(Shelly Salter)

Shelly Salter erfüllt die Vergangenheit mit Leben

Von 26. November 2008 Aktualisiert: 26. November 2008 8:00

Das Kernstück eines Werkes besteht für die Malerin Shelly Salter im Erzählen einer Geschichte. Die Vergangenheit mit Lebendigkeit zu erfüllen ist ihre Leidenschaft, egal ob in Form eines Ölgemäldes oder einer Kohlezeichnung.

„Jeder Mensch hat eine eigene Lebensgeschichte zu erzählen. Jedes Gesicht spiegelt diese eigene Geschichte. Ich liebe es, Menschen zu zeichnen“, erklärt die Malerin, die derzeit in Aurora, der zweitgrößten Stadt Illinois, lebt. Vor kurzem besuchte sie ein nahe gelegenes Altenheim und lauschte den Geschichten der Bewohner. „Jede Lebensbiografie ist eine bemerkenswerte Reise.“

Salter vermarktet sich als Porträtmalerin, schätzt sich selbst jedoch als eine Illustratorin ein, die versucht, eine Geschichte zu kommunizieren. „Ursprünglich komme ich aus dem journalistischen Bereich“, so Salter. „Ich wurde im Gebiet der Medienübertragung ausgebildet.“ Noch heute schreibt sie oft in Ergänzung zu ihrer Arbeit die dazugehörende Geschichte nieder.

„Ich habe eine Zeit lang Werbesendungen verfasst, sodass ich Übung darin habe, den Kern einer Sache, die Essenz einer Geschichte ausfindig zu machen. Ich versuche, die Geschichte durch eine Zeichnung oder ein Gemälde zum Ausdruck zu bringen, und ich schreibe auch darüber.“ Ihre „Geschichten“ die viele ihrer Werke begleiten, sind nicht länger als 175 Worte.

Geschichten mit Geschichte

Vor dem Zeichnen oder Malen recherchiert Salter intensiv die Historie. Ihre Kohlezeichnung von Wyatt Earp „zeichnete sich praktisch von alleine“. Sie erzählt, dass der Ausgangspunkt zu der Zeichnung das Wiedergewinnen einer verlorenen Geschichte war. „Jeder kennt seinen Namen, aber wer weiß schon, wie er aussah? Er ist seit hundert Jahren eine Berühmtheit, doch die meisten Menschen wissen nicht, wer er wirklich war oder was seine Geschichte ist.“

Salter stieß auf einige große Geschichten. Ihre Zeichnung von zwei Jungen in altmodischer Kleidung basiert auf folgender: 1876 fuhr ein Zug während eines starken Schneesturmes in Ashtabula, Ohio über eine Eisenbrücke. Er brach durch und stürzte 22 Meter tief in einen Fluss. Sieben Personenwaggons gingen in Flammen auf, andere versanken in den Fluten oder froren binnen kürzester Zeit zu. Jeder fünfte der Zug reisenden verlor bei dem Unglück sein Leben. Die Brücke war erst wenige Wochen zuvor inspiziert worden.
Diese Art von Geschichte, wieder gewonnene und dargestellte Bruchstücke aus der Vergangenheit, sind der Grund, weshalb Salter Bibliotheken als Ausstellungsorte ihrer Werke besonders schätzt.

Der Ansporn hinter ihrer wohl bekanntesten Serie „Great Men in History“ ist ähnlich. Die Kohlezeichnungen von Einstein – Mann der Gleichungen, Lincoln – Mann der Sprache, JFK – Mann der Fragen, Martin Luther King Jr. – Mann der Träume und andere sind einfühlsame Porträts, die wiederum eine Geschichte erzählen.

In ihrem Porträt von Lincoln wollte sie beispielsweise zeigen, welche Arbeit in seine Reden floss und projizierte Manuskripte seiner Reden mit durchgestrichenen Korrekturen und Anmerkungen in den Hintergrund des Porträts.

Alten Meistern auf der Spur

Dem Rat der alten Meister folgend beginnt Salter ihren Tag, jeden Tag, mit dem Zeichnen. Es ist eine Art Aufwärmen für das Malen. „Wenn du nicht zeichnen kannst, dann kannst du auch nicht Malen.“

Neben der Kohlezeichnung hat sich Salter in zwei alten Maltechniken spezialisiert. Bei der Alla Prima-Technik wird die Farbe in direkter Form aufgebracht (Anm. d. Untermalung und Lasur werden weggelassen) und Salter verwendet diese Technik, um die Gemälde mehr aus dem Leben gegriffen und weniger wie eine Photographie erscheinen zu lassen. „Aus der Nähe sieht der Betrachter viele dicke bunte Farbkleckse“, so ihre Webseite.

Die Technique Mixte studierte sie bei Patrick Betaudier in Frankreich. Diese Technik wurde von Meistern aus der Renaissance wie Caravaggio und Jan Van Eyck verwendet und fordert eine Sorgfalt, die in der heutigen Zeit selten aufzufinden ist.

Zunächst wird das Leinen bespannt und dann mit einer Grundierung (Gesso) bearbeitet. Die Grundierung muss mehrfach geschmirgelt und aufgetragen werden, bis sie geschmeidig ist. Auf diese Oberfläche wird anschließend die Zeichnung aufgetragen. Erst wenn die Zeichnung perfektioniert ist, beginnt sie mit dem eigentlichen Malen. Das Gemälde wird mit einer Reihe von Schichten von Öl und Bindemittel vollendet, die nacheinander über der Zeichnung aufgebracht werden. Durch diese Technik sollen die Objekte des Gemäldes wie von einer inneren Quelle beleuchtet erscheinen.

Ihr Gemälde Demeter wurde mit der Technique Mixte gemalt. Sie könne jederzeit aus dem Gemälde hervorspringen, mag man denken, so lebendig wirkt die Haut der dargestellten Göttin.

Das Gemälde enthüllt eine weitere Passion Salters, die der Umwelt gilt. Ihre Webseite gibt hierzu und zu der Darstellung der griechischen Mythen nähere Auskunft: „Demeter ist erzürnt über hormonell wirkende Pestizide, die unsere Ressourcen an Nahrung und Wasser vergiften, unsere Körper verwüsten und die globale Erwärmung vorantreiben.“ Inwiefern Salters dringende Besorgnis für die Umwelt ihre Wurzeln in ihrer Liebe zur Geschichte hat? In der Vergangenheit liege eine Schönheit und Reinheit, deren Rückkehr Salter eines Tages zu sehen erhofft.

Erschienen in The Epoch Times Deutschalnd Nr. 47/08

(Shelly Salter)
(Shelly Salter)

 

 



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion