Die Herren der Ringe – Teil 1

Von 16. Januar 2005 Aktualisiert: 16. Januar 2005 12:41
Eine Serie rund um die Olympischen Spiele der Antike und Neuzeit

Diese Serie gibt unterschiedlichste Einblicke rund um die Olympiade, das wohl bedeutendste Sportereignis der Antike und Gegenwart. Doch wir werden nicht nur aus sportlicher Sicht berichten, nein, wir werden einen weiten Bogen rund um die Geschehnisse der alten und der neuen Zeit schlagen und chronologisch unabhängig zwischen den Zeitaltern wandeln. Nun, eigentlich wäre der Kreislauf der Spiele mit seiner Rückkehr nach Olympia beendet, jedoch eröffnet sich jetzt wohl eine neue Dimension – die Olympiade 2008 in Peking.

Wir durchschreiten das Zeiten-Tor, eine weiche Vibration umschließt den Körper und macht unsere Gedanken leicht und beweglich. Schon Sekunden später….

Die Suche nach dem Anfang

…stehen wir in einem grünen Hain am Fuße des Hügels von Kronion. Hier treffen sich die Flüsse Alpheisos und Cladeoa. Das Tal entlang der Flüsse ist von großer landschaftlicher Schönheit. Hier wachsen wilde Olivenbäume, Pinien, Pappeln, Eichen und Platanen. Wir befinden uns am Geburtsort der Olympischen Spiele – Olympia, ein Symbol des Friedens, aber auch des Wettstreites. Schon seit langer Zeit treffen sich hier die Besten der Besten um ihre Kräfte im Vergleich zu messen. Ganz in der Nähe erklingt ein Preislied für einen der Sieger. Wir nähern uns Pindar, dem großen Lyriker und lauschen für einen Moment seinen Worten:

„O Mutter der goldgekrönten Kampfspiele, Olympia,

Herrin der Wahrheit, wo wahrsagende Männer

brennende Opfer auslegend, befragen Zeus, den hellblitzenden,

ob er etwas Acht hat auf die Menschen,

die im Herzen streben, großen Heldenmut zu erlangen

und ein Aufatmen von den Mühen.“

Nach Entspannung suchend schlendere ich an den Olivenbäumen entlang hinunter zum Flussufer und setze mich ein wenig ins weiche Gras. Die laue Abendluft lädt zum Träumen ein, der Fluss murmelt mir noch ein paar Worte zu. Er erzählt mir von Hypnos dem Gott des Schlafes und seinen Kindern, den Träumen. Die sichtbare Welt weicht langsam der Stille und süßer Schlummer wiegt mich zur Ruh’.

Gähnende Leere und Dunkelheit umgibt mich. Ich bin Zeuge einer kosmischen Geburt. Gaia, die Göttin der Erde entsteigt dieser Leere. Mit ihr entstehen Eros, als Prinzip der Zeugung und Liebe, die geflügelte Göttin der Nacht Nyx, Erebos die Finsternis und bedeckt durch Gaia, der Tartaros, tiefer noch als die Unterwelt.

Gaia erzeugt im Schlaf aus sich selbst den Uranos (den Sternenhimmel) und Pontos (das Meer) dann erzeugt sie die gewaltigen Berge. Währenddessen vereinigen sich Erebos und Nyx und erzeugen den Aether, die Himmelsluft und die Hemera, den Tag.

Uranos aber besteigt den Himmelsthron und zeugt mit Gaia drei einäugige Kyklopen und drei Riesen von hässlicher Gestalt mit hundert Armen und fünfzig Köpfen. Aus Furcht vor dem Verlust seines Thrones durch die Nachkommen und angesichts ihrer Hässlichkeit hasst er die gemeinsamen Kinder und wirft sie zurück in den Tartaros, den tiefsten Schoß der Erde. Die nachfolgenden zwölf Kinder, die Titanen verbirgt Gaia vor Uranos. Tief im Inneren leidet die gewaltige Erde seufzend unter dieser Tat. Sie erschafft aus dem Eisen, welches in ihr wächst eine Sichel und spricht zu den Titanen, um die Macht des Uranos zu beenden. Der jüngste und gewaltigste der Titanen, Kronos, nimmt die Sichel der Mutter und entmannt den Uranos damit. Er wirft die blutigen Teile hinter sich ins aufschäumende Meer. Später entsteht daraus Aphrodite, die Göttin der Liebe. Der gestürzte Uranos prophezeit dem Kronos, dereinst von einem seiner Kinder gestürzt zu werden.

Kronos besteigt den Thron und begründet das Goldene Zeitalter. Die zuvor befreiten Kyklopen und Riesen werden von ihm wieder in den Tartarus gesperrt. Doch nicht lange, da ergreift auch ihn die Angst vor dem Verlust der Macht. Um der Prophezeiung des Vaters zu entgehen verschlingt er die aus der Ehe mit seiner Titanen-Schwester Rhea stammenden Kinder Hestia, Demeter, Hera, Pluton und Poseidon. Die folgende Schwangerschaft schützt Rhea, indem sie nach Kreta geht und dort in einer Höhle den Zeus zur Welt bringt. Der Waffentanz der halbgöttlichen Kureten, übertönt das Kindergeschrei. Zeus wird von Naturgottheit, den Nymphen aufgezogen. Ausgewachsen veranlasst er Metis, die Tochter des Titanen Okeanos, dem Kronos einen Trank zu mischen, worauf dieser seine verschluckten Kinder erbrach. Die Kroniden, die Kinder des Kronos sind befreit. Auf Rat der Gaia befreit Zeus auch die drei Hundertarmigen und die drei Kyklopen aus dem Tartarus. Die Kyklopen geben Zeus den Wetterstrahl, Blitz und Donner. Die Titanen verschanzen sich im Othrys-Gebirge, die Kroniden auf dem Olymp. Nach 10jährigem Kampf, der in die Geschichte als Titanomachie eingeht, besiegen die Kroniden Kronos und die am Kampf beteiligten Titanen. Eine neue Weltordnung beginnt. Die Welt wird unter den drei Brüdern Zeus, Poseidon und Pluton aufgeteilt. Poseidon herrscht von seinem Palast in den Tiefen des Meeres über die Gewässer, Pluton über die Unterwelt und die Toten. Tief unter seinem Reich sitzen die gefangenen Titanen im Tartarus, bewacht von den drei hundertköpfigen Riesen. Zeus jedoch herrscht auf dem Olymp über Himmel und Erde. Es steigt Nebel auf, dichter und dichter, nichts ist mehr zu sehen, dann wird es wieder dunkel.

Es ist schon Morgen. Die aufsteigende Sonne gewinnt an Kraft. Ein wahrlich magischer Ort, ich bin gespannt, welche Geschichten hier noch zu finden sind. Langsam stehe ich auf und gehe durch diesen grünen Hain, mit seinen Olivenbäumen, Pinien, Pappeln, Eichen und Platanen. Die Flüsse Alpheisos und Cladeoa fließen ruhig durchs Tal. Schön ist es hier, am Fuße des Hügels von Kronion.


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