Segel „gegen den Strom“ setzen

Titelbild
Foto: Danube Music Festival

Musik ist die gemeinsame Sprache auf einem Schiff, das auf dem europäischen Fluss Donau segelt. An Bord werden 68 virtuose Musiker aus 15 Ländern gemeinsam die authentischen musikalischen Traditionen der Balkan-Halbinsel feiern.

Dieses Jahr ist das einzigartige europäische Projekt „Against the Stream“ [zu deutsch: Gegen den Strom] vom 20. März bis zum 1. April auf seiner zweite Reise über die historische Donau unterwegs. Die bulgarische Filmregisseurin und Initiatorin des Experiments Zlatina Rousseva lädt jeden dazu ein, an diesem magischen Trip teilzunehmen und durch deren Musik mit dem lebendigen Gedächtnis der Donau-Länder in Kontakt zu treten.

Die Idee zu dem Festival kam 2002 ins Leben, erklärt Zlatina Rousseva.

„Wir fragten uns was passieren würde, wenn wir ein Schiff den Fluss runterfahren ließen und etwas wie ein „Boot der Künste“ machen würden. Es war wie ein Scherz oder eine Fantasie aber es war irgendwo tief in meinem Bewusstsein. Für eine lange Zeit schenkte ich dem keine Aufmerksamkeit, da ich wusste es wäre sehr schwer zu verwirklichen und ein ziemlich teures Unternehmen.“

Aber 2006 riskierte sie es die Vision zur Realität zu machen – sie versammelte Musiker von Länder, die an den Fluss Donau grenzten. Sie spürte, dass was auf dem Boot passieren würde, die Kultur jedes der Länder berühren wird.

Aber es gibt noch einen anderen Grund für das Festival: „Ich lebe in Westeuropa, in Belgien und ich finde das authentische Musik hier seit langer Zeit verschwunden ist. Gleichzeitig sehe ich, dass die Länder der Balkan-Halbinsel eine Art Reserve für erfindungsreiche Musik sind und einen recht verschiedenen Klang haben.“

Zlatina Rousseva bedauert, dass die Geschwindigkeit des stufenweisen Verschwindens von dieser Art originaler Musik sich beschleunigt habe. Einer der Gründe sei, das Verwelken der natürlich Umgebung, mit ihren Bewunderern. Erstens die industrielle Revolution und dass die Globalisierung die massive Änderungen für den Klang von authentische Musik mit sich brachte, sodass sie über die Zeit ihre Kontinuität und ihren Lebensraum verloren hat.

„Deshalb haben wir dieses Festival kreiert –  um die authentische Musik in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen. Die Musik, die in den Westen exportiert wird ist normalerweise an das westliche Ohr angepasst, ein Ohr welches nicht an die komplexen Rhythmen bulgarischer Folklore gewöhnt ist. Ich habe bewusst vermieden Orchester einzuladen, die in Europa als „Balkanmusik“ bekannt sind.“

Musiker aus 15 Ländern nehmen an dem zweiten Donau Musikfestival teil.Musiker aus 15 Ländern nehmen an dem zweiten Donau Musikfestival teil.Foto: Danube Music Festival

Auf der Suche nach traditioneller Musik

Rousseva suchte zwei Typen von Musikern für das Festival aus: Musiker die während des Prozess der Institutionalisierung der traditionellen Musik ohne Anerkennung blieben. In dieser Zeit waren sie diejenigen die auf Hochzeiten und anderen Feiern spielten und die die improvisierten und lebendigen Merkmale der Musik bewahrten.

Die andere Gruppe beinhaltete jene aus dem Feld der klassischen Musik, die mit der traditionellen Musik und Jazz zu tun hatten: Misirly Ahmed (Türkei), einer der besten Darbuka-Spieler des östlichen und mediterranen Gebiet; Mihali Dresch (Ungarn) und sein Quartett, einer der originalsten Jazzmusiker; Theodossii Spassov (Bulgarien), einer der besten Flötenspieler in Europa; Feruz Mustafov (Mazedonien), der König der Zigeunerorchester; Carlos Nuñez (Spanien); und viele andere große Musiker.

„Wir haben versucht, die Beziehung zwischen traditioneller Musik und modernen Trends zu finden. Deshalb kann Musik wie diese nicht so leicht irgendwo anders gefunden werden. Wir haben eine lange Zeit gebraucht, um die Stücke auszuwählen und wir waren sehr achtsam. Wir haben nur jene Musiker ausgesucht, die das archaische Repertoire, die alten Melodien und die originalen Interpretation beibehalten haben. Das macht dieses Festival sehr einzigartig.“

Authentische Zigeunermusik wird auch präsent sein: die unverkennbare Stimme der ungarischen Sängerin Monika Lakatos mit dem Romengo Project wird mit ihren bemerkenswerten Liedern durch das Boot ertönen.

Das Festival schaut außerdem nach Nordeuropa: die norwegische Künstlerin Elisabeth Vatn mit ihrem Dudelsack-Ensemble zeigt wie die Skandinavier die Balkanmusik erfassen.

 

Musik auf der Donau: Danube Music Festival 2007 – Virtuosi & Theodossi Spassov


„Elisabeth Vatn hat ein besonderes Interesse an der Balkanregion. Sie verbachte hier zehn Jahre und hat dort den Dudelsack spielen gelernt. Ihr Orchester ist wirklich hochklassig und besitzt einen eigentümlichen und besonderen Klang.“

Die Dudelsacktradition aus anderen Ländern ist ebenso vertreten: der Spanier Carlos Nuñez, Ehrenmitglied der mit dem Grammy Award ausgezeichneten Gruppe Chieftains, wird keltische Musik der Iren, Schotten und Bretonen spielen, aber mit einer spanischen Passion.

„Carlos Nuñez führt die Tradition des Dudelsacks die wir in Spanien, Irland und Schottland finden, weiter. Wir haben dieses Element hinzugefügt um zu sehen wie der Dudelsack gereist ist und in verschiedenen europäischen Kulturen wahrgenommen worden ist.“

Ein weiteres Feature des Festivals ist ein gemeinsames Projekt bei dem alle Musiker auf dem Boot zusammen in einer Jam-Session spielen werden.

„Glauben sie mir, es ist nicht einfach Musiker aus all den verschiedenen Balkanregionen an einem Platz zu versammeln, und erst gar nich sie dazu zu bewegen zusammen zu spielen,“ meint Zlatina Rousseva lachend.

Das Festival wird abgerundet durch den Auftritt von zwei afrikanischen Griots. Sie werden die Geschichten ihrer Völker in Guinea singen während sie die Kora – ein sehr spannendes 21-saitiges harfenartiges Musikinstrument – spielen. Ein Griot ist ein wandernder Musikant, der die mündliche Tradition seines Stammes weitergibt. Dieser Beruf wurde über Generationen vom Vater an den Sohn weitergegeben. Die zwei Griots werden auch an einem gemeinsamen Projekt mit den bulgarischen Jazz-Musikern teilnehmen.

Die letzte Performance schließt den ideologischen Kreis des Festivals dessen Motto in diesem Jahr „Musik – das lebendige Gedächtnis der Nationen“ lautet.

Rousseva ergänzt:  „Die Donau ist ein Thema von großem Interesse, da sie ein einzigartiger Fluss ist der die Kulturen von neun Ländern vereint. Die Donau kann als Zentrum Europas gelten und sie repräsentiert die Erinnerung daran, was für Tausende von Jahren auf dem alten Kontinent passiert ist.“

„Wenn sie untergehen, wissen sie das sie mit den besten [Musikern] untergegangen sind,“ scherzt Zlatina Rousseva.

 

Weitere Informationen über das Festival: www.danubemusicfestival.com


Originalartikel auf Englisch: Danube Music Festival Sets Sail ‚Against the Stream‘

Foto: Danube Music Festival

 



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