Gigantischer Meteoritenkrater unter Grönlandeis entdeckt

In ein bis zwei Kilometern Tiefe unterhalb des Grönlandeises befinden sich zwei kreisförmige Senken von über 30 Kilometer Durchmesser. Sie stammen aller Wahrscheinlichkeit nach von alten Einschläge zweier Meteoriten.

In der Nähe des zweiten Kraters

Am 11. Februar berichtete die Zeitschrift Geophysical Research Letters von einem neu entdeckten Einschlagkrater in Grönland. Dieser sei erst der zweite verzeichnete Fund in Grönland. Zudem befindet er sich nur 183 Kilometer vom anderen Krater des Landes entfernt, wie Wissenschaftler letztes Jahr berichteten.

Joseph MacGregor, ein Glaziologe im Goddard Space Flight Center der NASA, gehörte zu dem Team, das den ersten Krater mit der Bezeichnung Hiawatha entdeckte. Ende 2016, als die meisten Arbeiten zur Identifizierung des Hiawatha-Kraters abgeschlossen waren, war MacGregor bereits auf der Suche nach einem weiteren Krater. Dann wurde er schneller fündig, als er erwartete.

„Ich dachte: ‚Könnte es wirklich noch einen anderen geben?'“ erzählte MacGregor Live Science. „Ich stand irgendwie von meinem Schreibtisch auf und ging ein wenig durch die Gänge.“

Ein neuer Fund

Der neue Krater ist 36 km breit, was ihn zum 22. größten Einschlagkrater macht, der je auf der Erde entdeckt wurde. Außerdem ist er ein wenig größer als der Hiawatha-Krater, der 31 km breit ist. Hiawatha liegt unter etwas weniger als 1 Kilometer Eis, während der neue Krater unter 2 km begraben liegt.

Beide Krater befinden sich im Nordwesten Grönlands, einer abgelegenen und eisigen Region. Dennoch haben die Wissenschaftler bereits eine unverhältnismäßig große Menge an Informationen sammeln können.

Um die Krater zu finden, kombinierte das Forschungsteam Satellitenbilder des grönländischen Eisschildes mit Radardaten, die von Flugzeugen gesammelt wurden. Die meisten Daten stammen von den Terra- und Aqua-Satelliten der NASA und dem Luftvermessungsprogramm IceBridge der Raumfahrtagentur. Alle diese Daten sind öffentlich zugänglich.

„Jeder hätte das hier finden können“, sagte MacGregor. In der Tat, einige Amateur-Forscher haben es getan. Nachdem die Forschungsergebnisse zum Hiawatha im November 2018 veröffentlicht wurden, kontaktierten einige Mitglieder der Öffentlichkeit MacGregor, um seine Aufmerksamkeit auf den zweiten Krater zu lenken.

Wie alt ist der neu entdeckte Krater?

„Das Alter des neuen Kraters ist schwer abzuschätzen“, sagte MacGregor. „Die älteste Eisschicht, die über der Senke datiert wurde, ist etwa 79.000 Jahre alt. Aber Eis fließt, das bedeutet nicht unbedingt viel.“

Durch die Verwendung von Tiefen-Breiten-Verhältnissen der Einschlagskrater konnte das Team das Alter des Kraters anhand seiner Erosionsrate sehr grob schätzen. Die Forscher errechneten das Alter des Kraters demnach zwischen 100 Millionen und 100.000 Jahre. „Hiawatha ist wahrscheinlich jünger“, erklärte MacGregor.

Zudem sind sich die Wissenschaftler ziemlich sicher, dass der neue Krater definitiv von einem Einschlag stammt. Die einzige andere Erklärung für die neu entdeckte Depression ist, dass es sich um einen vulkanischen Caldera handelt, sagte MacGregor. Allerdings erzeugen vulkanische Gesteine magnetische Anomalien, was bei dem neuen Fund nicht der Fall ist.

Ob es weitere Krater in Grönland gibt, ist bislang unklar

Obwohl es überraschend war, die ersten Impaktkrater von Grönland so nah beieinander zu finden, ist es nicht möglich zu sagen, wie viele Einschläge es in der Region gab oder wie schnell die Krater erodieren, so MacGregor. Höchstwahrscheinlich sind Hiawatha und der neue Krater die „größten und leichtesten, die es zu finden gibt“, sagte er. Alle zusätzlichen Krater werden wahrscheinlich viel kleiner und schwieriger zu erkennen sein.

Auch fügte er hinzu, dass die Fragen über das Alter und die Formation der Krater nicht einfach zu beantworten sei. „Du musst durch 2 Kilometer Eis bohren. Und dann, je nachdem, an welchem Element der Kratergeschichte du interessiert bist, musst du vielleicht durch weitere 100 oder 200 Meter Gestein bohren“, sagte MacGregor.

Weiterhin müsse die gesamte Ausrüstung mehr als 160 Kilometer landeinwärts über das Eis transportiert werden. „Das ist eine technologische Herausforderung.“

Den Link zur PDF der Veröffentlichung finden Sie hier: A Possible Second Large Subglacial Impact Crater in Northwest Greenland

Mehr über die vermeintlichen gigantischen Meteoritenkrater im Video:

Quelle: https://www.epochtimes.de/genial/natur/gigantischer-meteoritenkrater-unter-groenlandeis-entdeckt-a2799384.html