Licht- und Schattenseiten eines Weltstars

Epoch Times14. Mai 2010 Aktualisiert: 14. Mai 2010 9:03
Erinnerung an eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Populärmusik

Frank Sinatra starb am 14. Mai 1998. Seine Musik ist weltberühmt. Mit 700 – 800 Millionen verkauften Schallplatten auf allen Kontinenten, 18 Grammys und 4 Emmys für musikalische Fernsehshows gehört Sinatra zu den bekanntesten Musikern des 20. Jahrhunderts. Dabei hatte er nie eine professionelle Gesangsstunde genommen und konnte nur bedingt Noten lesen, wie er selbst zugab.

Geboren als Kind italienischer Einwanderer, ging es ihm in der Kindheit, verglichen zu anderen Familien gleicher Herkunft, relativ gut. Sein Vater stammte aus Palermo in Sizilien und seine Mutter aus Lumarzo bei Genua. Schon als junger Teenager zog er durch die Straßen seiner Heimatstadt Hoboken in New Jersey mit einer Ukulele und einer kleinen Musikanlage mit Megaphon. Den Entschluss, Sänger zu werden, fasste Francis Albert Sinantra, der sich später Frank nannte, 1933 nach einem Konzertbesuch von Bing Crosby.

Die High School verließ der spätere weltberühmte Sänger ohne Abschluss. Er arbeitete in den schweren wirtschaftlichen Zeiten der 1930er Jahre als Sportjournalist für eine Lokalzeitung. Seine ersten öffentlichen Auftritte hatte Sinatra mit dem Quartett The Hoboken Four. Diese gewannen im September 1935 einen Talentwettbewerb der Radioshow „Major Bowes Amateur Hour“. Mit diesem Quartett ging er auf seine erste nationale Tournee. Sein erstes festes Engagement erhielt der Sänger und spätere Schauspieler in einem bekannten Musiklokal in New Jersey. In dieser Zeit hatte er auch Radioauftritte. Man sagt, dass das Radio ihm zu seinem erfolgreichen Durchbruch verholfen habe, was später eigene Shows wie „Songs by Frank Sinatra“ (1943) und „The Frank Sinatra Show“ (1945) bekundeten.

Seine erste Ehe ging Frank Sinatra mit Nancy Barbato, seiner Jugendliebe, im Jahre 1939 ein. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter, Nancy und Tina Sinatra, und der Sohn Frank Sinatra jr. hervor. Nancy Sinatra wurde eine erfolgreiche Sängerin und ist bekannt für Interpretationen von Liedern wie „As Tears Go By“. Sein Sohn wurde in späteren Jahren (1988 – 95) sein Orchesterleiter.

Im  Jahr  seiner Hochzeit wurde Frank von Harry James, dem Bandleader einer Big Band, als Leadsänger für diese Band engagiert. Die ersten Schallplattenaufnahmen Sinatras erfolgten mit James, darunter der bekannte Titel „All Or Nothing At All“, der im Jahre 1943 auf Platz eins der Charts landete und Frank Sinatra eine Karriere als Solo-Star ermöglichte. Sein allererster Nummer-1-Hit gelang dem Sänger schon früher mit „I’ll Never Smile Again“, als er 1940 für das Orchester von Tommy Dorsey sang. Es folgten mehre Konzert- und Radioauftritte. Zwei Jahre später verließ er das Orchester. Einen festen Plattenvertrag hatte Sinatra bei Columbia seit 1943 und er erstürmte in den Folgejahren die Charts. Er hatte mehrere eigene Sendungen im Radio und wurde wohl zum erfolgreichsten Sänger der USA. In den 1950ern kam sogar eine Krimi-Hörspielreihe dazu.

In den 1940ern war der Sänger auch als Schauspieler in Musicals und Komödien tätig. Für den Kurzfilm „The House I Live In“ (RKO Radio Pictures, 1945) erhielt er selbst, der Produzent Frank Ross und der Regisseur Mervyn LeRoy 1946 einen special Academy Award. Im Kurzfilm, den Sinatra selbst plante und umsetzte, hält der Sänger als Hauptdarsteller ein Plädoyer für die Gleichberechtigung von Rassen und Religionen. Wenn man bedenkt, dass die Civil Right Movements erst in den 60ern in der Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit sorgten, ein mutiges Unterfangen von einem Sänger und Entertainer. Es folgten noch zwei weitere Oscars – als bester Nebendarsteller 1954 und ein Ehren-Oscar 1971. Insgesamt spielte Frank Sinatra in über 60 Filmen.

Doch es ging nicht immer nur aufwärts für The Voice, wie er wegen seiner markanten Stimme genannt wurde. Im Frühjahr 1950 erlitt Sinatra Blutungen an den Stimmbändern. Seine erste Fernsehserie „The Frank Sinatra Show“ (1950 – 52) war in den USA ein Flop. Der Sänger verlor 1952 noch seinen Plattenvertrag bei Columbia Records und seine Filmfirma verlängerte seinen Vertrag auch nicht. Es sah nach dem Ende seiner Karriere aus. 1951 wurde seine erste Ehe geschieden. Er hatte mehrere Affären mit prominenten Frauen. Seine zweite Ehe mit Filmstar Ava Gardner hielt nur zwei Jahre, wurde aber erst 1957 geschieden.

Singender Entertainer: Frank Sinatra in Washington, wenige Monate vor seinem Todestag.Singender Entertainer: Frank Sinatra in Washington, wenige Monate vor seinem Todestag.Foto: PAUL J RICHARDS/AFP/Getty Images

1952 wollte Sinatra seine Karriere wiederbeleben, indem er sich für eine ernsthafte Rolle in dem Film „Verdammt in alle Ewigkeit“ bewarb. Der Regisseur Fred Zinnemann wollte die Rolle nicht an „Frankieboy“ vergeben. Dieser bestand aber auf den Probeaufnahmen. Gerüchten zufolge soll Sinatra die Rolle durch Mithilfe der Mafia dann doch bekommen haben. Auch später wurden Frank Sinatra Beziehungen zur Mafia-Familien nachgesagt. Beweise, dass Sinatra selbst in kriminelle Geschäfte verwickelt war, gab es keine. Sinatra erhielt 1954 für seine Arbeit in dem Film den Oscar als bester Nebendarsteller.

Es kam ein neuer Plattenvertrag mit Capitol Records zustande. Er veröffentlichte beliebte Alben wie „Come Fly With Me“ und „Sinatra Sings For Only The Lonely“. Mit vier Filmen pro Jahr wurde er auch als Schauspieler bekannter und konnte auf den Bühnen von Las Vegas in Nevada auftreten. Er war auch wieder öfter im Fernsehen zu sehen. Damit gelang dem Sänger ein beeindruckendes Comeback. Er war nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Filmproduzent und Regisseur tätig. 1960 gründete er seine eigene Plattenfirma Reprise Records, da er mit den Bedingungen bei Capitol unzufrieden war. Drei Jahre später verkaufte er diese an die Warner Music Group. Diese gewährte ihm die volle Entscheidungsgewalt über eigene Projekte. Bei der Präsidentschaftswahl von John F. Kennedy hatte Sinatra eine Interpretation des Songs „High Hopes“ als Wahlkampfsong beigesteuert. Außerdem soll er Kontakte zu der Mafia von Chicago und deren Boss Sam Giancana benutzt haben, um die entscheidenden Wahlen von Kennedy in West Virginia zugunsten des späteren Präsidenten zu beeinflussen. Es ist auch sicher, dass der Sänger ein Teil seines Einkommens in den Glücksspielmetropolen Las Vegas und Lake Tahoe anlegte. Daraufhin wurde ihm die Lizenz entzogen, eigene Casinos betreiben zu dürfen. Diese hat man ihm Anfang der 1980er wieder erteilt, da es keine gesicherten Beweise über illegale Verwicklungen gab. Obwohl Sinatra selbst lebenslang Mitglied der Demokratischen Partei war, unterstützte er in den 1970ern vor allem republikanische Politiker – darunter auch Ronald Reagan.

Den größten musikalischen und kommerziellen Erfolg gelang Sinatra mit „Strangers in the Night“ 1966, einer Komposition unter dem Arbeitstitel „Beddy-Bye“ von Bert Kaempfert, der Jahre seinen Ansprüchen hinterher rennen musste, bis er schließlich sein Recht auf die ihm zustehenden Tantiemen bekam. Sinatra mochte den Song nicht. Sein Kommentar: The worst f… song I ever heard“. Er sang ihn, weil das zahlende Publikum es wollte. In der gleichen Zeit erhielt er noch einen Grammy für die Alben „September Of My Years“ und „A Man And His Music“. Sein Song „My Way“, den er Ende 1968 aufnahm, war eine englischsprachige Adaption des französischen Chansons „Comme D´Habitude“ (wie gewohnt).

Schon 1971 wollte Sinatra seinen Abschied von der Bühne nehmen. Zwei Jahre später reute es ihn und er stieg wieder auf die Bretter der Welt und sang bis in die 1990er Jahre. Er produzierte auch wieder Schallplatten, wobei meist Don Costa Regie führte, den er schon aus 1960ern kannte. Seine letzten Konzerte in Europa waren 1993 – fünf davon in Deutschland. Sein letztes öffentliches Konzert war Ende 1994 auf heimischem Boden in Atlantic City. Seit der Wiederaufnahme seiner Karriere hatte Sinatra alle Kontinente bereist und nicht nur bekannte Hits interpretiert, sondern auch neue Aufnahmen getätigt, wie die 1977 entstandene „Theme from New York, New York“, die heute weltbekannt ist. „Frankieboy“ stellte Rekorde auf – wie z.B. die heute noch gültigen Zuschauerrekorde der Carnegie Hall in New York.

Nach seiner Trennung vom Filmstar Ava Gardner und einer kurzen Verlobung mit der Tänzerin Juliet Prowse (1962) heiratete er 1966 Mia Farrow, eine sehr junge Schauspielerin. Die Ehe hielt nur zwei Jahre. Sein privates Glück fand der Sänger erst 1976 in der Ehe mit Barbara Marx, die zuvor mit Zeppo Marx (zeitweise Mitglied der Marx Brothers) verheiratet war. Sinatra hatte wohl auch mit Alkoholproblemen zu kämpfen. Seinen Auftritten in Las Vegas wird nachgesagt, dass er elegant gekleidet mit dem Whiskeyglas in der einen und dem Mikrofon in der anderen Hand auf der Bühne erschien. Bei den Auftritten mit seinen Freunden Sammy Davis, Dean Martin, Joey Bishop und Peter Lawford im legendären Sands, Hotel und Casino in Las Vegas, soll es nicht selten zu Saufgelagen gekommen sein. Die erwähnten Sänger und Entertainer bezeichneten ihre Shows als The Summit („Das Gipfeltreffen“). Später wurden diese als The Rat Pack („Das Rattenpack“) bezeichnet.

Den letzten Bühnenauftritt hatte Sinatra bei einer Gala zu seinem 80.Geburtstag, am 19. November 1995.  Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Frankieboy in Beverly Hills. Dort war auch sein letzter öffentlicher Auftritt im Oktober 1996 bei einer Benefiz-Veranstaltung. Insgesamt ergibt die Summe aller Spenden und Einnahmen bei  Benefiz-Veranstaltungen, an denen Sinatra teilnahm, schätzungsweise über eine Milliarde Dollar. In den 1960er Jahren unterstützte Sinatra die Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King. Er organisierte eigens eine Welttournee (1962) zugunsten mehrerer Kinderhilfsprojekte. Er unterstützte die Jugendarbeit in Israel und dem Westjordanland. In Nazareth steht heute noch ein 1964 gegründetes Erziehungsheim für jüdische und arabische Waisenkinder. Er gründete später das Frank Sinatra International Student Center an der hebräischen Universität Jerusalem. Da der weltbekannte Sänger oft und regelmäßig für wohltätige Zwecke auftrat, erhielt er die höchsten zivilen Orden der USA – die Freiheitsmedaille des Präsidenten und die Goldmedaille des Kongresses.

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Selbst nach seinem Tod brach Sinatra noch Rekorde. Das Palladium-Theatre in London, wo 1950 das erste Konzert von The Voice in England stattfand, verkaufte schon vor der offiziellen Eröffnung im März 2006 für mehr als 1,5 Millionen Pfund Tickets für eine Multimedia-Sinatra-Konzertshow. Schon lange vor den Beatles und Elvis Presley in den 40ern bewirkte Frank Sinatra 1944 als erster eine Massenhysterie unter dem vor allem jungen weiblichen Publikum im New Yorker Paramount Theatre. Tausende von Mädels fielen in Ohnmacht oder gerieten in ekstatische Verzückung. Frankieboy orientierte sich an klassischen Vorbildern wie Enrico Caruso und Franz Schubert, beschäftigte sich aber auch mit neuen Wegen der Improvisation. Dabei hatte er mit Musikern zu tun wie Spike Jones, mit dem er einige Aufnahmen für das Radio machte, aber auch Stan Kenton mit seinem „Innovations Orchestra“. Dionne Warwick sagte einmal über Frankieboy: „Er könnte den Menschen das Telefonbuch vorsingen, und es würde ihnen immer noch gefallen.“ Frankieboy wurde mit dem Fade out seines ungeliebten Kassenschlagers „Strangers in  the Night“ von einem Graffitikünstler an der Wand einer New Yorker U-Bahn-Station postmortem unter die Philosophen gereiht:

Be to be being – Sokrates [nach Platon]

To be or not to be – Shakespeare [Zeile aus „Hamlet“]

Doo-bee-doo-bee-doo… – SINATRA

Es gibt einen Film aus dem Jahre 2005: Sinatra – Star der Mafia oder Das Doppelleben des Frank Sinatra. (Originaltitel: Sinatra: Dark Star), der im Oktober 2006 erstmals in Deutschland ausgestrahlt wurde, aber es gibt keinen Film über sein soziales Engagement. Anscheinend gehen die Filmproduzenten davon aus, dass die dunklere Seite seines Lebens mehr Menschen faszinieren würde und mehr Geld aus ihren Taschen lockt. (au)

Foto: AFP/Getty Images

 

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