Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Rahmen der bundesweiten Kooperation der Supermärkte gegen häusliche Gewalt am 29. April 2020 in einem Berliner Supermarkt mit einem Aktionsplakat "Zuhause nicht sicher?"Foto: MICHAEL SOHN/POOL/AFP über Getty Images

Merkel-Sozialismus: „Spiegel“-Autor fühlt sich durch Werbe-Parolen großer Konzerne an DDR erinnert

Von 19. August 2020 Aktualisiert: 2. Dezember 2020 18:12
In der Ära Merkel ist Deutschland dem Sozialismus deutlich näher gekommen, ahnt „Spiegel“-Autor Jakob Tietz in einer jüngst erschienenen Glosse. Er fühlt sich unter anderem durch Werbeauftritte von Coca-Cola oder Katjes im Corona-Lockdown an DDR-Wandparolen erinnert.

Ob die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel Ursache oder nur Ausdruck eines umfassenden Linksrucks ist, den Deutschland nach Meinung vieler Menschen im bisherigen Verlaufe ihrer Kanzlerschaft erlebt hat, darüber gehen die Meinungen auseinander.

In einer aktuellen Glosse hat Janko Tietz im „Spiegel“ einen Aspekt angesprochen, der seiner Einschätzung nach tatsächlich den Eindruck erwecke, der untergegangene DDR-Sozialismus habe mittlerweile auch gesamtdeutsch zumindest subkutan Wirkungsmacht entfaltet. Nämlich in den Marketingabteilungen von Unternehmen der privaten Wirtschaft. Seine Beobachtung:

Coca-Cola und andere Konzerne werben seit Corona, als wären ihre Chefs Thälmann-Pioniere und die Slogans im Politbüro erdacht worden.“

Elemente des Sozialismus 30 Jahre nach Ende der DDR wieder Mainstream

Zwar distanziert sich Tietz in seinem Text von Verschwörungstheorien, die in sozialen Medien gängig sind, wonach die – in Hamburg geborene, aber in der DDR aufgewachsene – Kanzlerin als „Honeckers Rache“ oder gar als „Hitlers Tochter“ die Bundesrepublik in eine sozialistische Diktatur umwandeln sollte.

Tatsächlich waren in Ostdeutschland sozialisierte Entscheidungsträger im wiedervereinigten Deutschland in Politik, Gesellschaft und Medien eher unterrepräsentiert. Die wesentlichen Weichenstellungen wurden von Personen vorgenommen, die in Westdeutschland aufgewachsen waren. Dies gilt insbesondere für Medienverlage, von denen fast alle marktbeherrschenden aus Westdeutschland kommen. Diese hatten nach der Wende auch die früheren SED-Regionalblätter aufgekauft. Merkels Politik war jedoch stets darauf bedacht, die Medien nicht gegen sich aufzubringen.

Dass im Jahr 14 von Merkels Kanzlerschaft aber typische sozialistische Vorstellungen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und vor allem von deren Zusammenwirken im Mainstream angekommen sind, ist mittlerweile auch dort zu spüren, wo man sie noch am wenigsten vermutet hätte: in der Privatwirtschaft.

Merkel-Regierung bringt den Staat als Machtfaktor in die Wirtschaft zurück

„Neben der Lufthansa betteln schon 14 weitere Konzerne darum, dass sich der Staat an ihnen beteiligt“, stellt auch Tietz fest, und das Ende der Fahnenstange ist damit noch lange nicht erreicht.

Bereits vor der Corona-Krise hatten Verbände der Familienunternehmen und Mittelständler Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vorgeworfen, mit seiner Nationalen Industriestrategie staatliche Planwirtschaft zugunsten als strategisch definierter Großkonzerne zu betreiben und den Mittelstand zu ignorieren.

Derzeit ist auch geplant, die politische Ausschaltung der Marktgesetze im Zeichen von Corona in einem weiteren Bereich zu verlängern: nämlich der Antragsfrist bezüglich des Insolvenzverfahrens, die seit März gilt.

Tietz diagnostiziert jedoch spätestens seit der Corona-Krise Werbestrategien großer Unternehmen, die nichts mehr mit Produktwerbung oder kommerziellen Aussagen zu tun haben, sondern – wie er es selbst andeutet – an politische Propaganda-Wandparolen des bis 1990 existierenden sozialistischen Staates erinnern.

Vom Boykottziel zum „Better World“-Streber

„Das Kommerzgen wurde entnommen“, schreibt der „Spiegel“-Autor. „Der Mensch im Mittelpunkt, nicht der Mammon.“ Dass Unternehmen, die noch vor nicht allzu langer Zeit aller erdenklicher Geschäftspraktiken beschuldigt wurden, jetzt zum Bannerträger einer „besseren Welt“ geworden seien, sei jedoch „in etwa so glaubwürdig wie Walter Ulbrichts Bekenntnis zu Berlin ohne Mauer“.

So wurde Coca-Cola in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur vorgeworfen, dass seine Produkte infolge extremen Zuckergehalts gesundheitsschädlich seien. Der Konzern wurde weltweit unter anderem der Mitverantwortung an ökologischen Katastrophen, der Unterstützung von Militärdiktaturen oder der Billigung der Ermordung von Gewerkschaftern in Lateinamerika geziehen. Im WM-Jahr 2006 und in den Folgejahren riefen in Deutschland noch ver.di, mehrere Universitätsgremien und der „Bund der Katholischen Jugend“ (BDKJ) darob zu einem Boykott des Konzerns auf.

Heute plakatiert der Konzern Sprüche wie: „Ich werde nie vergessen, wie viel stärker wir zusammen sind.“ Dazu kommen Werbespots im Fernsehen, die Menschen aus diversen Communitys darstellen und dies mit der Anregung hinterlegen, „so offen wie nie zuvor“ für „das Neue“ zu bleiben. Zudem will man in der Chefetage des Konzerns künftig „mehr zuhören“ – „Mit meinen Ohren. Nicht mit den Kopfhörern.“

PR und Sympathiewerbung statt Produktvermarktung

Margarinehersteller Rama schließt sich der Kampagne #wirbleibenzuhause an und bekennt: „Wir halten zusammen.“ Rewe dankt „fürs Zusammenhalten“, Aldi ist „für euch da“. Gummibärchen-Hersteller Katjes, zuvor bereits durch Solidaritätskampagnen mit stillenden Müttern und Kopftuch tragenden Musliminnen aufgefallen, erklärt: „Jedes Leben ist wertvoll – #achtetaufeinander“.

Dass gerade für Unternehmen, deren Namen und Produkte der Allgemeinheit gut bekannt und vertraut sind, mehr PR als Produktwerbung betreiben, entspricht dem kleinen Einmaleins des Marketings. Millionenschwere Kampagnen zu fahren für Produkte, die ohnehin jeder kennt, wäre ineffizient – Konzerne, die diesen Status erreicht haben, sind eher darauf angewiesen, Sympathiewerbung in eigener Sache zu betreiben.

Dass man in Zeiten einer Krise wie jener infolge von Corona versucht, an Gemeinschaftswerte und Zusammengehörigkeit zu appellieren, kann vor diesem Hintergrund wenig überraschen.

Zielgruppenwerbung oder Virtue Signalling?

Was Tietz in seiner Glosse hingegen nicht anspricht, ist ein Faktor, der im Deutschland Angela Merkels, aber auch in anderen westlichen Ländern immer häufiger anzutreffen ist und der vielen Kritikern als wesentlich bedenklicher erscheint. Es geht um den Drang kommerzieller Unternehmen, politische „Haltung“ zu zeigen und sich in „Virtue Signalling“ zu ergehen.

Anlässlich des „Gay Pride“ das eigene Logo mit Regenbogenfarben auszugestalten oder Menschen aus Minderheitencommunitys als Werbetestimonials zu verpflichten, kann dabei durchaus ein Signal sein, um neue potenzielle Zielgruppen zu erschließen. In vielen Fällen und insbesondere dort, wo die positiven Bekenntnisse zu Diversität und Vielfalt jedoch gleichzeitig mit gratismutiger Abgrenzung gegen Andersdenkende einhergehen, sehen manche jedoch eher ein bedenkliches Zeichen gesellschaftlicher Konformität und Gleichschaltung.

Wenn etwa ein Bierhersteller anlässlich der Wahl des FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen im Februar im Landtag von „gelb-braunen Flaschen“ spricht, die ehemals staatliche Fluglinie Austrian Airlines gegen eine Landtagskandidatin des „Team HC Strache“ wegen fragwürdiger, aber nicht gesetzwidriger Demo-Aussagen auf Zuruf eine fristlose Entlassung ausspricht oder sich sogar – wie jüngst im Fall Facebooks – Konzerne zu einer Boykottgemeinschaft zusammenfinden, um Zensur zu erzwingen, könnte eine Grenze überschritten sein.

„Politisches Statement“ als Unterwerfungsgeste

Vaclav Havel hatte das, was heute als „Haltungs“-Management und Virtue Signalling innerhalb der Wirtschaft auftritt, in der ČSSR der 1970er Jahre als Ausdruck posttotalitärer Verhältnisse umschrieben.

Diese seien gekennzeichnet durch „ein Labyrinth von Beeinflussung, Repression, Angst und Selbstzensur, die jeden, der sich darin aufhält, schluckt oder zumindest still hält, kaltgestellt und durch unwillkommene Vorurteile der Mächtigen gebrandmarkt.“

Havel erwähnte in diesem Zusammenhang als Beispiel den Gemüsehändler, der ein Schild „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch“ in sein Fenster hänge – nicht, weil ihn die Proletarier der Welt interessieren würden, sondern weil es als nicht zu tolerierender Akt des Ungehorsams gegenüber der herrschenden Ideologie der Gesellschaft betrachtet würde, es nicht zu tun.

Es ist nicht schwierig, dieses Beispiel auf heutiges Virtue Signalling von Fußballstars, Künstlern, Kirchenleuten, Personen des öffentlichen Lebens oder Unternehmen verschiedenster Art in Sachen „Klimaschutz“ oder „Kampf gegen rechts“ zu übertragen. Im Fall des Gemüsehändlers komme ein Akt der Unterwerfung darin zum Ausdruck, nicht der persönlichen Überzeugung.

Ideologie schaffe Menschen die Illusion einer Identität, von Würde und von Moral, analysierte Havel, während sie es gleichzeitig leichter mache, sich von diesen loszusagen. Am Ende lässt sie Menschen ihr Gewissen ausschalten in der Illusion, etwas Gutes zu tun. Auf diese Weise aber könnten die posttotalitären Zustände der untergegangenen ČSSR auch als prätotalitäre einer im unter dem Banner der Tugend ihrer Freiheit beraubten westlichen Demokratie heutiger Tage wiedererstehen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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