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Die spirituelle Stimme des gefeierten Romanautors

Von 29. November 2010 Aktualisiert: 29. November 2010 13:48

Leo Tolstoi, so beschrieb es der bekannte französische Schriftsteller Anatole France, „…sah mit seinen spirituellen Augen jene Horizonte, die für uns unsichtbar sind. Ich kann Tolstoi mit Homer vergleichen. Er wird im kommenden Jahrtausend erforscht werden. Seine angeblichen Utopien haben sich zum Teil bereits bestätigt. Die alte Welt bricht entzwei. … Tolstoi ist der Prophet einer neuen Menschlichkeit.“

Im November 1910 endete an einer Bahnstation in Astapowo in Russland nach Ivan Bunin, „nicht nur das Leben eines der außergewöhnlichsten Männer, die jemals auf dieser Welt gelebt haben, dort endete ein in seiner Kraft, Länge und Schwierigkeit einzigartiger heroischer Akt, ein außergewöhnlicher Kampf für die Befreiung.“

Sogar 100 Jahre nach seinem Tod lebt Tolstois spirituelle Stimme, die durch seine Neigung von der östlichen Philosophie geformt wurde, durch seine Worte weiter.

Über die Religion der Zukunft

Albert Einstein sagte „die Religion der Zukunft, wird eine kosmische Religion sein. Sie sollte über persönliche Götter erhaben sein und Dogmen sowie Theologie vermeiden. Um das Natürliche und Spirituelle einzuschließen, sollte sie aus dem Erfahren aller natürlichen und spirituellen Dinge, als bedeutungsvolle Einheit entstehen.  Der Buddhismus entspricht dieser Beschreibung. Wenn es eine Religion gibt, die moderne wissenschaftliche Bedürfnisse befriedigen kann, dann ist es der Buddhismus.“

Im Alter von 19 Jahren begann sich Tolstoi für östliche Philosophie zu interessieren, als er einige Zeit im Krankenhaus neben einem buddhistischen Lama verbrachte, der von Räubern verwundet worden war. Es stellte sich heraus, dass dieser Lama nicht versucht hatte sich selbst zu schützen sondern nur leise gebetet hatte. Dieser Vorfall hinterließ einen tiefen Eindruck bei Tolstoi und war der Auslöser für ein intensives Studium des spirituellen Erbes der östlichen Welt.

Tolstoi bemerkte, „dass die Studien des Buddhismus und Stoizismus sowie der jüdischen Propheten, im Besondern Jesaja, und die Studien von Konfuzius und Laotse  … sich alle, beinahe zur gleichen Zeit, um das sechste Jahrhundert herum entwickelten.“ Tolstoi war davon beeindruckt, dass sie alle die Spiritualität  als ein Wesensmerkmal des Menschseins erkannten.

Leonid Andreev, ein berühmter russischer Dramatiker, erinnerte sich, dass Tolstoi oft seine Verbundenheit zu den Chinesen und den Hindus betonte: „Ein fortwährender Austausch und Treffen mit den besten Vertretern dieser Nationen stärkte seine Überzeugung dass ex oriente-lux.“ [Latein: „Licht kommt aus dem Osten“] Tolstoi schreibt: „Ich war immer sehr am Leben der Chinesen interessiert, vor allem an chinesischer Religion und Weisheit – Bücher von Konfuzius und Laotse.“

Der berühmte russische Autor erinnerte sich, dass Tolstoi in einer Unterhaltung über Dostojewski einst sagte: „Er würde sehr davon profitieren, wenn er die Lehren des Konfuzius oder der Buddhisten lernen würde, das würde ihn beruhigen. Das ist das wichtigste, das jeder wissen sollte.“

Über die Wiedergeburt

„Wir haben zweifelsohne bereits vor diesem Leben existiert, auch wenn wir die Erinnerung daran verloren haben“ schrieb der junge Tolstoi in seinem Roman „Familienglück“. 50 Jahre später besann er sich dieser Worte: „Sanfte Gefühle und Begeisterung, die wir während der Betrachtung der Natur erfahren, sind Erinnerungen an die Zeit, als wir Tiere, Bäume, Blumen, die Erde waren.“

Der russische Romanautor Ivan Turgenjew erinnerte sich, wie Tolstoi  einen bedauernswerten alten Wallach tätschelte und dabei sagte, dass er seiner Meinung nach Gefühle und einen denkenden Geist habe: „Ich sagte ihm: ‚Hör zu, Leo Nikolayevich, du musst zu irgendeiner Zeit ein Pferd gewesen sein. Kannst du das innere Wesen eines Pferdes beschreiben?‘ Tolstoi nahm die Herausforderung an und schrieb „Die Geschichte eines Pferdes“. Nachdem er das Buch gelesen hatte rief Turgenjew ‚Jetzt bin ich vollends davon überzeugt, dass du ein Pferd warst“‚.

In seinen „Erinnerungen“ schrieb Tolstoi folgendes: „Es ist nur ein kleiner Schritt zwischen einem fünf Jahre alten Kind und mir. Zwischen einem Neugeborenen und einem Fünfjährigen liegt eine erschreckende Distanz. Zwischen einem Embryo und einem Neugeborenen  liegt ein Abgrund. Aber zwischen der Nichtexistenz und dem Embryo liegt nicht mehr ein Abgrund sondern die Unbegreiflichkeit.“

Tolstois Denken geht noch tiefer: „Nicht nur Raum und Zeit und Vernunft bilden die Form des Denkens, und die Essenz des Lebens liegt hinter diesen Formen, aber unser ganzes Leben entfaltet sich in Übereinstimmung mit diesen Formen und dann wieder in der Befreiung von ihnen.“

Das Thema des Kreislaufs von Leben und Tod faszinierten ihn während seines ganzen Schaffens. In den Tagebüchern der letzten Jahre seines Lebens schrieb er: „Während ich spazieren ging, konnte ich das Leben der Kälber, Schafe, Maulwürfe ganz deutlich fühlen. Die Menschen entstammen ihnen. Und all das geschieht seit einer unendlichen Anzahl von Jahren und es wird in der Zukunft noch für eine unendliche Anzahl von Jahren so weitergehen. Und es wird in Afrika, in Indien, in Australien und in jeder Region der Erde so weitergehen. Aber es gibt tausende, Millionen solcher Planeten. Und wenn man das alles ganz klar begreift, werden alle Spekulationen über die Großartigkeit alles Menschlichen…so lächerlich.“

Für Tolstoi war die Menschheit winzig, ärmlich. Später argumentierte er, dass unabhängig davon, ob der Mensch „höher als andere scheint,  nach unten es eine unendliche Anzahl niedrigerer Kreaturen gibt, die wir kaum kennen, so muss es über uns ebenfalls eine unendliche Anzahl an Wesen geben, die wir nicht kennen.“

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