Bergsteiger auf dem Theodulgletscher bei Zermatt: Anfang August 2018 herrschten hier auf einer Höhe von rund 3100 Metern 8 Grad plus.Foto: Dominic Steinmann/Keystone/dpa

Frau in kurzer Hose nach zwei Tagen in Gletscherspalte gefunden

Von 1. September 2020 Aktualisiert: 1. September 2020 21:37
"Ich bin seit 21 Jahren Bergretter, aber dass jemand so etwas überlebt, ist in dieser Zeit noch nie vorgekommen", sagt Einsatzleiter Helmut Lerjen zu "n-tv" über eine Spaltenrettung in den Schweizer Alpen.

Ein unglaubliches Glück hatte eine in Deutschland wohnhafte Russin, die trotz kurzer Hose und einem tiefen Sturz zwei Nächte und zwei Tage in einer Gletscherspalte überlebte. Der Unfall ereignete sich im Monte-Rosa-Massiv oberhalb von Zermatt (Schweiz). „Ich bin seit 21 Jahren Bergretter, aber dass jemand so etwas überlebt, ist in dieser Zeit noch nie vorgekommen“, sagt Einsatzleiter Helmut Lerjen zu „n-tv“.

Trotz Mahnung der Mitarbeiter der Monte-Rosa-Hütte (2.883 Meter), begab sich die Frau (Anfang 30) am Sonntag (23.8.) allein, dünn bekleidet und ohne entsprechende Ausrüstung zu einem Gletscher, um dort zu Spazieren.

In etwa 3.725 Metern Höhe geht sie unwissend über eine Schneedecke unter der sich unsichtbar eine Gletscherspalte befindet. Die Schneebrücke, kann ihr Gewicht nicht halten, sie bricht ein und stürzt in die Tiefe, berichtet „n-tv“.

Laut dem Rettungsspezialisten Richard Lehner, war das Loch in der Schneedecke höchstens ein mal ein Meter breit. Die Spalte darunter wäre sicher 50, 60 Meter lang und stellenweise zwei bis drei Meter breit gewesen, so Lehner weiter zu „n-tv“.“

Frau stürzt 10 bis 15 Meter tief

Dann sei die Frau auf einem Vorsprung – einer Eisbrücke – in zehn, 15 Metern Tiefe liegengeblieben. Der Tag ging vorüber. In der Nacht sinken – auf dieser Höhe – die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. „Da unten ist es auch noch feucht“, erklärt der Rettungsspezialist. Der einzige Vorteil sei, dass es in einer Gletscherspalte keinen Wind gebe.

Noch ein Tag und eine Nacht vergehen. Dann eine glückliche Fügung. Eine Bergsteigergruppe war in der Gegend unterwegs, sie hörte die Hilferufe der Frau. Die Gruppe löste Alarm aus und die Bergrettung startete ihren Einsatz.

Die Rettungsspezialisten Helmut Lerjen und Richard Lehner zusammen mit der Helikopter-Rettungscrew der Air Zermatt trafen wenig später am Unfallort ein. Sie sind Spezialisten im Bereich Spaltenrettung. „Wir haben in diesem Gebiet viele Spaltenunfälle, wir sind bestens darauf vorbereitet“, erklärt Lerjen gegenüber „n-tv“. Mit einem speziellen Dreibein an dem eine Seilwinde befestigt ist, holten sie die Frau aus der Spalte heraus.

34 Grad Körpertemperatur und unter Schock

Auf wundersame Weise unverletzt und nur mit einer milden Unterkühlung (34°C Körpertemperatur) wurde sie anschließend mit dem Rettungshelikopter in die nächstgelegene Klinik gebracht. Laut den Rettungsspezialisten stand die Frau unter Schock.

Da die Frau allein unterwegs war und auch keine Vermisstenmeldung bei der Polizei eingegangen war, kann die Gerettete von Glück reden, dass sie von einer Gruppe von Alpinisten aus dem kleinen Loch gehört wurde, erklären die Rettungsspezialisten. Die Bergrettung berichtet, dass sie in den letzten 20 Jahren keine derartige Wunder-Rettung aus einer Gletscherspalte erlebt hätte.

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