BlackRock: Jahres-Briefing der Wirtschaft

Einmal jährlich verfasst Larry Fink, Chef und Gründer von BlackRock, einen Brief an die Chefs der Unternehmen, in die sein Finanzkonzern investiert. Um was ging es 2022?
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Der Vermögensverwalter Blackrock ist eine international tätige US-amerikanische Investmentgesellschaft mit Sitz in New York City.Foto: iStock
Von 6. Februar 2022

Wenn Laurence Douglas Fink zur Feder greift, wird die Finanzwelt hellhörig. Der 69 Jahre alte Sohn eines Schuhhändlers aus Los Angeles hat vor 34 Jahren den Vermögensverwalter BlackRock gegründet, der heute mit einem verwalteten Vermögen von gut zehn Billionen Dollar die Branche dominiert. Dies entspricht rund zehn Prozent des in der gesamten Branche verwalteten Vermögens, das die Boston Consulting Group Ende 2020 auf 103 Billionen Dollar taxierte. Zum Vergleich: Der Staatshaushalt der Bundesrepublik lag im vergangenen Jahr bei umgerechnet 570 Milliarden Dollar. 

Über seine Index-Produkte, im Fachjargon als Exchange Traded Funds bezeichnet, hat BlackRock in praktisch allen börsennotierten Unternehmen seine Finger im Spiel. Manche Polit-Beobachter bezeichnen Larry Fink vor diesem Hintergrund als mächtigsten Mann der Welt. Einem Kraken ähnlich beeinflusst er über seine Beteiligungen nicht nur fast sämtliche Aktiengesellschaften rund um die Welt. Er mischt sogar als Berater bei Aufsichtsbehörden und Zentralbanken mit. 

Jüngstes Beispiel: Ende November vergangenen Jahres, just zur Ernennung von Petr Final als neuen Regierungschef in Tschechien, legte der Vermögensverwalter internationalen Investoren nahe, dem Land keine Kredite zu gewähren. Die tschechische Krone würde mittelfristig schwächer werden und die Zinsen aufgrund der schnellen Inflation steigen, lautete die Argumentation. Viele Marktteilnehmer fordern angesichts solcher Aktionen eine strengere Überwachung. „Im Fall von BlackRock braucht es eine Aufteilung, da der Konzern als Ganzes zu systemrelevant und mächtig für eine funktionierende Marktwirtschaft ist“, forderte etwa ehemalige Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick.

Hierzulande ist BlackRock nicht zuletzt durch den neuen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz bekannt, der von 2016 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender und Lobbyist für den Finanzriesen in Deutschland war. 

Sein ehemaliger Chef schickt seit zehn Jahren im Januar einen öffentlichen Brief an die Unternehmenschefs, an denen BlackRock Anteile hält. In diesem Jahr lautet sein Motto „The Power of Capitalism“, zu Deutsch „die transformative Kraft des Kapitalismus“. Wie bereits in früheren Schreiben drängt Fink darauf, dass die Firmenmanager nicht nur hohe Gewinne erzielen sollten, sondern auch breitere soziale Ziele anstreben – wie etwa den Umweltschutz und nachhaltige, klimaneutrale Wirtschaftsmethoden. 

Sogenannte nachhaltige Investments zählen seit Jahren zu den wichtigsten Trends an den Finanzmärkten. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Vermögensverwalter ein entsprechendes Finanzprodukt am Markt lanciert. Nichts Neues also, wenn Fink in seinem jüngsten Brief die Nachhaltigkeit zum Imperativ in der Wirtschaftswelt erklärt – zumal er bereits in seinem letzten Kundenbrief die Unternehmen dazu aufforderte, klimaneutral zu werden. 

Nicht alles ist grün

Nicht alles schimmert so „grün“, wie BlackRock postuliert. Das Analyseunternehmen Morningstar etwa hat mit dem „Morningstar ESG Commitment Level“ ein Instrument entwickelt, das Anlegern dabei helfen soll, die Nachhaltigkeit von Fonds und Fondsanbietern einzuschätzen. BlackRock wurde vor Jahresfrist  nur als „Basic“ eingestuft, die zweitschlechteste von vier Bewertungsstufen.

Der frühere Nachhaltigkeitschef des US-Fonds-Giganten, Tariq Fancy, brachte dies im vergangenen September gegenüber der Wirtschaftswoche so auf den Punkt: „Bei BlackRock habe ich gesehen, dass das kurzfristige Profitinteresse weiterhin über den langfristigen Auswirkungen auf den Planeten steht. Daran ändern Offenlegungen zu Nachhaltigkeitskriterien nichts.“

BlackRock-Boss Fink scheint vor diesem Hintergrund die jüngste Ausgabe seines Briefs nutzen zu wollen, um seinen Ansatz zu verteidigen. Er plädiert für „Stakeholder-Kapitalismus“, bei dem es nach seinen Worten nicht um Politik, nicht um eine soziale oder ideologische Agenda und auch nicht darum gehe, „woke“ zu sein. „Er ist Kapitalismus, angetrieben von Beziehungen von gegenseitigem Nutzen zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern und Gemeinschaften, ohne die Ihr Unternehmen nicht erfolgreich sein und gedeihen kann. Das ist die Kraft des Kapitalismus.“

Jeder Anleger soll seine Stimmrechte ausüben können

Ein weiteres Thema in dem 3.300 Wörter umfassenden Brief, der als Anzeige in vielen Medien erschien, ist die Aktionärsdemokratie. „Unser Ziel ist es, dass sich jeder Anleger – und das schließt Privatanleger mit ein – an der Stimmrechtsausübung beteiligen kann, wenn dies gewünscht ist“, schreibt Fink. Er sei überzeugt, dass dies zu einem demokratischeren Kapitalismus führt, bei dem mehr Stimmen Gehör finden.

Als Problem auf diesem Weg könnte sich indes erweisen, dass BlackRock viele seiner Kunden gar nicht kennt. Wer über die Börse einen der unzähligen von BlackRock lancierten börsennotierten Indexfonds erwirbt, ist bisher nämlich nicht als Kunde registriert.

Kaum überraschend für einen Finanzmogul begeistert sich Fink für die Billiggeldschwemme. „In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich die Verfügbarkeit von Kapital explosionsartig erhöht“, schreibt er. Junge, innovative Unternehmen seien noch nie so leicht zu Geld gekommen, um neue Ideen zu verwirklichen. Dass ihn nicht zuletzt dieses billige Kapital zu dem machte, was er heute ist, lässt der BlackRock-Chef aber lieber unerwähnt. 



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