Die Musik – ein Werkzeug des Todes?

Von 16. September 2018 Aktualisiert: 6. Januar 2019 23:59
Zum Tod von Daniel Küblböck – Gedanken eines Außenstehenden.

Man liest Nachrufe, von verschiedenen Seiten. Z.B. übers Net, auch über youtube, auch von Journalisten wie z.B. Frau Eva Herman. Hier sollte man zwei Perspektiven unterscheiden, – die eine der Person des Herrn Küblböck und die andere des musikalischen Könnens.

Gehen wir mal zur Musik. Nachdem ich mich seit über 60 Jahren mit diesem Medium beschäftige, glaube ich, von mir sagen zu können, dass ich praktizierender Musiker bin. Als Profi möchte ich mich nicht bezeichnen, da ich das nicht zum Hauptberuf gemacht habe. Mit 5 Jahren begann ich mit dem Klavierunterricht, dann folgte der Unterricht an der Wiener Musikakademie, in Klavier aber auch in Violine unter Prof. Morawetz. Sämtliche anderen Instrumente habe ich mir autodidaktisch beigebracht.

Danach verwendete ich jede Form der Musik immer dann, wenn es mich ansprach. Deshalb habe ich auch keine Klammer zu den Klassikern, ich praktizierte auch aktiv (in Bands) alle möglichen Formen der Musik, wie Folk, Pop, etc.

Wenn man selbst genügend oft auf Bühnen gestanden hat, dann bewertet man das, was andere auf diesem Podium produzieren, einfach kritischer und vor allem emotionsloser. Ich muss das einfach vorausschicken, damit der Leser begreift, aus welcher Perspektive ich diesen Herrn Küblböck bewerte. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich auch heute noch, als Grufti weit über 60, immer noch aktiv Musik mache, – aber die wirklich gute Musik, aus den 60er, 70er und 80er Jahren.

Nun zum Anfang:

Ich weiß nicht, was Herr Bohlen an dem jungen Mann gefunden hat. Jeder, der halbwegs was von Musik versteht und das bewerten kann, hat sich gewundert, wie und vor allem warum Herr Bohlen diesen jungen Mann hochgepusht hat. Ich kenne die wahren Hintergründe dieser DSDS-Shows nicht, auch nicht die von Herrn Bohlen. Für mich steht aber auch Herr Bohlen in der moralischen Verantwortung, wenn man einen Anfänger auf ein Podest hebt, dem er nicht gewachsen ist.

Dazu kommt die persönliche Ausrichtung von Herrn Küblböck, nicht nur der exzentrische Name, auch seine sexuelle Orientierung. Es ist nichts Neues, dass gerade Menschen aus diesem Spektrum mit den Konfrontationen des harten Lebens nicht zurechtkommen – gerade Musiker. Auch Roy Black ist daran gescheitert.

Ich habe mir nun mehrere der Songs und Live-Auftritte von Herrn Küblböck in youtube angesehen. Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wodurch sich da eine Fan-Gemeinde gebildet hat. Die Songs sind mehr als flach, bestehen oftmals nur aus drei Akkorden, sind vermutlich aus dem PC komponiert, und mit Sicherheit nicht in der Lage, in der Erinnerung des Musikkonsumenten zwei oder drei Monate zu überleben.

Von den Texten sprechen wir erst gar nicht. Das ist ja oft so, dass deutschsprachige Interpreten ihre Kreationen in englisch singen, – in deutsch würden sie erst gar nicht auf den Markt kommen. Bei der englischen Sprache präsentiert man sich als international und hat dazu den Vorteil, dass die meisten – vermutlich jugendlichen – Zuhörer ihre Englischkenntnisse noch aus der Schulzeit beziehen und dadurch in der Lage sind, beim Zuhören den geistigen Hebel umzulegen, damit man nicht dahintersteigt, was da eigentlich ausgesagt wird.

Das Gesamturteil kann nur lauten: Schwach und insgesamt etwas unter dem Durchschnitt. Wie man so jemanden als den neuen Superstar hochjubeln kann, das kann ich nicht nachvollziehen. Jetzt ist „aktiv Musik machen“ mit dem heutigen kommerziellen Musikgeschäft ja nicht identisch. Bei letzterem fehlen mir die Kenntnisse, auf jeden Fall über die aktuelle Situation.

Ich weiß nur, dass ich in jungen Jahren mal einem Produzenten bedauernd und dankend abgesagt habe. Dabei waren schon Probeaufnahmen im Studio gelaufen, auch ein Video in einem Schlosspark in der Kurpfalz wurde gedreht. Da gings um volkstümliche Lieder, die meine erste Frau und ich im Duett gesungen hatten. Da ich für jede Form der Musik offen bin, haben wir das halt mal probiert. Der Produzent wollte uns im Stil von „Marianne und Michael“ herausbringen.

Nachdem wir aber beide festgestellt haben, dass die Texte äußerst seicht und nichtssagend waren, haben wir dann davon abgesehen. Wir sind eben nicht „dahintergestanden“, und dann fühlt man, dass das anfangs „Neue“ später zur Belastung werden kann, weils dann einfach keinen Spaß mehr macht. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich noch diese Demokasette aufbewahrt habe , – damals gabs ja noch keine CD.

Ein einziges Mal habe ich mich dazu überreden lassen, anlässlich eines Jubiläums mit einem Chor eine Schallplatte mit Heimatliedern auf die Beine zu bringen. Gut, hinter diesem Machwerk stehe ich, weil ich da doch eine gewisse Qualitätsstufe erreicht habe, obwohl es Sänger und Sängerinnen waren, die überwiegend aus Laien bestanden. Als ich aber gemerkt habe, was da an Arbeit nötig war, – alleine für eine LP mit 45 min. Spieldauer mit der Truppe (zusammengezählt) 19 Std. im Studio zu verbringen, – meine Nacharbeit mit dem Tonmeister gar nicht miteingerechnet, – da habe ich von weiteren Experimenten dieser Art abgesehen.

Der Tonmeister hat mich aber dahingehend beruhigt, indem er mir im Vertrauen ein paar Namen genannt hatte, von sehr bekannten Musikern, die in seinem Studio Aufnahmen gemacht hätten. Ich konnte es fast nicht glauben, als er mir erzählte, was da bei so manchen herumgeschnippelt wird, oft nur Abschnitt für Abschnitt einige Takte aufgenommen werden, um das jeweils bei der nächsten Pause wieder einzufügen. Die Technik machts ja möglich. Aber nach außen hin ist er/sie dann der strahlende Star, aber im Studio klappts nicht einmal damit, eine ganze Strophe fehlerfrei hinzubekommen.

Ich hab das deshalb so ausführlich erklärt, damit man mir zugestehen kann, dass ich aus eigener Erfahrung weiß, wovon ich spreche. Und auch, warum ich dabei an den Star Küblböck denke. Was sich Herr Bohlen dabei gedacht hat, das entzieht sich meiner Kenntnis, genausowenig kenne ich Herrn Küblböck, – ich habe niemals mit ihm gesprochen und auch den ganzen Werdegang nicht verfolgt. Aber die Leute aus meinem Umfeld, die sehr wohl wissen, wie lange und intensiv wir z.B. an Songs von Santana oder Tina Turner rumackern, bis wir das als vorzeigbar abhaken, kennen auch meine hohen Ansprüche an das Wort „Musik“ und „Darbietung“.

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Nun ist dieser junge Mann offensichtlich an den gestellten Anforderungen zerbrochen und hat den Freitod gewählt. Übereinstimmend spricht man davon, dass die Reeling bei diesen Schiffen so hoch ist, dass da kein Unfall passieren kann. Es ist schade um einen jungen Menschen, gewissermaßen am Beginn seines Lebens, der wahrscheinlich seine Bestimmung noch nicht gefunden und sich darauf verlassen hat, den Weg zu gehen, den ihm andere vorgaben. Er hat den Absprung und sein „Ich-selbst-sein“ nicht gefunden und schaffte es nicht, aus der Schablone herauszutreten, in die man ihn gepresst hat.

Natürlich kann man es nicht damit vergleichen, was man mit seinen eigenen Kindern macht. Meine Tochter wusste von Anfang, dass ihre Zukunft in der Medizin liegt, – aber bei den Jungs galts, die richtige Eignung herauszufinden. Was ich da alles versucht habe, zu welchen Betrieben, welchen Branchen, ich sie zu Probearbeit geschickt habe, bis sie selbst ihre Neigung herausgefunden hatten, die sie als ihren Beruf ansahen, – es ging ziemlich lange. Aber ich wollte sicher sein, dass sie ihre spätere Tätigkeit nicht nur als reinen Broterwerb ansehen, sondern sich auch damit identifizieren können, – und damit sowas wie Glück und Zufriedenheit erlangen.

Für Herrn Bohlen sind das keine eigenen Kinder, für ihn sind das nur Figuren auf dem Schachbrett, mit denen man spielen kann, wie man will, und so nebenbei noch Profit auf deren Rücken macht. O.k., dadurch hat er ihm den Weg zu Bekanntheit und zu Reichtum geebnet. Ist es das, was „Glück“ und „Selbstfindung“ bedeutet?

Ich hab mir den Nachruf von Eva Herman eingehend durchgelesen: www.eva-herman.net

Sie hat sich mit der Person des Verstorbenen befasst, – nicht mit dessen musikalischer Leistung. Aber die Gründe dafür in einer zerrütteten Kindheit zu suchen und den Freitod damit zu erklären, – das kann es nicht sein. Viele haben eine zerfahrene Kindheit erlebt und bringen sich dann – vor allem nach vielen Jahren – nicht deshalb um. Wenn ich diese Kindheitserlebnisse mit meinen vergleiche, dann muss ich feststellen, dass er noch etwas besser dran war, – bei ihm war wenigstens nicht so wie bei mir das Messer im Spiel, in der Hand des besoffenen Stiefvaters.

Eher denke ich, dass der Heroin-Tod seines Bruders Michael mitgespielt hat. Denn wenn das tatsächlich der wahre Grund gewesen wäre, dass Daniel seinen Kontakt zu seinem Bruder abgebrochen hat, weil er rechtsgerichtetes Gedankengut vertreten hat, dann kann es schon sein, dass ihn das nach dem Tode des Bruders beschäftigt. Auch mein Vater hatte politisch eine völlig andere Ausrichtung als ich, genauso meine Tochter. Deswegen aber breche ich doch keinen Kontakt zu den Familienangehörigen ab. Ich vermeide allenfalls politische Diskussionen.

Warum beschäftige ich mich damit so eingehend? Eigentlich könnte ich sagen, ich kenne diese Familie nicht, was ficht mich das an? Mir geht es um die moralische Verantwortung im Allgemeinen, wenn man solche Sendungen wie DSDS produziert und sich dabei den Heiligenschein aufsetzt. Die beiden Küblböcks sind nur ein Beispiel. In diesem Falle sieht es so aus, als ob zwei junge Menschen, die nicht sattelfest waren, durch irgendwelche Illusionen verblendet wurden, die sich später als Luftschloss herausgestellt haben. Daran haben alle ein gerütteltes Maß an Mitschuld dran, die sich gerne im Glanze desjenigen sonnen, dem man irgendwelche Visionen projeziert hat.

Jetzt hier über youtube gewisse Beileidsbekundungen zu veröffentlichen, ist nicht geeignet, um sich da reinzuwaschen. Wenn der Tod dieser beiden jungen Leute überhaupt einen Sinn haben soll, dann vielleicht diesen:

Diejenigen, die sich in der Öffentlichkeitsarbeit betätigen und durch Shows oder sonstige PR-Aktionen mit diesem Klientel Kontakt haben, sollen lernen, nicht nur ihre eigenen Interessen im Blick zu haben, sondern sich auch für die Person zu interessieren, die sie eigentlich nur für ihre Ziele verwenden. Ich weiß, dass der Spruch “the show must go on“ vorherrscht, aber es gibt noch andere Dinge im Leben, die viel wichtiger sind.

Musik hat eine besondere Kraft. Sie kann ermutigen, entspannen, aufbauen, heilen, – oder einfach nur sich selbst oder anderen Freude machen. Sie kann sogar Gräben überwinden, die in anderen Bereichen unüberwindlich sind, siehe Daniel Barenboim.

Aber die Musik soll nicht zum Werkzeug des Todes werden, dafür hat sie unser Schöpfer nicht gemacht.

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