Schwer abzubauen – das Östrogenproblem

Von 28. Januar 2011 Aktualisiert: 28. Januar 2011 7:15

Auffallende Männerbrüste und ein schwerfälliger Bauch, als ob man Steine gegessen hätte – die Fettleibigkeit gehört zu den hartnäckigsten Problemen unserer gegenwärtigen Gesundheitssorgen. Durch die Überbelastung für Herz und Kreislauf ist sie bei den meisten Todesfällen als ursächlicher Faktor mit beteiligt und sorgt für Millionenkosten im Gesundheitssystem. Die Gründe dieses Phänomens liegen jedoch weniger in falscher Ernährung als in zugesetzten Hormonpräparaten in den Fleischprodukten.

Experimente im Labor haben gezeigt, dass das Östrogen unter natürlichen Bedingungen zu den am schwersten abbaubaren Substanzen gehört. Gleichzeitig wird möglicherweise enthaltenes Testosteron unter natürlichen Bedingungen schnell abgebaut. Dieses Ungleichgewicht in der Zufuhr von weiblichen und männlichen Hormonen führt zu schwer vorhersagbaren Auswirkungen beim Menschen, während bei den Fischen in den Gewässern schon schwere Missbildungen durch das Östrogen beobachtet wurden.

In den letzten Jahren meldeten Forscher zunehmend Missbildungen an den Fortpflanzungsorganen von Wasserlebewesen wie Fischen. Als Verursacher gerieten Hormone unter Verdacht, die in Dung, Mist, Klärschlamm und Gülle auf das Ackerland und von dort aus ins Grundwasser gelangen. Ihren Transport und Abbau im Boden hat Dr. Britta Stumpe vom geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum untersucht und dabei festgestellt: Besonders Östrogene sind hartnäckig und werden nicht abgebaut. Für ihre Dissertation wurde sie mit dem Ruth-Massenberg-Preis ausgezeichnet.

Mit dem Dünger aufs Feld

Die hohe Konzentration an hormonell wirksamen Substanzen in der Umwelt könnte dafür verantwortlich sein, dass bei Fischen und anderen Wassertieren Missbildungen an den Fortpflanzungsorganen auftreten, die zu sinkender Fruchtbarkeit führen. Ausbreitung, Konzentration, Zusammensetzung und Verhalten von Hormonen in der Umwelt haben daher immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

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Es gibt viele Wege, dass Hormone durch Auswirkungen menschlichen Verhaltens in den natürlichen Kreislauf eingeschleust zu werden. In der Tierzucht werden bekanntermaßen Östrogene dem Futter zugesetzt, um eine erhöhte Fett- und Wassereinlagerung bei den Nutztieren zu erreichen. Landwirtschaftlich genutzte Düngemittel sind eine weitere Quelle von Östrogen und führen dazu, dass das Östrogen durch die landwirtschaftlichen Felder direkt in den Boden und in das Grundwasser sickern kann. „Das übergeordnete Ziel meiner Arbeit war daher, das Verhalten sowohl natürlicher als auch synthetischer Sexualhormone – Östrogene und Testosteron – im System Boden zu untersuchen und auf dieser Grundlage zu entscheiden, ob Ackerböden eine bedeutende Rolle beim Transport und Verbleib der Hormone in der Umwelt spielen“, erklärt Dr. Stumpe.

Versuche im Isotopenlabor

Für ihre Arbeit analysierte sie in Laborversuchen im Zentralen Isotopenlabor der Universität Bochum das Abbau-, Aufnahme- und Transportverhalten verschiedener hormoneller Verbindungen in 18 verschiedenen, mit organischen Düngemitteln versetzten Ackerböden. „Es hat sich gezeigt, dass das männliche Sexualhormon Testosteron im Boden schnellen Abbauprozessen unterliegt, während die Östrogene als weibliche Sexualhormone stabile Verbindungen im Boden darstellen“, fasst sie ihre Ergebnisse zusammen.

Das synthetische Östrogen Ethinylöstradiol, der Hauptbestandteil der Antibabypille, hat sich als besonders abbauresistent erwiesen. Zudem haben die Laborversuche gezeigt, dass die Östrogene eine besondere Fähigkeit haben, tief in den Boden einzudringen und so ins Grundwasser zu sickern. „Dadurch sind sie eine Gefahr für Grund- und Oberflächengewässer und sollten in ökologischen Risikoanalysen Beachtung finden“, folgert die Geographin.

Weniger Fleisch ist oft mehr

Die übermäßige Aufnahme von Östrogenen aus tierischen Produkten stellt den menschlichen Körper vor unausweichliche Probleme. Man geht davon aus, dass durch die Aufnahme von zwei Hamburgern täglich der Östrogenspiegel um bis zu zehn Prozent erhöht werden kann. Der Verzicht auf Fleisch würde dieses Problem der Östrogenaufnahme über die Nahrung zu einem großen Teil verringern.

Eine weitere Quelle: Studien haben außerdem belegt, dass bei Verzicht auf Fleisch eine größere Anzahl eines speziellen Moleküls gebildet wird. Dieses spezielle Molekül hat die Fähigkeit, sich an Östrogene zu binden und so das über die Nahrung aufgenommene Mehr an Östrogen unwirksam zu machen. Dadurch wird der körpereigene Östrogenhaushalt nicht in Unordnung gebracht.

Eine weitere Wirkung zur Verminderung von Östrogen im Körper geht von den pflanzlichen Ballaststoffen aus. Wissenschaftler von der Universität in Vermont haben in ihren Studien herausgefunden, dass die Ballaststoffe der pflanzlichen Ernährung die Wirkung haben können, Überschüsse an Östrogen im Körper zu reduzieren. In dieser Hinsicht zeigt sich eine fleischreduzierte Ernährung bezüglich der Aufnahme von weniger zusätzlichen Östrogenen jeder anderen Ernährungsform deutlich überlegen.

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