Die Köche des spanischen Restaurants El Bulli an der Costa Brava bereiten die letzten Menüs vor. El Bulli hat seine Türen geschlossen. Jetzt gibt es seine Menüs vorerst nur noch im Kino zu sehen.Foto: Josep Lago/AFP

Hinter den Kulissen von El Bullis Meisterküche

Von 5. September 2011 Aktualisiert: 5. September 2011 10:43
Der Dokumentarfilm „El Bulli - Cooking in Progress" des deutschen Filmemachers Gereon Wetzel über den Meisterkoch Ferran Adriàs und sein Restaurant zeigt die Vielfalt seiner Küchenkreationen mit Hilfe der Molekularküche. Ab 15. September 2011 im Kino.

Im Vergleich zu einem Tisch bei Meisterkoch Ferran Adriàs Restaurant „El Bulli“  ist eine Reservierung bei Nobu so, als würde man an einem Ecktisch bei White Castle (älteste Fastfood-Kette in den USA) Vorlieb nehmen. Pro Saison bekommen hier nur etwa 8.000 Personen einen Platz. In der gesamten Wintersaison ist das Restaurant geschlossen, um ein völlig neues Menü exklusiver kulinarischer Kreationen zu entwickeln.

Da das gefeierte katalanische Restaurant seine Türen bereits dauerhaft geschlossen hat, werden sich die abenteuerlustigen Genießer stattdessen für das Mahl, das in der Dokumentation des deutschen Filmemachers „El Bulli – Cooking in Progress“ entwickelt wurde, entscheiden müssen.

Dabei wird nicht auf die alten erfolgreichen Kreationen des El Bulli zurückgegriffen. Adrià lässt alle Menüs der vorhergehenden Saison, aufgebaut in 30 aufeinanderfolgende Gänge, hinter sich, und beginnt von vorne. Die einzige Richtlinie von El Bulli ist Originalität mit einer Vorliebe für Zutaten, die in einem völlig neuen Kontext verwendet werden.

Trotzdem verhalten sich Adrià und seine Mitarbeiter nicht wie Köche, die wild auf eine Küche losgelassen werden. Sie gleichen eher einem Team von forschenden Wissenschaftlern, die streng kontrollierte Laborexperimente durchführen.

Offen gesagt könnte „El Bulli – Cooking in Progress ein bisschen Unordnung vertragen. Außer einem harschen verbalen Rüffel (der reichlich unberechtigt wirkt), findet man im ganzen Film nur wenig Drama.

Stattdessen beobachtet das Publikum ruhig, wie das Team still jeden Gang verfeinert. Auch wenn Gereons beobachtender Stil eine Bewunderung für Adriàs methodisches Vorgehen hervorruft, lässt dies den Zuschauer eher kalt.

Tatsächlich ist es eher schwierig, sich auf Adriàs Persönlichkeit einen Reim zu machen, besonders für seine getreue Leutnants Oriol Castro und Eduard Xatrach, die zu Adrià in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis stehen.

Auch kulinarische Laien werden davon beeindruckt sein, zu sehen, was aus den rohen Zutaten gezaubert wird. Dabei fängt der Kameramann Josef Mayerhofer wunderbar die Eleganz des bemerkenswerten Restaurants an der Küste und dessen kunstvolle Küche ein.

„El Bulli – Cooking in Progress“ ist ein Film über das Kochen in seiner reinsten Form. Hardcore Food Network-Zuschauer werden wahrscheinlich davon begeistert sein, aber diejenigen ohne ein ernsthaftes kulinarisches Interesse, einschließlich erfahrener Dokumentationsfreunde, könnten El Bulli als etwas nüchtern und langsam empfinden. Aber für das eigentliche Zielpublikum wird es ein faszinierender Einblick in die Arbeit eines gefeierten Restaurants sein, an das man sich bald mit sagenhaften Begriffen erinnern wird.

 

Empfehlung: 3 von 5 Sternen

 

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