Liu Chi Feng, Vorsitzender der Health Promotion Association (Verein zur Gesundheitsförderung) in Taiwan, demonstriert im September 2003 auf einem Anti-Aids-Seminar das System der Akupunktur am menschlichen Ohr. Laut Liu, der traditionelle chinesische Medizin praktiziert, wird das Immunsystem einer Person verstärkt, indem man die Punkte am Ohr mehrere Male am Tag drückt. (Foto: SAM YEH/AFP/Getty Images)

Chinesische Medizin

Von 5. Dezember 2006 Aktualisiert: 5. Dezember 2006 12:29
Zu allen Zeiten wollen Menschen sich wohl fühlen, gesund sein und ihre eigene Kraft spüren. Dieser Wunsch zeigt auch die Sehnsucht nach einem ganzheitlichen System und zugleich nach sanfteren Methoden und ermöglichte eine rasche, globale Verbreitung der Chinesischen Medizin. Kein zweites medizinisches System hat es geschafft, sich im Zeitalter der modernen Apparatemedizin weltweit zu etablieren.

Die Chinesische Medizin hat eine Geschichte von mehreren tausend Jahren, ihre Wurzeln lassen sich annähernd 10.000 Jahre zurückverfolgen. Sie unterscheidet sich grundlegend vom Denkansatz der heutigen westlichen Medizin. Vor langer Zeit bereits erkannten die Weisen und Philosophen des alten China durch genaue Beobachtung von Natur und Kosmos ein Prinzip der Ordnung, das auf der Existenz zweier gegensätzlicher Kräfte im Kosmos beruht. Diese beiden gegensätzlich wirkenden und doch sich ergänzenden Kräfte sind untrennbar voneinander abhängig. Sie wurden von den Weisen in Yin und Yang erkannt (Tag – Nacht, kalt – warm, Mann – Frau, Sieg – Niederlage). Ohne die Existenz des Schlechten könnte es nicht ohne das Gute geben, ohne den Hass gäbe es auch keine Liebe. Diese ursprüngliche chinesische Philosophie vertritt die Meinung, dass das Prinzip von Yin und Yang das grundlegende Gesetz des Kosmos ist. Dieses Gesetz gelte in der Natur einschließlich der menschlichen Gesellschaft. Um das näher zu beleuchten, hilft eine alte chinesische Geschichte:

„Ein Ehemann hatte eine Geliebte. Seine Ehefrau konnte das nicht verstehen, denn sie war viel schöner als die Geliebte und außerdem immer lieb und zuvorkommend zu ihrem Mann. Warum also wurde sie von ihrem Mann betrogen? Sie ging zu einem Weisen, um sich Rat zu holen. Der Weise riet ihr, sich ab sofort einen Monat lang nicht mehr zu schminken und sich für ihren Mann nicht besonders schön zu machen. Nach Ablauf dieses Monats solle sie ihn noch einmal aufsuchen. Die Frau tat alles so, wie der Weise ihr geraten hatte und nach Ablauf eines Monats besuchte sie ihn erneut. Diesmal riet er ihr: „Beginne nun, dich wieder schön zu machen und dich zu pflegen, halte aber zu Deinem Mann Distanz“. Der Ehemann hatte in diesem Monat seine Frau häufig verspottet, weil sie sich so vernachlässigt hatte. Als seine Frau sich nun wieder schminkt und schön macht, versteht er selbst nicht mehr, wie er seine attraktive Ehefrau hatte betrügen können.“

Wie konnte die Frau ihren Ehemann wieder für sich gewinnen? Nach der Yin-Yang Theorie repräsentierte die ständige Makellosigkeit der Frau nur die eine ihrer beiden Seiten. Für die Ausgewogenheit der beiden Aspekte aber bedurfte es auch des Gegensatzes, um, wie in diesem Fall, das Interesse des Mannes an seiner Frau wieder zu wecken. Keiner der beiden Aspekte kann für sich alleine existieren (Auszug aus dem Buch „Chinesische Medizin, Kompendium“ – Ost Zhou Verlag).

Fünf Elemente

Ein weiteres philosophisches Denkmodell ist die Theorie von den fünf Elementen (Wandlungsphasen), die besagt, dass alle Dinge im Kosmos aus den fünf Elementen: Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde gebildet sind und diese zueinander in unterschiedlichen Wechselbeziehungen stehen. Da der Mensch im gigantischen Universum als „kleiner Kosmos“ betrachtet wurde, übertrug man die Yin -Yang Theorie und die Lehre der fünf Wandlungsphasen auch auf den Menschen. Nach der chinesischen Medizintheorie werden alle Körperfunktionen des Menschen durch eine Art Lebensenergie (Qi) gesteuert und aufrechterhalten. Dieses Qi fließt nicht ziellos durch unseren Körper, sondern folgt dem Verlauf von ganz bestimmten Leitbahnen – den so genannten Meridianen, in denen die Kräfte von Yin und Yang in feststehender Energieflussrichtung zur Wirkung kommen.

Meridiansystem und gestörter Energiefluss

Gerät das Kräfteverhältnis zwischen Yin und Yang aus dem Gleichgewicht, so kann dies im Meridiansystem zu erheblichen Störungen des Energieflusses führen, wodurch es in bestimmten Organen oder Körpersystemen zu einem Qi-Mangel, beziehungsweise zu einem Übermaß an Qi kommen kann. Dieses Übermaß beziehungsweise dieser Mangel an Qi bewirkt letzten Endes, dass der Mensch krank wird, da er sich im Ungleichgewicht befindet. Hier wird unterschieden, ob ein Zustand schon lange anhält, also ein „chronisches“ Ungleichgewicht mit schwächeren, aber langwierigen Folgen oder ein akutes Geschehen wie Fieber, Infektionen und Unfälle vorliegt. Aber auch alle Mischformen und Überlagerungen sind möglich.

Deshalb besteht das Ziel jeder therapeutischer Maßnahme, egal ob durch Akupunktur und Akupressur, Moxibustion (Räucherzigarren für Hitzeeffekte auf der Haut), Massage, Kräutertherapie, Diät oder Qigong darin, den Fluss der Lebensenergie (Qi) wieder herzustellen, damit wieder ein harmonisches und ausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen Yin und Yang in den fünf Wandlungsphasen entsteht.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Bereits seit dem letzten Jahrhundert bemühen sich Wissenschaftler in aller Welt, den Phänomenen und Wirkungsweisen der Akupunktur gerecht zu werden und sie auf der jeweils aktuellen wissenschaftlichen Grundlage zu ergründen und zu „erklären“. In der heutigen westlich geprägten Wissenschaft, zu der eben auch die Medizin gehört, gilt nur als akzeptabel, was durch Messbarkeit und Wiederholbarkeit „bewiesen“ werden kann. Gegensätzlicher könnten die Ausgangspunkte wirklich nicht sein. So nimmt es also nicht wunder, dass zahlreiche Versuche unternommen wurden, um einen wissenschaftlichen Beweis für die Existenz der Akupunkturpunkte, der Meridiane und deren Wirkungsmechanismen zu erbringen. Dr. Jean-Claude Darras, vom Krankenhaus Necker in Paris, bewies unter Verwendung von Radio-Nucleiden eindeutig die Existenz der Meridiane. Er injizierte einer Anzahl von Probanden radioaktive Substanzen in ganz bestimmte Akupunkturpunkte. Mit Hilfe einer Szintillationskamera verfolgte man die Reaktion. Entlang des Meridians wurde eine Bewegung der Radio-Nucleide deutlich sichtbar. Den Probanden der anderen Kontrollgruppe hingegen wurden diese Substanzen in neutrale Hautpunkte injiziert; dabei konnte keinerlei Migration festgestellt werden („Die Neue Ärztliche“ Ausgabe 39 von 1985).

Prof. Popp, Dr. Schlebusch und Dr. Maric-Oehler brachten unter Anwendung einer Infrarotkamera den existenziellen Nachweis der chinesischen Meridiantheorie. Mit einer brennenden Moxazigarre erwärmten sie jenes Körpergebiet, dessen Meridiananordnung sichtbar gemacht werden sollte. Im Verlauf des entsprechenden Meridians konnte durch die Infrarotaufnahmen ein deutlicher Temperaturanstieg nachgewiesen werden. Die Expansion der „Biophotonen“ wurde entlang des gesamten Meridians festgestellt. Dieses Untersuchungsergebnis zeigt, dass jene Leitbahnen nachgewiesen werden können, die mit den 5.000 Jahre alten Meridiandarstellungen der alten Chinesen vollkommen übereinstimmen.

Das Potential der Akupunkturpunkte

Das Institut für Experimentelle und Klinische Medizin in Novosibirsk kam zu der Erkenntnis: „Der menschliche Körper ist in der Lage, Licht zu leiten.“ Es wurde nachgewiesen, dass die Akupunkturpunkte als eine Art Lichtschleuse fungieren. Nur Akupunkturpunkte seien in der Lage, Licht in den menschlichen Körper einzuschleusen und wieder hinauszuleiten.

An der Universität Pjönjang in Nordkorea wurde in den siebziger Jahren festgestellt, dass sich das elektrische Potential an Akupunkturpunkten und Meridianen anders darstellt als auf anderen Hautpartien. Es konnte nachgewiesen werden, dass der elektrische Hautwiderstand an den im Durchschnitt 2,5 mm großen Akupunkturpunkten gegenüber neutralen Hautpunkten bis zu 80 Prozent verringert ist, was wiederum bedeutet, dass die elektrische Leitfähigkeit an AP-Punkten und Meridianen stark erhöht ist.

Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der durch Akupunktur ausgelöste Nadelreiz die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Rückenmark einschränken kann. Durch die Nadelung werden im Gehirn vermehrt Endorphine und Botenstoffe (körpereigene Narkotika und Neurotransmitter) ausgeschüttet, die den primären Schmerzreiz hemmen oder sogar völlig löschen können.

Einsatzmöglichkeiten

Außer den akut lebensbedrohenden Erkrankungen, die operativ versorgt werden müssen, gibt es kaum Einschränkungen für die Anwendung der Chinesischen Medizin, dies gilt insbesondere für die Kräutertherapie.

Aufgrund der Erfahrungen vieler Patienten sprechen beispielsweise folgende Krankheitsbilder besonders gut auf die Chinesische Medizin an: Kopfschmerzen, Migräne, Neuralgien, Erschöpfungszustände, Schlafstörungen, Beschwerden in den Wechseljahren, Zyklusstörungen, Blasenleiden, Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Arthrosen, Allergien, Asthma bronchiale, Verdauungsstörungen.

Chinas große Ärzte besaßen besondere Fähigkeiten

Wie ist es möglich, dass dieses System vor so langer Zeit mit den damaligen Mitteln so präzise erfasst werden konnte, dass es noch heute uneingeschränkt seine Gültigkeit hat? Die erste schriftlich dokumentierte Aufzeichnung über Akupunktur (Neijing – Das Buch des Gelben Kaisers) stammt aus der Zeit von vor etwa 2.500 Jahren vor Christus und gilt noch heute als unübertroffenes Standardwerk der chinesischen Akupunkturlehre. Hier drängt sich die Frage auf, wie vor mehreren tausend Jahren Heilkundige im alten China in der Lage sein konnten, ein komplexes Energieleitungssystem (Meridiansystem) einschließlich der relevanten Akupunkturpunkte zu ergründen und aufzuzeichnen?

In China gehörte es in alten Zeiten zur Ausbildung fähiger Ärzte, besondere Fähigkeiten zu erwarben, die sie in den langen Zeiten ihrer Tätigkeit weiter entwickelten und verfeinerten. Große Mediziner wie Sun Simiao, Hua Tuo, Li Shizhen und andere hatten solche Fähigkeiten, wie Aufzeichnungen belegen. Doch in der heutigen Medizin, die selbst in China durch westliche Ärzte und westliche Medizin geprägt ist, wird normalerweise gerade dieses Essentielle kritisiert. Was von der Chinesischen Medizin bis heute überliefert wurde, sind Erfahrungen und Rezepturen. Die heutige Chinesische Medizin ist eine Mischung aus westlicher und Chinesischer Medizin, viel Wissen ging verloren – im Westen wie im Osten.

Hier eine kleine Geschichte, aufgegriffen von Li Hongzhi in seinem Buch „Zhuan Falun“: „Der berühmte Arzt Hua Tuo (141-203 n. Chr.) konnte sehen, dass Cao Cao (ein großer Feldherr am Ende der Han-Dynastie) einen Tumor im Kopf hatte und wollte dessen Schädeldecke öffnen, um den Tumor zu entfernen. Cao Cao dachte, dass Hua Tuo ihn töten wollte und sperrte ihn ein. Hua Tuo verstarb im Gefängnis. Als die Beschwerden von Cao Cao wieder in Erscheinung traten, erinnerte er sich an Hua Tuo und ließ nach ihm suchen, aber Hua Tuo war schon tot. Später starb Cao Cao wirklich an dieser Krankheit. Woher wusste Hua Zuo von dem Tumor? Er war in der Lage ihn zu sehen.“



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