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Kindern Urteilsvermögen beibringen

Von 22. September 2021 Aktualisiert: 17. September 2021 15:32

Als wir Kinder waren, lehrten unsere Eltern uns, was richtig und was falsch ist. Sie hatten ziemlich strenge Regeln, die wir befolgen mussten. Sie halfen uns, die Handlungen anderer Kinder einschätzen und beurteilen zu können. Wir durften nur mit denen Freundschaft schließen, die so handelten, wie es Mama und Papa für angemessen hielten.

Kurz gesagt, sie lehrten uns, nicht nach der Hautfarbe oder der Kleidung zu unterscheiden, sondern anhand der Taten. Sie sprachen auch darüber, dass wir den Sünder lieben und die Sünde hassen sollten. In jungen Jahren war das schwer zu verstehen, aber in der Mittelstufe konnten wir ihre Weisheit erkennen.

Die Kinder von heute haben einen großen Nachteil. Ihnen wird zu Hause, in der Schule und in der Kirche beigebracht, niemals zu urteilen. Eltern werden gewarnt, dass auch sie nicht über andere urteilen sollen, weder nach ihren Handlungen, ihren Ansichten oder ihren Gewohnheiten.

Lehrreiche Situation

Als unser dritter Sohn geboren wurde, brachten meine Frau Mary und ich ihn und seine fünf und drei Jahre alten Brüder zu ihrem Kinderarzt Dr. Ruppa. Ich war damals Assistenzarzt in der Pädiatrie und kannte Dr. Ruppa als erfahrenen Kinderarzt mit hervorragenden Umgangsformen am Krankenbett und betrachtete ihn als meinen besten Mentor.

Wir hatten unseren Besuch gerade beendet, als unser fünfjähriger Sohn, der gelangweilt zusah, wie sein kleiner Bruder die ganze Aufmerksamkeit bekam, seinem anderen Bruder einen Schlag in den Bauch verpasste.

„Ungezogener Junge“, schimpfte ich.Dr. Ruppa runzelte die Stirn und sagte: „Frau Donahue, bleiben Sie einen Moment bei den Jungs, während ich mit Dr. Donahue rede.“

Als die Tür geschlossen war, sah er mich an, lächelte und sagte: „Er ist kein ungezogener Junge. Er hat etwas Unanständiges getan. Auch gute Jungs benehmen sich mal daneben, aber das macht sie nicht ungezogen. Wenn man sie beschimpft und sie vor anderen erniedrigt, sind sie trotzig. Er hatte das Gefühl, ignoriert zu werden, weil wir geredet und nicht auf ihn geachtet haben. Und jetzt gehen Sie wieder rein und kümmern sich um diese vier wunderbaren Menschen. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Wir sehen uns am Montag im Krankenhaus.“ Er schüttelte mir die Hand und war verschwunden.

Dr. Ruppa beurteilte mein Verhalten. Ich beurteilte meinen Sohn und verurteilte ihn.

Verantwortungsvolles Handeln

Vor einigen Jahren wachte ein Studienanfänger der Vanderbilt University um 2:30 Uhr morgens auf, als sein Zimmergenosse und eine Gruppe von Freunden eine bewusstlose Frau in ihr Zimmer trugen, sie auf den kalten Fliesenboden legten und sie abwechselnd vergewaltigten. Später sagte er den Behörden, er wollte sie nicht verurteilen, wusste aber nicht, was er tun sollte, also drehte er sich um und versuchte, wieder einzuschlafen. Die meisten Leute würden sagen, dass er ein schlechtes Urteilsvermögen hatte, aber ich würde sagen, er hatte überhaupt kein Urteilsvermögen.

Eltern und Lehrer haben oftmals Angst davor, zu urteilen, sodass sie schlechtes Verhalten ignorieren. Daraus kann nichts Gutes entstehen. Kinder müssen wissen, was richtig und was falsch ist. Sie müssen in der Lage sein, zwischen gutem und schlechtem Verhalten zu unterscheiden, und es ist die Aufgabe der Eltern, es ihnen beizubringen.

Urteilsvermögen lehren

Eltern sind durch ihre Handlungen, ihre Worte und ihre Haltung jeden Tag ein Vorbild. Sie befolgen die Regeln, die sie aufgestellt haben, und bestehen darauf, dass die Kinder sie auch befolgen. Sie vermeiden Handlungen, die verletzend sind, sind vorsichtig mit den Worten, die aus ihrem Mund kommen, und bewahren eine positive Einstellung. Ihre Handlungen müssen gut sein, ihre Worte freundlich und ihr Geist aufbauend. Sie korrigieren ihre Kinder, wenn sie etwas falsch machen. Und wenn die Kinder reifer werden, nehmen gute Eltern sie zur Seite und erklären ihnen, warum das, was sie getan haben, falsch war.

Wenn die Kinder etwas tun, das Menschen, Orte oder Dinge beschädigt oder verletzt, muss das Kind, nicht die Eltern, bei den Geschädigten Wiedergutmachung leisten. Die Eltern sind wiederum dafür verantwortlich, den Kindern in lockeren Gesprächen zu vermitteln, dass es für alle Menschen Regeln gibt. Es ist wichtig, dass Eltern bewerten und differenzieren, aber niemals verurteilen.

Jeden Tag hören wir von Menschen, die bei Raub, Diebstahl oder Übergriffen auf andere nur zusehen. Als gute und verantwortungsbewusste Bürger ist es wichtig, einzugreifen. Wenn wir zusehen und nichts tun, können wir davon ausgehen, dass unsere Kinder unserem Beispiel folgen werden.

Zivilcourage

Erlauben Sie mir, Ihnen eine Geschichte über diesen „ungezogenen“ Jungen zu erzählen, die sich 30 Jahre, nachdem Dr. Ruppa mein „Urteil“ über meinen Sohn korrigiert hatte, ereignete.

Mein Sohn saß in einem Flugzeug auf dem Gangplatz neben einem anderen jungen Mann, den er nicht kannte. Neben dem jungen Mann saß ein neun- oder zehnjähriges Mädchen, das schlief, zumindest waren ihre Augen geschlossen. Mein Sohn bemerkte, dass der Mann seine Hand hoch oben auf dem Oberschenkel des Mädchens hatte und sie massierte. Er klopfte dem Mann auf die Schulter und fragte ihn, was er da mache. Der Mann grinste und sagte: „Das ist egal, sie schläft ja.“

Mein Sohn sagte ihm, er solle damit aufhören. Das tat der andere nur kurz und fing dann wieder an, sie zu missbrauchen. Mein Sohn ging zur Flugbegleiterin und erzählte ihr, was vor sich ging. Sie kontaktierte den Flugkapitän, der das Cockpit verließ und den Täter auf einen anderen Sitzplatz setzte. Als das Flugzeug landete und bevor jemand das Flugzeug verlassen konnte, kam die Polizei und nahm den Mann in Handschellen mit.



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