Botticellis Vermächtnis – Ausstellung zum 500. Todestag

Von 22. Januar 2010 Aktualisiert: 22. Januar 2010 9:18

Nein, die „Geburt der Venus“ ist nicht dabei. Die hängt in den Uffizien von Florenz und ist unausleihbar. Doch was das Frankfurter Städel-Museum in seiner einzigartigen Botticelli-Ausstellung – der ersten dieser Art im deutschsprachigen Raum – zusammengetragen hat, kann sich in der Tat sehen lassen: vierzig Werke des Großmeisters der Frührenaissance und vierzig weitere, die seinen künstlerischen Hintergrund und Werdegang illustrieren.

Der Bildniskunst Botticellis ist der erste Teil der Ausstellung gewidmet. Dabei prägen grazile Schönheit und elegante Anmut seine Frauenporträts, die er zugleich mit einem feinen melancholischen Zauber umgibt. In dieser Besonderheit seiner Figuren ist Botticelli zum Markenzeichen der italienischen Renaissance geworden, zum Inbegriff der Florentiner Kunst im Goldenen Zeitalter der Medici-Herrschaft unter Lorenzo dem Prächtigen.

Betörend und zu Recht das Hauptaugenmerk der Ausstellung ist das Bildnis der Simonetta Vespucci. Es stellt die junge Frau vom Hofe der Medici im Profil dar, fast in der Gestalt einer Nymphe. Um auf diese Weise sein weibliches Idealbild Wirklichkeit werden zu lassen? Mit makellos blassem Teint und auffallend roten Lippen, mit kunstvoll eingeflochtener und doch zugleich offener Haartracht verweist er sie gleichsam als eine antike Kunstfigur hinein in den Bereich der Mythologie.

Ähnlich idealtypisch erscheint auch das Abbild der in Makellosigkeit erstrahlenden Venus, die ihr Vorbild hat in Aphrodite, der antiken Göttin der Schönheit. Und doch zeigt sich etwas völlig Neues: Erstmals in der Kunstgeschichte des christlichen Abendlandes wird hier ein weiblicher Akt um seiner selbst willen dargestellt, ohne sich dabei zu stützen auf biblische Vorlagen wie zum Beispiel die Gestalt der Eva im Paradies. Noch dominiert dabei jedoch die ästhetische Linienführung eindeutig über die realen körperlichen Proportionen.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich Themen der Mythologie, wie zum Beispiel in „Minerva und der Kentaur“. Ein Motiv, das sicherlich im Kontext des Medici-Selbstverständnisses zu interpretieren ist: Auf der einen Seite der noch in tierischem Ungestüm verhaftete und erotischen Trieben unterworfene Kentaur und doch gleichzeitig gezähmt von Minerva, der Göttin der Weisheit und der Tugend. Beide legen in ihrem jeweiligen Gesichtsausdruck ein beredtes Zeugnis ab für den ewigen Kampf zwischen Leidenschaftlichkeit und Keuschheit.

Religiöse Motive, vor allem Madonnenbilder, bilden den Kern des dritten Teils der Ausstellung. Von einer fast überirdischen Schönheit präsentiert sich gleich zu Beginn die „Verkündigung“, in der ein seitlich heranschwebender Erzengel Gabriel der in demütiger Haltung verharrenden Maria die frohe Kunde bringt – eine Botschaft, die in Form von ausstrahlenden feinen Linien mit verborgenem Ausgangspunkt auf ihren göttlichen Ursprung schließen lässt.

Hier zeigt sich Botticelli bereits vor Dürer als ein wahrer Meister der Perspektive. Seinen Fluchtpunkt setzt er ganz realistisch genau an der linken Seite des Wandbildes, unter der sich der Betrachter durch eine Öffnung hindurch bewegt, um sodann, wie auf dem Bild dargestellt, in einen imaginären Garten einzutreten. Dabei spielt die Hauptfigur der Verkündigungsszene, die andächtig auf der anderen Seite verharrende Maria, unter perspektivischem Gesichtspunkt nur eine untergeordnete Rolle.

Ganz anders als in dem kreisrunden Bild der Geburtsszene, bei der die Heilige Familie im Mittelpunkt steht. Jungfrau und Kind in porzellanweißer Hautfarbe, die auf die Spätphase von Botticellis Schaffenszeit schließen lässt. Joseph dagegen schlafend, versunken in den warnenden Traum, der ihn antreibt, vor den Feinden des Kindes nach Ägypten zu entfliehen – ein Motiv, das sich erklärend im Hintergrund des Bildes wiederfindet.

Und schließlich, ästhetisch überaus ansprechend gestaltet, die „Anbetung des Kindes“ durch seine Mutter. Maria, gekleidet in ein prächtiges rot-blaues Gewand, und das in leichtes weißes Leinen eingehüllte Kind, liegend unter einem blühenden Rosenstrauch. Ein Bild tiefer Andacht, das sich – ohne störende Landschaftsperspektiven – allein der anbetenden und ahnungsvollen Frömmigkeit Marias verpflichtet weiß.

Insgesamt eine großartige Ausstellung, die im Frankfurter Städel-Museum noch bis zum 28. Februar 2010 zu sehen sein wird.

www.staedelmuseum.de

Foto: Ursula Edelmann – Artothek
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