Explosionen in Beirut: Libanons Präsident zieht auch Anschlag als Ursache in Betracht

Epoch Times7. August 2020 Aktualisiert: 8. August 2020 12:29
Im Wettlauf gegen die Zeit bekommen einheimische Helfer nach der Explosionskatastrophe in Beirut Unterstützung. Der Präsident Michael Aoun sprach nun über eine mögliche Ursache.

Drei Tage nach der Explosionskatastrophe in Beirut hat sich der libanesische Präsident Michel Aoun zum Unglückshergang geäußert und von „Nachlässigkeit oder einem Eingreifen von außen“ als Ursache gesprochen. Es sei möglich, dass die Explosionen durch „Fahrlässigkeit oder durch äußere Einwirkung, mit einer Rakete oder einer Bombe“, ausgelöst wurden, sagte Aoun am Freitag in einem Fernsehinterview. Forderungen nach einer internationalen Untersuchung wies er zurück.

Auf die Frage, ob er gegen eine internationale Untersuchung sei, antwortete Aoun mit „natürlich“. Eine solche Untersuchung würde „die Wahrheit verwässern“.

Die schiitische Hisbollah-Miliz lehnte ihrerseits jegliche Verantwortung für die Explosionen ab. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah wies am Freitag Berichte zurück, dass seine Miliz Waffen am Ort der Explosionen gelagert habe. „Ich dementiere kategorisch“, sagte Nasrallah im Fernsehen. „Wir haben nichts im Hafen: weder ein Waffen- noch ein Raketenlager, noch Raketen, Gewehre, Bomben oder Ammoniumnitrat.“

Am Dienstagabend hatten zwei gewaltige Explosionen die libanesische Hauptstadt erschüttert. Nach jüngsten Angaben der Behörden wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 5000 verletzt. Rund 300.000 Menschen wurden obdachlos. Dutzende Menschen werden weiterhin vermisst.

Nach Regierungsangaben waren 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert, das jahrelang ohne geeignete Vorsichtsmaßnahmen gelagert gewesen war. Ammoniumnitrat kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Rettungsaktion läuft

Im Wettlauf gegen die Zeit bekommen einheimische Helfer nach der Explosionskatastrophe von Beirut Unterstützung von Bergungsteams aus dem Ausland – darunter aus Deutschland, Frankreich und Italien. Mit Spürhunden und Ortungsgeräten versuchten sie am Freitag, Vermisste auf dem von der Wucht der Detonationen komplett zerstörten Hafengelände zu finden.

Unter den Augen verzweifelter Angehöriger suchten Einsatzkräfte den dritten Tag in Folge nach Überlebenden in den Trümmern. „Ich warte darauf zu hören, dass du lebend aus den Trümmern gezogen wurdest, mein Liebling“, schrieb Emilie Hasruti, twitterte die Schwester eines vermissten Hafenbeamten.

Über den einst geschäftigen Hafen hat sich seit der Explosionskatastrophe ein unheimliches Gefühl der Ruhe gelegt. Zu hören ist fast nichts mehr außer den schweren Maschinen, die sich den Weg durch verdrehte Eisenstangen und Berge von Betonschutt bahnen, um einen Weg für die Retter freizumachen.

Am Freitagmorgen bargen französische Einsatzkräfte nach eigenen Angaben vier weitere Leichen unter den Trümmern. Damit stieg die Zahl der Toten durch das Unglück auf 153. Nach offiziellen Angaben wurden bei der Katastrophe mehr als 5000 Menschen verletzt. Weite Teile Beiruts wurden durch die beiden Explosionen am Dienstag beschädigt, bis zu 300.000 Menschen wurden obdachlos. „Alles ist pulverisiert worden“, sagte der Einsatzleiter eines 55-köpfigen französischen Einsatzteams.

Hilfsflüge aus dem Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sollten am Freitag im Libanon landen, gefolgt von weiteren aus Frankreich, Kuwait, Katar und Russland. Die EU gab 33 Millionen Euro an Soforthilfe frei, auch die US-Armee schickte am Donnerstag drei Flugzeugladungen mit Wasser, Nahrungsmitteln und medizinischem Material.

Die USA schicken dem Libanon nach den verheerenden Explosionen in der Hauptstadt Beirut Hilfsgüter im Wert von 15 Millionen Dollar (12,8 Millionen Euro). Die Lebensmittel und Medikamente würden von der US-Armee in das Land gebracht, erklärte die staatliche Hilfsorganisation US-Aid am Freitag. Die Hilfslieferungen enthalten demnach Lebensmittel für drei Monate für 50.000 Menschen sowie Medikamente für drei Monate für 60.000 Menschen.

Bei zwei gewaltigen Explosionen am Hafen von Beirut am Dienstagabend waren nach Behördenangaben mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 5000 verletzt worden. Dutzende Menschen werden weiterhin vermisst. Die Katastrophe hat internationale Anteilnahme ausgelöst, zahlreiche Länder entsenden Helfer und schicken Hilfsgüter.

Auch deutsche Helfer vor Ort

Erste Helfer aus Deutschland waren am Mittwoch in Beirut eingetroffen: Ein Team von 50 Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) sollte erste Einsatzstellen sondieren und die deutsche Botschaft unterstützen, teilte die Zentrale in Bonn am Donnerstag mit. Kräfte aus der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (Seeba) sollen demnach mit vier Suchhunden und präzisem Gerät in den Trümmern nach Verschütteten suchen.

Auch Einsatzkräfte der Bundeswehr haben ihre Arbeit in Beirut aufgenommen. Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ liegt nach Angaben des Verteidigungsministeriums zwölf Seemeilen vor der Stadt. Auch ein Erkundungsteam ist demnach in Beirut gelandet. Ein schnell verlegbares Luftrettungszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sei in Alarmbereitschaft versetzt worden. Ein weiteres Team für die Koordination und Steuerung der Hilfe sollte am Freitag eintreffen.

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Die Malteser entsendeten drei Nothilfe-Experten aus Deutschland, um die Kräfte im Libanon zu unterstützen. In Deutschland sei die Hilfs- und Spendenbereitschaft für die betroffenen Menschen sehr hoch, erklärte der Landeskoordinator für den Libanon von Malteser International, Clemens Mirbach. „Es melden sich viele medizinische Fachleute und Pflegekräfte, um ihre Hilfe anzubieten.“

Der deutsche Feuerwehrverband warnte unterdessen vor unorganisierten Reisen zum spontanen Hilfseinsatz in der Region. „Nur der offizielle und geordnete Rahmen kann gewährleisten, dass der Einsatz auch gewollt und effektiv ist und nicht noch die Ressourcen vor Ort weiter belastet“, sagte der Vizepräsident des Verbandes, Hermann Schreck. (afp/sua)