Vereinsamt – von Friedrich Nietzsche

Von 25. February 2018 Aktualisiert: 26. Februar 2018 9:30
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Vereinsamt

Die Krähen schrei’n

Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:

Bald wird es schnei’n –

Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

Nun stehst du starr,

Schaust rückwärts ach! wie lange schon!

Was bist du, Narr,

Vor Winters in die Welt – entflohn?

Die Welt – ein Tor

Zu tausend Wüsten stumm und kalt!

Wer Das verlor,

Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,

Zur Winter-Wanderschaft verflucht,

Dem Rauche gleich,

Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg‘, Vogel, schnarr‘

Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! –

Versteck‘ du Narr,

Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei’n

Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:

Bald wird es schnei’n –

Weh dem, der keine Heimat hat!

Friedrich Nietzsche  (1844 – 1900)

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