Unethisches Organspendesystem: Familien lassen kranke Angehörige verhungern – und verkaufen ihre Organe

Von und 26. Mai 2021 Aktualisiert: 26. Mai 2021 15:05
Die milliardenschwere chinesische Organtransplantationsindustrie ist auf stetigen Nachschub angewiesen. Jedoch sträuben sich Chinesen aufgrund tief verwurzelter kultureller Überzeugungen, nach denen der Körper nach dem Tod unversehrt bleiben muss, ihre Organe zu spenden. Das Regime versucht mit fragwürdigen Methoden dieses Hindernis zu überwinden.

In China werben die staatlichen Medien für den Beruf des „Organspende-Koordinators.“ Die Aufgabe dieser Koordinatoren ist es, Familien von sterbenden Patienten davon zu überzeugen, die Organe ihrer Angehörigen zu spenden, die zur Versorgung der boomenden Transplantationsindustrie Chinas benötigt werden. Die Familien, die zustimmen, werden im Gegenzug für ihr Einverständnis bezahlt.

Doch der Beruf ist weniger edel, als er vom chinesischen Regime dargestellt wird, so ein Bericht von Liang Xin (Pseudonym), einem ehemaligen Organspende-Koordinator aus Nordostchina. Die Arbeit sei eher mit der eines Verkäufers vergleichbar, so Liang gegenüber der Epoch Times. Ein Großteil der Arbeit bestehe darin, die Armen mit Geld zu manipulieren, damit sie sich bereit erklärten, die Organe ihrer sterbenden Angehörigen zu spenden.

„Die Methoden der Koordinatoren sind unethisch und verletzen international anerkannte Prinzipien für Transplantationen, die die Zahlung von Geld für die Zustimmung eines Organspenders verbieten“, sagt ein Experte für Organtransplantationen.

Liangs Enthüllungen werfen ein weiteres Licht auf die Missstände im Organtransplantationssystem der Kommunistischen Partei Chinas. Es steht bereits wegen der Praxis der Zwangsentnahme von Organen politischer und religiöser Gefangener stark in der Kritik.

Liang arbeitete sechs Monate in dem Beruf. Nach seinem Ausscheiden hat er sich entschlossen, über seine Arbeit zu sprechen, in der Hoffnung, dass mehr Menschen die Wahrheit erfahren.

Nach Angaben von Chinas Staatsmedien gab es Ende 2020 rund 2.800 Organspende-Koordinatoren im Land. Wie Liang arbeiteten einige von ihnen für Krankenhäuser, während andere für Chinas Rotes Kreuz arbeiteten, das im Gegensatz zu seinen internationalen Pendants vom chinesischen Regime finanziert und betrieben wird.

Die Armen im Visier

„Die Organspende-Koordinatoren haben es vor allem auf arme Familien abgesehen, insbesondere auf Wanderarbeiter auf dem Land“, sagte Liang. Diese Menschen hätten oft nicht genug Geld, um die teuren Arztrechnungen ihrer Verwandten zu bezahlen, und seien daher empfänglicher für das Geldangebot der Koordinatoren.

Liang erzählte von einem Fall einer sehr armen Familie. Ihr sterbendes Familienmitglied hätte mit einer angemessenen medizinischen Behandlung noch gerettet werden können. Doch die Familie entschied sich dagegen – und für die Auszahlung des Geldes. Also beschloss der Arzt der Familie, den Patienten verhungern zu lassen.

„Nachdem die Person eine Woche lang keine Nahrung zu sich genommen hatte, war sie in der richtigen Verfassung für eine Organspende“, sagte Liang.

Dieser Fall, so Liang, war einer von vielen, bei denen Patienten für hirntot erklärt wurden, eine Voraussetzung für die Organentnahme. Allerdings erfüllten die Patienten gar nicht die Kriterien für einen Hirntod.

Liang und seine Kollegen waren gute Verkäufer. Den Angehörigen verkauften sie die Organspende als einen Akt der „allumfassenden Liebe“ und „Hingabe für eine größere Sache“. Aber in Wirklichkeit betrachteten die Koordinatoren die Organe des Spenders nur als „Handelsware“, erklärte er.

Die Koordinatoren, sagte Liang, hatten eine bestimmte Strategie, die besonders effektiv war: Sie nahmen das „gierigste“ Familienmitglied ins Visier. Nachdem die „weiche“ Zielperson von der Sache überzeugt war, konnte man sich darauf verlassen, dass sie auch die anderen unmittelbaren Familienmitglieder überzeugen würde, die der Idee der Organspende weniger aufgeschlossen gegenüberstanden.

Eine gut geschmierte Maschinerie

Liang hatte genau wie viele seiner Kollegen keinen medizinischen Hintergrund, bevor er die Stelle antrat. Er bekam die Stelle durch seine Mutter, die bereits in dem Krankenhaus arbeitete, in dem Liang angestellt wurde. Es ist ein großes Transplantationskrankenhaus in einer Stadt in der nordostchinesischen Provinz Liaoning.

Wann immer ein sterbender Patient in der Region als geeignet für eine Organspende befunden wurde, wurde Liangs Team kontaktiert. Sie schickten dann Liang oder ein anderes Teammitglied in das Krankenhaus, um mit den Angehörigen des Patienten zu sprechen. Wenn es ihm gelang, die Familie zu überzeugen, der Organspende zuzustimmen, verdiente er 2.000 bis 3.000 Yuan (260 bis 380 Euro). Auch der behandelnde Arzt erhielt eine kleine Provision.

Laut Liang verlangen Krankenhäuser in China etwa 550.000 Yuan (70.000 Euro) für eine Lebertransplantation und 450.000 Yuan (57.000 Euro) für eine Nierentransplantation.

Ein Spender, der sowohl beide seiner Nieren als auch seine Leber abgibt, generiert demnach für ein Krankenhaus einen Umsatz von etwa 1,45 Millionen Yuan (185.000 Euro). „Nach Abzug der Kosten des Krankenhauses für die Beschaffung der Organe und die Durchführung der Operationen bleibt dem Krankenhaus die stolze Summe von 700.000 Yuan (89.000 Euro)“, so Liang.

„Ein kleiner Teil dieses Geldes kommt dem Organspende-Koordinator und der Familie des Spenders zugute, während der Rest an den Chefchirurgen gehen würde, der die Transplantationen durchführt“, sagte Liang.

Der Chirurg verwende einen Teil dieses Geldes, um die örtliche Polizei zu bezahlen. Im Gegenzug gebe die Polizei die persönlichen Daten der Patienten weiter, einschließlich der Angaben über ihre finanzielle Situation. Die Ärzte würden diese Informationen dann an die Organspende-Koordinatoren weitergeben. Die finanziellen Details der Familie helfen den Koordinatoren herauszufinden, ob bestimmte Familien anfälliger für Druck sind.

In Chinas Transplantationsindustrie gibt es auch viel Bestechung. Nach Liangs Angaben nehmen Chefärzte in den Transplantationszentren der Krankenhäuser Gelder an, um Menschen auf der Warteliste an eine günstigere Position zu setzen.

Für das „größere Wohl“

Liang erinnerte sich an einen konkreten Vorfall im Oktober 2020, bei dem es um einen 28-jährigen alleinstehenden Mann ging, der eine Hirnblutung erlitten hatte. Der Mann wurde in die Intensivstation eines örtlichen Krankenhauses eingeliefert und später für hirntot erklärt.

Die Organe des Mannes wurden angesichts seines jungen Alters und seiner Blutgruppe O als sehr wertvoll eingestuft, so Liang. Menschen mit der Blutgruppe O können für jede andere Gruppe spenden.

Liangs Mitarbeiterin machte sich dann an die Arbeit. Die ältere Schwester des Mannes wurde als das weiche Ziel identifiziert – sie brauchte Geld, da sie die Arztrechnung ihres Bruders bezahlt hatte. Die Mitarbeiterin war erfolgreich. Tatsächlich konnten sie die Schwester davon überzeugen, „ihren jüngeren Bruder für Geld zu verkaufen, um ihre Schulden zu begleichen“, so Liang.

Die Schwester hatte dann die Aufgabe, ihre Eltern dazu zu bringen, der Organspende ihres Sohnes zuzustimmen. Ein Hauptargument war, dass es für das „größere Wohl“ sei. Trotz ihrer anfänglichen Ablehnung gaben die Eltern schließlich nach und stimmten der Spende der beiden Nieren und der Leber ihres Sohnes zu.

Zum Entsetzen der Mutter, die dem nicht zugestimmt hatte, wurde am Ende auch das Herz des Sohnes gespendet.

Tod hinausgezögert, bis Verhandlungen abgeschlossen sind

Manchmal feilschten die Organspende-Koordinatoren und die unmittelbaren Angehörigen der Spender um die Höhe der Bezahlung. Bei einem anderen Vorfall im Oktober 2020 sagte Liang, dass er und sein Kollege gemeinsam an einem Fall arbeiteten, der einen Gefangenen aus der südwestchinesischen Provinz Sichuan betraf. Der Gefangene war ein Mitglied der ethnischen Minderheit der Yi.

Liang und sein Kollege trafen den Gefangenen in einem Krankenhaus in Shenyang, der Hauptstadt der nordostchinesischen Provinz Liaoning an. Liang hatte keine Ahnung, wie der Gefangene im Krankenhaus gelandet war und wo er inhaftiert war, vermutete aber, dass der Mann während seiner Haft geschlagen worden war.

Die anfänglichen Verhandlungen führten dazu, dass die Koordinatoren zustimmten, der Familie des Gefangenen 50.000 Yuan (6.400 Euro) für ihre Zustimmung zur Organspende des Gefangenen zu zahlen. Die Familie verlangte dann jedoch mehr Geld und bekam schließlich weitere 50.000 Yuan gezahlt.

Während die Verhandlungen liefen, hielten die Ärzte den Gefangenen im Krankenhaus von Shenyang mit Medikamenten etwa fünf Tage lang am Leben. Schließlich wurden seine Leber und zwei Nieren entnommen und gespendet.

China hat eine sogenannte humanitäre Hilfspolitik, um verarmte Familien von Organspendern zu unterstützen. Laut Chinas staatlichen Medien hat das Rote Kreuz der zentralchinesischen Provinz Hubei im Jahr 2015 einen Zahlungsplan von 50.000 Yuan bis 90.000 Yuan (6.400 bis 11.500 Euro) pro Familie eingeführt.

Im Januar 2020 gab das Rote Kreuz von Hubei bekannt, dass es im Jahr 2019 insgesamt 9,77 Millionen Yuan (1,25 Millionen Euro) an 128 Familien ausgezahlt hat.

WHO setzt eigene Richtlinien nicht durch

Dr. Torsten Trey, Geschäftsführer der in Washington ansässigen medizinisch-ethischen Interessenvertretung „Doctors Against Forced Organ Harvesting“, sagt, dass Chinas Organspendesystem seit Jahren darauf beruht, finanzielle Anreize zu nutzen, um Organspenden zu veranlassen.

Liangs Bericht zeigt laut Trey, „dass sich das chinesische Regime weiterhin nicht an die Transplantationsprinzipien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält“.

„In fünf der 11 Leitprinzipien wird ausdrücklich erwähnt, dass keine Zahlungen im Austausch für Organe geleistet werden sollten“, schreibt Trey in einer E-Mail an die Epoch Times.

„Die Beispiele zeigen, dass China für Organe bezahlt“, fügte er hinzu. „Mehr noch, sie wenden sich an Familien im größten Moment der Trauer, wenn ein Verwandter kurz vor dem Tod steht, um Geld für seine Organe anzubieten. Das ist unethisch und rücksichtslos.“

Der Arzt kritisierte auch, dass die WHO das chinesische Regime für diese Verstöße nicht zur Rechenschaft zieht. „Die WHO verrät ihre eigenen ethischen Richtlinien, indem sie China nicht für den Bruch der ethischen WHO-Richtlinien verurteilt“, schrieb Trey. „Die WHO würde nicht zögern, andere Länder zu verurteilen, wenn sie systematisch Geld für Organe zahlen würden.“

Er forderte die internationale Gemeinschaft und insbesondere die globale Transplantationsgemeinschaft auf, das Regime aufzufordern, die Praxis zu beenden. „Wir müssen ethische Standards in der Medizin aufrechterhalten“, sagte Trey.

Der Mangel an Ethik in Chinas Transplantationssystem reiche weit über die Nutzung finanzieller Anreize für Organspenden hinaus, fügte Trey hinzu und verwies auf die staatlich sanktionierte Praxis des Regimes, Organe von politischen Gefangenen zu entnehmen, insbesondere von Falun-Gong-Anhängern.

Liang sagte, dass er nie persönlich in irgendwelche Organspendefälle involviert war, die Falun Gong betrafen. Er vermute jedoch, dass ihre Organe weiterhin eine Transplantationsquelle sind, da er gesehen habe, dass Falun Gong in Berichten von Ärzten erwähnt wird.

Während das chinesische Regime behauptet, dass alle Organe, die für Transplantationen verwendet werden, aus seinem Spendensystem stammen, hat eine zunehmende Zahl an Untersuchungen und ein unabhängiges Volkstribunal herausgefunden, dass Peking in „erheblichem Umfang“ Gefangene aus Gewissensgründen für ihre Organe tötet, wobei inhaftierte Falun-Gong-Praktizierende die Hauptquelle für Organe sind.

Das Original erschien in The Epoch Times USA mit dem Titel: Organ Donation Worker Exposes China’s Money-Driven Transplant Industry (deutsche Bearbeitung von mk)



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