Krebserregende oder krebsverdächtige Fettschadstoffe, sogenannte 3-MCPD-Ester und Glycidylester, wurden in Milchpulver für Säuglinge gefunden.Foto: iStock

Krebserregende Schadstoffe in industriell hergestellter Säuglingsmilch sind nur die Spitze des Eisbergs

Von 2. Oktober 2019 Aktualisiert: 2. Oktober 2019 19:31
Industriell hergestellte Säuglingsmilch bringt viele Risiken für ein Baby. Nicht zuletzt eine erhöhte Veranlagung zu Übergewicht.

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, kündigte in einer Bundestagsrede an, sich verstärkt für die Stillfreundlichkeit einzusetzen. Als Begründung nannte sie die Bedeutung und Wichtigkeit der ersten 1000 Tage eines Menschen. Klöckner sagte: „Unsere Kleinsten sind besonders schutzbedürftig – dafür trägt auch der Staat Verantwortung.“

Die ersten 1000 Tage eines Menschen

Mit den ersten 1000 Tagen eines Menschen ist der Zeitraum von der Empfängnis bis zum Alter von 2 Jahren gemeint. Diese Lebensphase ist von äußerster Bedeutung, da sie die Entwicklung der Kinder auf struktureller und funktioneller Ebene prägt. Folglich kann eine falsche Ernährung der Kleinkinder in diesen Tagen unter anderem Fettleibigkeit verursachen.

Einer der wesentlichen Trigger für Übergewicht ist die erhöhte Menge an Proteinen in industriell hergestellter Säuglingsmilch. Forschungen belegen, dass gestillte Kinder ein geringeres Risiko für Adipositas haben. Prof. Dr. med. Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung für Stoffwechselstörungen und Ernährungsmedizin der Ludwigs-Maximilians-Universität München, sagt:

Den Vorteil des Stillens gegenüber Flaschennahrung hinsichtlich des späteren Risikos für Übergewicht führen wir auf die geringere Eiweißmenge zurück.“

Bestätigt wird dies ebenfalls durch die Studie „Risk Factors for Childhood Obesity in the First 1.000 Days: A Systematic Review“. Diese kam zu dem Ergebnis, dass sich Maßnahmen, deren Ziel es ist das Risiko einer solchen Prägung zu verringern, auf die ersten Lebensmonate konzentrieren sollten.

In der Studie werden weitere Risikofaktoren für die Überernährung von Föten, Säuglingen und deren Mütter benannt. Durch den Eiweißgehalt in der Milchnahrung kann es zusätzlich zum erhöhten Risiko auf Fettleibigkeit auch zu Bluthochdruck, Insulinresistenz, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Asthma kommen.

Muttermilch versus Babynahrung

Säuglingsnahrung kann trotz der Fortschritte bei der Zusammensetzung und Herstellung von Milchpulver noch nicht annähernd an die Muttermilch heranreichen. „Künstliche Säuglingsmilch ist nicht gleichwertig mit Muttermilch“, erklärt das Bundesministerium für Risikobewertung.

Milchpulver hat beispielsweise außer dem erhöhten Proteingehalt auch einen erhöhten Salzgehalt (Natrium), da die Basis von Milchnahrung Kuhmilch ist und sich diese von menschlicher Muttermilch unterscheidet. Der Salzgehalt in Kuhmilch sei in einer für Babys quasi giftigen Menge vorhanden, sagt Professor Peter Hartmann, international renommierter Spezialist für Stillen und Milchproduktion an der University of Western Australia, zur Zeitschrift „medela“.

Krebserregende Schadstoffe in Muttermilchersatz

Säuglinge speichern Problemstoffe im Fettgewebe und in der Leber ab. In fast allen Milchpulvern im „ÖKO-Test“ waren gesättigte Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) und ähnliche Stoffe nachweisbar. Die Mengen überschreiten die Grenze, ab der nicht mehr von „Spuren“ gesprochen werden könne. Hinzu kommt, dass die Innenbeschichtung der Verpackung der Anfangsmilch in das Milchpulver sogenannte oligomere gesättigte Kohlenwasserstoffe (Polyolefinic Oligomeric Saturated Hydrocarbons) abgibt.

„In unseren Tests sind in Muttermilchersatz allerdings immer wieder Schadstoffe aufgefallen. Vor allem: krebserregende oder krebsverdächtige Fettschadstoffe, sogenannte 3-MCPD-Ester und Glycidylester“, heißt es im „ÖKO-Test“. Getestet wurden 16 Pre-Nahrungen. Das Ergebnis:

In fast allen Milchpulvern stecken erhöhte Mengen an mineralölartigen Stoffen. Insgesamt hat sich die Reinheit aber verbessert. Fünf Pulver können wir mit „gut“ empfehlen.“

Kinderernährung und die Wissenschaft

Bundesministerin Klöckner richtet ihre Aufmerksamkeit auf Forschungsergebnisse. Daher soll das Institut für Kinderernährung nun ein präventives Ernährungskonzept für Kinder und Jugendliche erarbeiten.

Erstmals werden wir wissenschaftlich erforschen, welche Ernährung Kinder wirklich brauchen“, so Klöckner in ihrer Pressemitteilung.

Doch ganz so unerforscht ist der Sektor Kinderernährung nicht. Beispielsweise bestätigte Professor Berthold Koletzko im Jahr 2009, die gesundheitlichen Folgen der raschen Gewichtszunahme bei Säuglingen durch Säuglingsmilch. Seine Studienergebnisse aus zweijährigen Forschung, in der insgesamt 934 Kinder untersucht wurden, zeigen gravierende Folgeschäden bei Babys durch industriell zusammengestellte Milchnahrung.

Innerhalb der Studie wurden 298 Babys gestillt. 636 Säuglinge bekamen im ersten Jahr Muttermilchersatz, dessen Eiweißanteil schwankte. Zwei Jahre später zeigte sich, dass die Babys, welche mit eiweißärmerem Milchersatz ernährt wurden, weniger Gewicht bei gleicher Größe hatten als jene, deren Milch mehr Protein enthielt. Die Gewichtszunahme bei Babys die mit proteinreduzierter Babynahrung ernährt wurden, war ähnlich wie die gestillter Kinder.

Der Studie zufolge führt eine erhöhte Zufuhr von Milcheiweiß zu einem Anstieg des Wachstumshormons (IGF 1) und zu einer höheren Insulinausschüttung. Beide Faktoren stimulieren die Bildung von Fettzellen (Adipozyten), und diese führen dazu, dass die Kinder vermehrt Fettmasse anlegen.

Aufgrund der Forschungsergebnisse wurde empfohlen den Proteinanteil von Anfangs- und Folgemilch zu verringern. Der langfristige Effekt dessen ist die Reduzierung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern.

Zucker in Babynahrung – mit tödlichen Folgen

Bundesministerin Klöckner greift zusätzlich das Thema Zucker in Säuglingsnahrung auf:

Daher werde ich den Zusatz von Zucker in Tee für Säuglinge und Kleinkinder verbieten. Auch bei Beikost wie Getreidebreien setze ich mich dafür ein, dass so wenig Zucker wie möglich zugesetzt werden darf,“ sagt sie.

Wie dramatisch die Verwendung von industriellem Zucker in Babynahrung tatsächlich sein kann, zeigte sich bereits in den 40er Jahren deutlich. Damals wurde publik, dass Nestle´ in Malaya Frauen in Krankenschwesteruniformen zu Wohnhäusern schickte, um jungen Müttern die gezuckerte Kondensmilch als einen bevorzugten Ersatz für ihre eigene Muttermilch schmackhaft zu machen. Daraufhin stieg die Sterblichkeitsrate von Neugeborenen signifikant an. Dr. Cicely Williams zeigte sich schockiert über die Vorfälle und kommentierte die Todesfälle mit drastischen Worten. Sie sagte:

Fehlgeleitete Propaganda bei der Säuglingsernährung sollte als die schlimmste Form der Volksverhetzung bestraft werden. Diese Todesfälle sollten als Mord angesehen werden.“

Aus Gründen der Vollständigkeit muss erwähnt werden, dass eine Beimengung von Zuckerersatzprodukten bei einer Zuckerobergrenzenregelung in Deutschland bislang nicht besprochen wurde.


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