Das "Ukulele Orchestra of Great Britain" spielt ...Foto: Ukulele Orchestra of Great Britain

„The Ukulele Orchestra of Great Britain“

Epoch Times3. Januar 2012 Aktualisiert: 3. Januar 2012 16:41
Am Anfang war es ein Jux, heute ist die britische Ausnahme-Band „The Ukulele Orchestra of Great Britain“ eine international beliebte Institution zwischen E- und U-Musik.

Nach einem Mission Statement wurden sie schon öfter gefragt. Vielleicht bringt es am ehesten der Stoßseufzer von Sopran-Ukulelist David Suich auf den Punkt. Nach einem Berliner Auftritt äußerte er neulich erschöpft aber glücklich: „Ist das nicht schön, den Leuten ein bisschen Fröhlichkeit zu bringen?“ Eine weitere häufig gestellte Frage ist: „Wie wird der Name des Instrumentes ausgesprochen?“  Die englische Antwort: „Yoo-koo-ley-lee.“

Gitarren gibt’s hier nicht

„The Ukulele Orchestra of Great Britain“, abgekürzt „The Ukes“, ist ein Ensemble aus acht Persönlichkeiten, die ihre Instrumente und der Spaß daran so sehr zusammengeschweißt hat, dass sie seit 20 Jahren in derselben Formation spielen. Unglaublich, wenn man die Halbwertzeit mancher moderner Ehe bedenkt. Doch was ist, bitte, nun der Unterschied zur Gitarre? Die Ukulele hat vier statt sechs Saiten und eine andere Stimmung und selbstverständlich benutzt niemand im Ukulele Orchestra „das böse G-Wort“.

... seit fast zwanzig Jahren in der gleichen Formation.… seit fast zwanzig Jahren in der gleichen Formation.Foto: Ukulele Orchestra of Great Britain

In London fing alles an

Als die Ukes 1985 starteten, war die Ukulele praktisch unbekannt. Die Musiker mussten ihr Publikum erst einmal überzeugen. Meistens waren dies Londoner Kneipenbesucher, die vorbeischauten, wo was los war. Indem sie auf einem unterschätzten Miniatur-Instrument Dinge anstellten, die vorher noch niemand gemacht hatte, wurden sie mit der Zeit immer erfolgreicher. Die Popularisierung des Internets und Youtube ebneten ihnen dann den Weg zur Weltkarriere. Der Name „Ukulele Orchestra of Great Britain“ (einst eine Erfindung von Kitty Lux, der stoischen Dame mit der Witwe-Bolte-Schleife) klingt, als hätten sie all das geplant.

Humor ist die Hauptzutat ihrer Konzerte, serviert auf einer Grundlage von musikalischer Perfektion und Virtuosität, die ihresgleichen sucht. Der Klang der Ukes ist harfenartig zupfend und reicht bis ins gitarresk Schrammelnde. Ihr Sound entstand auf  einem langen experimentellen Weg und wird durch die Bass-Ukulele (eine viersaitige Bassgitarre in Ukulelen-Stimmung) abgerundet. Ihr Spieler, Jonty Bankes, pflegt sie als „Instrument der Zukunft“ vorzustellen – Widerstand zwecklos.

Nichts ist vor ihnen sicher

Ihre Moderationen dienen der heiteren Desinformation des Publikums. Denn das Repertoire der Ukes lässt sich auf die Formel bringen: Sie spielen einfach was sie wollen. Und kein Musikstück ist vor ihnen sicher. Sie haben äquivalente Ukulelen-Klänge entwickelt, um Werke von Nirvana, ACDC, SaintSaëns und Beethoven zur Aufführung zu bringen. Auch Ennio Morricone, Blues und unbekannte Freejazznummern mussten daran glauben. Wirklich gute Kompositionen erkennt man ihrer Meinung nach daran, dass sie auch auf der Ukulele gut klingen.

Ähnlichkeiten mit anderen Liedern sind beabsichtigt

Eine besondere Spezialität der Ukes sind ihre Medleys, in denen sie vier und mehr verschiedene Songs zeitversetzt gemeinsam singen. Die vokalen Starqualitäten jedes einzelnen Bandmitglieds machen dies möglich. Überhaupt gewinnen sie allem, was sie spielen, völlig neue Sichtweisen ab. Und auch darauf, dass sie all das ernst meinen, muss man gefasst sein.

Die Ukes in der Royal Albert Hall London, wo sie 2009 ihr Debut bei den BBC-Proms gaben.Die Ukes in der Royal Albert Hall London, wo sie 2009 ihr Debut bei den BBC-Proms gaben.Foto: Ukulele Orchestra of Great Britain

George Hinchliffe ist ein Gründungsmitglied der Gruppe und der Einzige, für den die Ukulele das erste Instrument war (er begann mit acht Jahren eine „Uke“ zu spielen, die sein Vater zufällig geschenkt bekommen hatte). Heute hat der gesetzte Gentleman meist die dicken Solos und die Anmoderation inne. Und doch ist er weit davon entfernt, seine Kollegen zu übertönen.

Das Erfolgsrezept der Ukes beschreibt er so: „Wir sagen zum Publikum: Guten Tag, hier sind wir und das machen wir. Sie sind herzlich willkommen, dabei zu sein. Aber selbstverständlich werden wir Sie nicht dazu zwingen …“

Harmonie in der Anarchie

„Menschen sind ja so unterschiedlich“, sagt Hinchliffe, „jeder hat eigene Ideen davon, was er mag oder nicht. Da kommt es manchmal schon bei zwei oder drei Leuten zum Krach. Ich schätze, unser großer Erfolg liegt daran, dass wir uns im Ukulele Orchestra eher auf Dinge konzentrieren, die die Leute mögen werden, als auf das, was Streit verursacht.“

Zu diesem alternativen musikalischen Lebensentwurf passt genau, dass die Ukes gerne „Anarchy in the UK“ von den Sex Pistols spielen. Fast scheint es ihre heimliche Hymne sein. Bei ihrem Londoner Proms-Debut in der Royal Albert Hall 2009, sangen sie es sogar gemeinsam mit 6000 Zuhörern. Dieses Konzert wurde auf DVD verewigt.

„Das Interessante ist ja, dass die meisten Menschen Anarchie mit Zerstörung assoziieren. Dabei gibt es verschiedene Anarchie-Konzepte. Eines besteht zum Beispiel gerade nicht darin, dass jeder tut was er will, sondern, dass man sich gegenseitig hilft“, sagt George Hinchliffe. „Wenn wir das  Lied auf die friedliche Lagerfeuerart singen, machen wir uns über den Fakt lustig, dass Anarchie in den meisten Gesellschaften als schwierig angesehen wird.“

The Ukulele Orchestra of Great Britain: (v.l.n.r.) Richie Williams, Jonty Bankes, Hester Goodman, George Hinchliffe, David Suich, Peter Brooke Turner, Kitty Lux und Will Grove-White.The Ukulele Orchestra of Great Britain: (v.l.n.r.) Richie Williams, Jonty Bankes, Hester Goodman, George Hinchliffe, David Suich, Peter Brooke Turner, Kitty Lux und Will Grove-White.Foto: Ukulele Orchestra of Great Britain

Ein uraltes Kunstverständnis

Natürlich schwimmen die Ukes mit ihrer Rückbesinnung auf die einfachen Dinge des Lebens und der Kunst gegen den Strom der modernen Musikwelt. „Vor hundert Jahren waren die Menschen in diesem Punkt noch sensibler“, sagt Hinchliffe: „Wenn nur einer sang oder Klavier spielte, konnte es schon die wundervollste und lebensverändernde Erfahrung sein. Heutzutage fallen viele Menschen, die den Feinheiten der Kunst wenig Bedeutung beimessen, leicht darauf herein, dass etwas, um künstlerisch und gut zu sein, ein außergewöhnliches Spektakel mit viel Geld und Spezialeffekten sein muss. Ich denke, es ist möglich, etwas sehr Subtiles und Komplexes mit einfachsten Mitteln zu erzählen.“

 

Im Januar und Februar 2012 tourt das Ukulele Orchestra durch Deutschland. Es wird u.a. in der Hamburger Laeiszhalle, dem Münchner Prinzregententheater, dem Konzerthaus Dortmund, der Tonhalle Düsseldorf und an vielen weiteren Orten auftreten. Es lohnt sich, den Tourneeplan auf der Website zu überprüfen. Auch CDs  und DVDs werden dort exklusiv vertrieben.

www.ukuleleorchestra.com

 



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