Was es bedeutet ein Mann zu sein

Von 17. August 2019 Aktualisiert: 26. August 2019 21:57
Was hat es mit dem "Mann sein" auf sich? Jahrtausendelang war die Geschlechterrolle unangefochten: der Mann war das Familienoberhaupt. Doch mit dem Trend "Female Shift" scheint es mit diesem Rollenbild zu Ende zu gehen. Doch ist "Männlichkeit" obsolet?

„Traditionelle Männlichkeit“ wurde kürzlich von der „American Psychological Association“ (APA) – ein nordamerikanischer Fachverband für Psychologie – als „gefährlich“ eingestuft. „Emotionaler Stoizismus“ und „Selbstgenügsamkeit“ sind die Anklagepunkte.

Der Rasiermittelhersteller Gillette reagierte auf den APA-Bericht „Guidelines for Psychological Practice with Boys and Men“ prompt, mit einem rebellischen Werbespot. Darin wurde die traditionelle Männlichkeit als beleidigend und empathielos dargestellt.

Überbleibsel der alten Paradigmen: „Mann sein“

Das klassische Männerbild hat scheinbar ausgedient. Heute wird die Aufforderung „sei ein Mann“ nur noch dazu verwendet, um eine oberflächliche Härte zu fordern. Doch kann das eine zukunftsfähige Form von Männlichkeit sein? Ist es erstrebenswert, das Sinnbild von „Mann sein“ auf diese niedrigste Eigenschaft herabzusetzen?

Natürlich kann den heutigen Männern dafür nicht die Schuld gegeben werden. Es war die Popkultur, die aus „männlichen“ Männern auf einmal Schläger machte. Aber nicht nur die körperliche Brutalität wurde plötzlich als Unikat mit dem Männerbild gleichgestellt, nein, Männer wurden scheinbar über Nacht zu kalten und gefühllosen Partnern deklariert, die zudem nur daran interessiert waren, ihren persönlichen Vorteilen zu erlangen.

Dies führte dazu, dass Männer davon abgehalten wurden, selbst die grundlegendsten „männlichen“ Merkmale zu verkörpern. Denn sobald ein Mann seine klassische Rolle als Mann verkörpern wollte, lief er Gefahr, als „harter Kerl“ angeklagt zu werden.

Von der historischen Betrachtung aus gesehen, wirkt es so, als habe die Popkultur hier ein cleveres Spiel getrieben. Männern die Männlichkeit zu nehmen, indem das „Mann sein“ in seiner primitivsten Ebenen dargestellt wird, um es dann zu verurteilen.

Männer auf der Suche nach Identität

Der Blick auf die Evolution der Geschlechterrollen zeigt, dass jede neue gesellschaftliche Entwicklung eine Diskussion der gesellschaftlichen Praxis in Bezug auf Geschlechterdifferenzen und Rollenzuweisungen hervorbrachte.

Fernab von den teilweise haarsträubenden populär-wissenschaftlichen „Aufbereitungen“ der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, lohnt es sich vielleicht darüber nachzudenken, ob dem klassischen Konzept von „Mann sein“ vielleicht doch eine Chance gegeben werden sollte.

Und so verlief die Erziehung bei mir: Mir wurde beigebracht, dass ein Mann zu sein, bedeutet, ein Anführer zu sein. Diese führende Rolle in der Beziehung ist jedoch geprägt von Tugendhaftigkeit. Denn wer ein guter Anführer sein möchte, muss viel Tugend in seinem Herzen tragen. Dieser Weg erfordert die eigenen Interessen um der anderen willen zu opfern. Es bedeutet auch auf die in deiner Obhut befindlichen Menschen Rücksicht zu nehmen und bereit zu sein, in wichtigen Momenten Entscheidungen zu treffen. Für mich beruht selbst die Vorstellung „hart zu sein“ auf diesem tiefen Prinzip der Selbstdisziplin und Tugendhaftigkeit.

Damals, als ich ein junger Mann war, also in meinen Teenagerjahren, hatte ich das Glück, einen guten Mentor zu haben. Zu jener Zeit habe ich mich über die kleinsten Schwierigkeiten aufgeregt und dafür gesorgt, dass jeder davon wusste, wenn ich ungerecht behandelt wurde.“

Mein Mentor wurde dieses Verhalten eines Tages leid und er erklärte mir den wahren Grund, warum Männer hart sein müssten. Er meinte, hart zu sein bedeute nicht das oberflächliche Bild von „Mann sein“ zu verkörpern. Die Härte eines Mannes entstünde daraus, dass dieser das höchste Maß an Rücksichtnahme leben müsse.

Der Grund, warum eine Gemeinschaft immer nach starken Männern sucht, sei, um Notsituationen sicher und gut zu überstehen. Nur Männer, die stoisch widrige Rahmenbedingungen aushalten könnten, wären in der Lage, in außergewöhnlich belastenden Situationen Sicherheit zu geben. Nur solchen Menschen wäre es möglich, als Vorbilder den Mut der Gemeinschaft zu stärken, damit sie sich der Notsituation stellt und darauf vertraut, dass die Dinge geregelt werden.

Mit anderen Worten, anstatt die Kraft anderer zu stehlen oder sein Ego zu stärken, verfeinert ein guter Mensch seine innere Kraft, um den Menschen um ihn herum zu helfen. Erst diese Eigenschaft würde aus einem Mann ein gutes Oberhaupt machen.

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Ein guter Anführer

Führungskräfte gibt es in vielen Varianten. Die Geschichte zeigt uns dafür sowohl gute als auch schlechte Beispiele. Doch auch Schlechtes kann als positive Lehre genutzt werden, indem aus Fehlern gelernt wird.

Es gab schon immer Anführer, die selbstgefällig waren, aber auch jene, die Selbstlosigkeit vorlebten. Die Geschichte erzählt von Regentschaften der  Tyrannei und des Wohlwollen. Es gab Herrscher die ihre Untertanen unter ihren Stiefeln zerquetschen wollten, und andere,  die alles versuchten um ihre Pflichten verantwortungsbewusst und mit dem Herz der Nächstenliebe zu erfüllen.

Die selben Prinzipien die ein Volk von seinem Führer verlangt, kann auch der Mann für sich nutzen. Denn im Prinzip geht es darum, wie Mann es schafft seine persönlichen Interessen hinter die Interessen der Gemeinschaft zu stellen, um damit seine Beziehung in Einklang zu bringen.

Ich glaube, dass „Männlichkeit“ aus zwei Gründen eine negativer Bedeutung zuteil wurde: Erstens seien Menschen mit politischen Interessen häufig in kommunistischen Ideen verwurzelt. Sie würden versuchen, die gesamte Autorität und jede soziale Hierarchie zu stürzen, was die grundsätzliche Zerstörung der Menschheit zur Folge hat. Der zweite Grund liege darin, dass nur noch wenige Männer verstehen, was es bedeutet, gute Anführer zu sein.“

Unabhängig davon, was „Experten“ sagen, um männliche Eigenschaften zu verteufeln, würde ich darauf wetten, dass nur wenige Frauen an Männern interessiert sind, die unentschlossen, unmotiviert und geistesschwach sind. Doch genau in diese Richtung entwickeln sich die heutigen Männer.

Daher besteht die Lösung nicht darin, die Männlichkeit ganz aufzugeben, sondern stattdessen an ihrem Charakter zu arbeiten, um die positiven Formen der Männlichkeit wieder zu verkörpern.

Philosophische Relikte der Männlichkeit

Der japanische Philosoph Yamaga Soko aus dem 17. Jahrhundert schrieb in „Der Weg des Ritters“, „Wenn ein Mann des Feuers vor Situationen des Lebens oder des Todes steht, tritt dieser auf nackte Klingen, lässt Schwerter und Speere fliegen und zeigt feste Disziplin, indem er sich den ernsten Dingen stellt und wichtige Entscheidungen trifft – all dies würde er tun ohne Beeinträchtigung in der Stimme oder im Aussehen“.

Der Gelehrte fügt hinzu: „Die zivilen und militärischen Fähigkeiten, die Welt auf diese Weise zu stabilisieren, sind in der Größe des Herzens zu finden“.

Der alte chinesische Militärtext „Wei Liaozi“ besagt zudem: „Diejenigen, die das Volk in der Antike geführt haben, stellten Höflichkeit und Treue vor Rang und Gehalt, Bescheidenheit vor Disziplin und Freundlichkeit vor Vorschriften“.

Die „Six Secret Teachings“, ein weiterer alter chinesischer Militärtext, rät den Führern: „Sei ruhig und gelassen, sanft und gemäßigt. Sei großzügig, nicht streitsüchtig, sei offenherzig und ausgeglichen. Behandle die Menschen korrekt.“

In der westlichen Tradition erklärt der altgriechische Philosoph Aristoteles in seiner „Nikomachischen Ethik“, dass Wissen nur dann wertvoll sei, wenn es für die Güte anderer genutzt werde, und dass die Grundlage guter Führung die Ausübung von Tugendhaftigkeit sei.

Das heutige Erfolgsrezept: Dunkle Eigenschaften

Die beiden kanadischen Psychologen Delroy L. Paulhus und Kevin M. Williams prägten im Jahre 2002 das Konzept „Dark Triad„.  Demzufolge würden die Persönlichkeitsmerkmale: Narzissmus, Psychopathie und Macchiavellismus, bei der Auswahl von Führungskräften vordergründig sein.

Mit anderen Worten, werden Männer, die von sich selbst besessen sind, Handlungsfolgen nicht berücksichtigen und das Leben als ein Strategiespiel betrachten. Sie werden zwar gesellschaftlich verpönt, doch beruflich zu Spitzenreitern. Ironischerweise sind es eben diese Eigenschaften, die auch das „Bad Boy“-Image definieren, das viele Frauen attraktiv finden. Somit haben diese Männer großen Erfolg in Hinsicht auf die Damenwelt.

Es scheint wirklich so, als sei das Bild vom Mann auf den Kopf gestellt. Denn eigentlich sollte es nicht darum gehen, ob Männer männliche Eigenschaften behalten oder aufgeben sollten, sondern wie sie ihre angeborene Natur verbessern können, um die positiven Aspekte der Männlichkeit zum Wohle der Gemeinschaft zu leben.

Bei „Dark Triad“ werden die Persönlichkeitstypen in ein schwarzes Licht gesetzt. Alle ihre Eigenschaften seien stets durch Egoismus genährt und würden nur den persönlichen Vorteil dienen. Doch könnten auch die Merkmale durchaus seine Vorzüge haben. Denn schließlich macht die Dosis das Gift.

So könnte auch hinter einem Narzissten ein Mann stehen, der selbstbewusst ist und an sich glaubt. Hinter einem Psychopathen – gemeint ist ein Mann, der keine Angst vor Konsequenzen hat –  könnte ein entschlossener und schnell handelnder Typ stehen. Und hinter einem macchiavellistischen Geist könnte ein Mann stehen, der Ambitionen im Leben hat, der Strategien entwickeln kann, damit große Ziele erreicht werden können.

Ich wette, dass Frauen die Männer mit diesen Eigenschaften mögen, dies tun, weil sie die potenziellen Tugenden in ihnen sehen und glauben, dass sie diese Männer von den dunklen Seiten ihres Charakters retten können.

Sein Naturell verbessern, um glücklich zu werden

Eine Frau entscheidet sich für einen Partner in erster Linie nicht wegen seines Aussehens. Vielmehr ist die Welt, die der Mann ihr zeigt, jene, für die sie sich entscheidet. Denn in einer Beziehung wird sein Leben zu ihrem Leben werden, und seine Fähigkeit, mit Schwierigkeiten umzugehen, wird ihre Zukunft bestimmen. Daher wird seine Reaktionsfähigkeit und Entscheidungsfreude zu ihrer Lebensqualität.

Natürlich, wie Aristoteles schon erklärte, kann fast alles problematisch sein, was in ein Extrem getrieben wird. Der Schlüssel liege darin, die „goldene Mitte“ zu finden. Dieser erstrebenswerte Mittelweg ist ohne Mangel oder Überfluss.

Vielleicht ist die gefährlichste Sache für die Menschheit ein gesellschaftliches Tabu, welches die natürliche Geschlechterrolle zu leben verbietet. Der Trend wird zudem von vielen Medien angetrieben: Alles wegzuwerfen und abzustoßen, was den eigentlichen inneren Bedürfnissen entspringt.

Wenn die Menschen ihrer inneren Natur nicht ins Auge sehen, kann ihre dunkle Seite zügellos nach außen dringen und ihre Tugenden sich nicht herauskristallisieren. Die Kultivierung des Charakters ist  zweifellos anstrengend, jedoch gibt es dafür auch heute noch Vorbilder. In der Vergangenheit war es wohl einfacher für Männer, gute Mentoren zu finden, da die gesellschaftliche Ethik durch hohe Maßstäbe gekennzeichnet war und Väter durch Scheidungen nicht in der Entwicklung ihrer Söhne verloren gegangen sind.

Doch wer suchet, der findet. Die Geschichte hat uns einen Reichtum an Wissen hinterlassen. Begonnen bei den Stoikern Griechenlands und Roms, bis hin zu den konfuzianischen Gelehrten Chinas und Japans. Traditionelle Kampfkünste lehren sogar heute noch Selbstbeherrschung und Disziplin. Sport lehrt noch immer Teamarbeit und Kameradschaft. Wir können uns auch dem Reichtum an Weisheit innerhalb unserer eigenen Kulturen zuwenden, indem wir uns wieder nach den Werten unserer Vorfahren ausrichten. Diese finden wir in der alten Mythologie und den klassischen Geschichten, die uns hinterlassen wurden.

Diese Lehren können uns den Weg zurück finden lassen, um ein ausgeglichenes, sinnvolles sowie von Glück gesegnetes Leben leben zu können.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

Das Original erschien in The Epoch Times (USA), deutsche Bearbeitung von rp
Originalartikel: „What It Means to Be a Man“