Ärzte-Missverständnis bei Werbung für Krebs-Früherkennung

Epoch Times15. März 2012

Viele Ärzte glauben, dass eine höhere Überlebensrate und eine gestiegene Tumor-Früherkennung (Inzidenz) ein Beweis dafür seien, dass durch die Früherkennung die Krebs-Sterblichkeit gesenkt werden könne und empfehlen deshalb eine Früherkennung, die mit diesen Daten beworben wurde. Das ist ein Ergebnis einer nun veröffentlichten Studie des Harding Zentrums für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Die Studie an über 400 US-amerikanischen Allgemeinärzten zeigt, dass die Mehrzahl der Ärzte bei Krebs-Früherkennung relevante von irrelevanten – und sogar fehlleitenden – Informationen nicht voneinander unterscheiden kann.

Obwohl höhere Überlebensraten und eine höhere Anzahl an durch Früherkennung entdeckten Tumoren (gestiegene Inzidenz) nicht beweisen, dass die Früherkennung wirklich Leben rettet, werden diese Statistiken häufig verwendet, um Werbung für die Untersuchung zu machen. Dies nicht ohne Grund: Wie die Autoren der jetzt in Annals of Internal Medicine erschienenen Studie aufdecken, glaubt ein Großteil der befragten Ärzte, dass höhere Überlebensraten und eine gestiegene Inzidenz ein Beweis dafür seien, dass durch die Früherkennung die Krebs-Sterblichkeit gesenkt werden könne. 69 Prozent der befragten Ärzte empfahlen deshalb eine Früherkennung, die mit diesen irrelevanten Daten beworben wurde. Wenn aber die wirklich relevanten Daten, nämlich der meist viel geringer ausfallenden Reduktion der Sterblichkeitsrate, vorlagen ließen sich aber im Gegensatz dazu nur weniger als ein Viertel der befragten Ärzte – 23 Prozent – von der Werbung überzeugen.

Warum ist eine gestiegene Überlebensrate nicht gleichbedeutend mit einer gesunkenen Sterblichkeitsrate?

Man stelle sich eine Gruppe von Männern vor, die im Alter von 67 Jahren auf Grund von Symptomen Prostatakrebs diagnostiziert bekommen und drei Jahre später daran sterben. Die Fünfjahres-Überlebensrate beträgt dann Null Prozent. Nimmt man nun an, diese Männer wären zur Früherkennung gegangen und ihre Krankheit wäre dadurch deutlich früher, beispielsweise bereits mit 60 Jahren, entdeckt worden, und wieder würden alle im Alter von 70 Jahren sterben, so erhöht sich die Fünfjahres-Überlebensrate von Null Prozent auf 100 Prozent. Tatsächlich wurde dadurch bei keinem der Männer das zu erreichende mögliche Lebensalter gesteigert. Mehr als drei Viertel der befragten Ärzte war dieser Zusammenhang jedoch nicht klar, wodurch sie Werbung für eine Untersuchung machten, die sie nach Klarstellung der Fakten nicht mehr machen würden.

Was ist das Risiko einer gestiegenen Tumor-Erkennungsrate (Inzidenz), und warum ist sie nicht gleichbedeutend mit einer gesunkenen Sterblichkeitsrate?

Beinahe die Hälfte der Ärzte saßen einem weiteren Irrglauben auf: dass eine höhere Anzahl an durch Früherkennung entdeckten Tumoren zeige, dieses würde Leben retten. Doch kann es beispielsweise bei langsam wachsenden Prostatatumoren, die so entdeckt werden, aber die betroffenen Personen gesundheitlich nie beeinträchtigt hätten, zu Überbehandlung kommen, was bedeutet, dass die Behandlung nur den Behandlern nutzt in finanzieller Hinsicht.

Für Patienten ist eine solche Behandlung dann ohne Nutzen, da kein Leben gerettet wird, während sie jedoch zusätzlich dem Risiko von Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz ausgesetzt werden.

Vor dem Hintergrund, dass Früherkennungsuntersuchungen häufig mit solch desinformierenden Daten angepriesen werden und die wahren Zusammenhänge dabei nicht aufklärend benannt werden, sind die Ergebnisse dieser Studie höchst brisant. Nachdem der Diskussionsbedarf über Nutzen und Schaden von Krebs-Früherkennungs-Untersuchungen in den letzten Jahren zugenommen hat, brauchen Patienten heute mehr denn je Ärzte, von denen sie sich hierzu kompetent beraten lassen können. Patienten denen von ihren Ärzten geraten wird, ihre Entscheidung für die Früherkennungsuntersuchung mit ihrem Arzt auch in Hinsicht auf die irrelevanten Werbebotschaften zu diskutieren. (sfr Grigull – MPI)

 

Weitere Informationen:

Die Studie:

Wegwarth, O., Schwartz, L. M., Woloshin, S., Gaissmaier, W., & Gigerenzer, G. (2012). Do physicians understand cancer screening statistics? A national survey of primary care physicians. Annals of Internal Medicine 156:340-349.

http://www.annals.org/content/156/5/340.abstract?aimhp

 

 



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion