsten Maßnahmen des Regimes zur Steuerung der Immobilienpreise hätten die Situation noch verschlechtert. Große Kapitalmengen aus dem Immobilienmarkt flossen in den Rohstoffmarkt und trieben die Preise noch höher.

Der Wirtschaftswissenschaftler Jian Tianlun sagte gegenüber der Epoch Times, der Ende des Jahres 2008 in den Markt gepumpte Zuschuss von 4 Billionen Yuan (600 Milliarden US-$) und die im Jahr 2009 gewährten Kredite im Wert von über 10 Billionen Yuan hätten China weiter in eine inflationäre Spirale getrieben.

Der in den USA lebende chinesische Ökonom Cao An sagte in einem Interview mit The Epoch Times, die Inflation hätte die Einkommensunterschiede vergrößert. Auf der einen Seite hätten die staatlichen Unternehmen und Regionalregierungen weitgehend von den erhöhten Wohn- und Rohstoffpreisen profitiert; auf der anderen Seite falle die Lohnerhöhung der Durchschnittschinesen viel niedriger als die Preissteigerung aus: „Das Entscheidende ist: die Menschen werden ausgebeutet. Das ist eine extreme wirtschaftliche Ausbeutung durch die Behörden… Wenn das Regime weiterhin auf Kosten des Wohlergehens der Bürger Gewinne erzielen möchte, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Menschen rebellieren.“

Schon 1994 erklärte der Marketing- und Management-Guru Peter Drucker dem japanischen Unternehmer Isao Nakauchi in dem Buch „Drucker on Asia”, der chinesische Markt sei attraktiv, aber gefährlicher als andere. Er sagte voraus, dass es in China schließlich zu einer schweren Inflation kommen werde und „die Blase viel größer und umfangreicher als die Blase ist, die vor ein paar Jahren in Japan platzte“, was zu schweren sozialen Unruhen führen kann.

Originalartikel auf Englisch

 

 

 



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