Rheuma-Schmerzen im Handumdrehen überlisten

Von 16. September 2011 Aktualisiert: 16. September 2011 9:43
Optische Illusionen könnten Helfen, rheumatische Schmerzen zu lindern

Die Schmerzwahrnehmung ist subjektiv und stark von der persönlichen Wahrnehmung und Einstellung abhängig. Nachdem die wissenschaftliche Grundlage über die subjektive Schmerzwahrnehmung durch die psychologische Forschung gelegt worden ist, setzt ein neuer Behandlungsansatz dieses Prinzip gegen rheumatische Schmerzen ein. Optische Illusionen können helfen, den chronischen Schmerz bei Rheuma zu verringern, entdeckten Forscher von der Universität von Nottingham im Vereinigten Königreich.

Eine Entdeckung durch Akademiker an der Universität von Nottingham hat gezeigt, dass eine einfache Illusion dazu beitragen kann, den chronischen Rheuma-Schmerz bedeutend zu verringern. In einem Teil der Anwendungen gaben die Betroffenen an, dass der Gelenkschmerz von der Hand zunächst vollständig durch die Methode zurück ging.

„Es gibt mehr und mehr Beweise dafür, dass medikamentenfreie Therapien chronische Schmerzleiden lindern können. Das gilt insbesondere bei Schmerzleiden, bei denen angenommen wird, dass der Schmerz innerhalb des Großhirnes entsteht“, erklärt Dr. Roger Newport. Zusammen mit Dr. Catherine Preston beschreiben sie in ihrer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Rheumatology Oxford“, wie ihre neue Behandlungsmethode die Schmerzen bei Rheuma lindern kann.

Grundlegend neuer Behandlungsansatz

Bei dieser neuen Technologie wird dem Patienten zunächst am virtuellen Bild die Echtzeit-Videoaufnahme von seiner Hand in gleicher Position und Perspektive gezeigt, während der Patient seine schmerzende Hand wegen der Abdeckung nicht mehr direkt sehen kann. Durch diese Videoübertragung hat der Patient das Gefühl, wirklich seine schmerzende Hand am Bildschirm zu sehen. Nun werden dem Patienten am Bildschirm optische Illusionen gezeigt.

Dem Patienten entsteht dadurch der Eindruck, als ob sich seine Finger bewegen würden: Durch eine Überlistung des Gehirns glaubt der Patient, dass der schmerzhafte Teil von der Hand ausgestreckt oder gebeugt wird. Gleichzeitig registriert das Gehirn, dass es bei diesen Bewegungen zu keinerlei Schmerzen kommt. So „lernt“ das Gehirn durch diese simulierten Bewegungen, dass eine Bewegung der Hand auch ohne Schmerzen möglich ist.

Mehr als vier Fünftel der Patienten berichteten, dass sie nach der Behandlung weniger als die Hälfte der Schmerzen hatten, wenn sie ihre Hände in Wirklichkeit bewegten. Diese Forschung könnte den Weg für weitere zukünftige Technologien eröffnen, die den Patienten helfen, die Beweglichkeit in ihren Händen wiederherzustellen und die Schmerzen auch bei der Physiotherapie zu lindern.

Überraschender Besuch am Tag der Offenen Tür

Geleitet von Dr. Roger Newport von der „School of Psychology“ ist sein Team durch reinen Zufall auf diese Erkenntnis gestoßen, als interessierte Besucher diese neue Technologie am Tag der Offenen Tür in der Universität ausprobieren wollten. Diese Technologie ermöglicht, dass Videoaufnahmen live aufgenommen, verzerrt und in Echtzeit dem Beobachter am Bildschirm gezeigt werden können.

Den Besuchern sollten digital verzerrte Echtzeit-Videoaufnahmen gezeigt werden, bei dem sie sehen könnten, wie ihre Hände in der Videoaufnahme deformiert würden. Wenn diese optische Täuschung mit physischem sanften Ziehen oder Stoßen an den Fingern kombiniert wird, entsteht bei dem Besucher der Eindruck, dass ob die Hand geschrumpft oder gestreckt worden sei.

„Im Laufe des Tags wollte die Großmutter von eines der Kinder dieses Gerät auch ausprobieren. Doch sie hatte uns gewarnt, vorsichtig mit ihren Fingern zu sein, weil sie an Rheuma leide“, erzählte Dr. Catherine Preston von der Universität Trent in Kanada.

„Also gaben wir ihr eine praktische Vorführung dieses illusorischen Streckens der Finger. Plötzlich sagte sie: ‚Mein Finger tut mir gar nicht mehr weh!‘ und sie fragte sofort, ob sie dieses Gerät mit nach Hause nehmen könnte! Wir standen wie angewurzelt da – wir wussten nicht einmal, wer mehr überrascht war: sie oder wir?“

Bis zu ein Drittel der Patienten sofort schmerzfrei

Inspiriert durch diese unerwartete Entdeckung führte das Forschungsteam weitere Untersuchungen mit diesem neuen Gerät bei Patienten mit rheumatischer Gelenkschmerzen durch. Zwanzig Rheumapatienten in einem durchschnittlichen Alter von 70 Jahren wurden in die Studie eingeschlossen, um die Wirksamkeit dieser neuen Technologie bei der Linderung von Gelenkschmerzen zu untersuchen. Zum Vergleich wurden die gleichen Untersuchungen durchgeführt, bei denen schmerzfreien Teilen der Hände illusorisch verzerrt wurden oder die Aufnahme der ganzen Hand optisch verzerrt wurde.

Dieses neue System hat sich bei 85 Prozent der Teilnehmerinnen als effektiv erwiesen, die Schmerzen um die Hälfte zu lindern. Bis zu einem Drittel der Teilnehmer berichtete, sofort schmerzfrei gewesen zu sein über einen begrenzten Zeitraum nach der Behandlung.

„Diese Forschung ist ein ausgezeichnetes Beispiel, für wie grundlegende Forschung oft unerwartete und bedeutsame Ergebnisse ergeben kann. Bis jetzt waren wir sehr glücklich, bei der Entwicklung dieses Gerätes intern durch die Universität von Nottingham finanziert zu werden,“ sagte Dr. Roger Newport in der Erklärung für die Presse.

„Ohne diese einzigartige finanzielle Unterstützung wären wir nie zu dieser überraschenden Entdeckung gekommen, die möglicherweise äußerst wichtig für die Millionen von Leuten sein könnte, der an dieser schmerzhaften und auszehrenden Krankheit leiden“.

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