"Immergenz" - es geht um das tiefe Eintauchen bis zum Urgrund ...Foto: EITAN ABRAMOVICH/AFP/GettyImages

IMMERGENZ – tief eintauchendes Quellenstudium

Von 10. Juni 2013 Aktualisiert: 10. Juni 2013 9:47

Die Etymosophie-Kolumne von Roland R. Ropers erscheint wöchentlich exklusiv in der EPOCH TIMES Deutschland.

In einer orientierungsverarmten Welt ist der Mensch zunehmend auf der Suche nach einem Notausgang, im schlimmsten Fall nach einem Notarzt (engl.: emergency exit, emergency doctor). Emergenz hat mit Not überhaupt nichts zu tun – es handelt sich um das Auftauchen an der Oberfläche (lat.: emergere). Alles Sensationelle, Sichtbare spielt sich in der Regel an der Peripherie ab, wo sich vieles hin- und herdreht (von griech.: περιφέρειν, periphérein), im allgemeinen Sprachgebrauch Umgebung oder Umfeld, im Gegensatz zum zentralen Kernbereich.

In fast allen wissenschaftlichen Disziplinen wurden recht eigenartige Emergenz-Theorien entwickelt, die letztlich die Wirkungsweise des unendlichen Kosmos nicht erklären konnten. Gleichwohl ist das Universum in einem Zustand andauernder Entfaltung, wobei stets neue wundersame Phänomene auftauchen können. Das Gegenteil von Emergenz bezeichnet man mit Immersion, wobei das bislang nicht gebräuchliche Wort Immergenz viel größeren Sinn macht. Es geht um das tiefe Eintauchen in verschiedenste Sachgebiete, aber auch in das Innerste des eigenen Wesens. An der tiefsten Quelle finden wir sehr leicht und schnell die Ursache und müssen uns nicht mehr mit Symptomen befassen (griech.: σύμπτωμα, symptoma = Zufall, Begebenheit).

Das inflationäre Traumwort aller spirituell Suchenden ist: Erleuchtung, lat.: illuminatio; engl.: enlightment. Wir haben es hier mit der Richtungsanweisung „in, hinein“ zu tun. Das Eintauchen in die Quelle. Es geht um ein inneres Licht, um die Ausstrahlung, die von innen kommt. Erleuchtung ist das Produkt inneren, unsichtbaren Wachstums – ein oft sehr langer Prozess.

Erfahrung: lat.: peritia, scientia, prudentia; engl.: experience hat mit „fahren“ nichts zu tun, sondern primär mit lat. perire (wörtlich: hindurchgehen, durchdringen). Die Richtungsanweisung ist „per“ (hindurch). So, wie Person hindurchtönen“ bedeutet. Eine Persönlichkeit ist ein Mensch, der sein Tönen, Klingen bei einem anderen hindurchschwingen lässt.

Alle obengenannten Begriffe können letztlich nur über den Heimweg zur Quelle (Return to our Original Source) sinnvoll verstanden werden, denn unsere kosmischen Ressourcen sind nur in der Rückkehr zum Ursprung erfahrbar. Dann wird aus dem zurück (re) ein mit (con), das Mit-Wissen mit dem kosmischen Urgrund (lat.: conscientia); Bewusstsein ist Wachwerden (engl.: awakening) zum Wissen, das nur in unmittelbarer Verbindung mit dem ursprünglichen Sein, im Hier und Jetzt, als Angekommensein und nicht als Zukunft, zum Durchbruch kommt.

Dieser gemeinsame Prozess ist auch außerordentlich wichtig bei meiner Wahrnehmung der Wirklichkeit. Der kreative Mensch ist letztlich immer ein Co-Creator, ein Mitschöpfer der gesamten Schöpfung und kann nicht allein aus sich selbst heraus handeln. Unsere übermütigen statt demütigen Biotechnologen versuchen sich zunehmend als Herrscher der Natur zu gebärden und haben die Schöpfung als ihren Mitspieler und Co-Creator bereits ausgeschlossen. Erkenntnis und Wissen bleiben jedoch immer ein Zusammenspiel von Gemeinsamkeit.

Im 34. Kapitel des „Tao Te King“ von Lao Tse lesen wir:

„Das große TAO fließt überall hin, nach links wie nach rechts.
Die zehntausend Dinge werden durch es bedingt.
Es hält nichts zurück.
Schweigend erfüllt es seinen Sinn und fordert nichts.
Es nährt die zehntausend Dinge.
Und doch ist es nicht ihr Herr.
Es kennt kein Ziel, es ist sehr klein.
Die zehntausend Dinge kehren zu ihm zurück.
Doch ihr Herr ist es nicht.
Es ist sehr groß.
Es zeigt seine Größe nicht.
Und ist deshalb wahrhaft groß.“

 

Roland R. RopersRoland R. Ropers

Der Religionsphilosoph Roland R. Ropers ist Autor und Herausgeber etlicher Bücher:

Was unsere Welt im Innersten zusammenhält: Hans-Peter Dürr im Gespräch mit bedeutenden Vordenkern, Philosophen und Wissenschaftlern von Roland R. Ropers und Thomas Arzt; 2012 im Scorpio Verlag

Eine Welt – Eine Menschheit – Eine Religion von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Gott, Mensch und Welt. Die Drei-Einheit der Wirklichkeit von Raimon Panikkar und Roland R. Ropers

Die Hochzeit von Ost und West: Hoffnung für die Menschheit von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Geburtsstunde des neuen Menschen. Hugo Makibi Enomiya-Lassalle zum 100. Geburtstag von Roland R. Ropers

Roland Ropers erreichen Sie mit: [email protected]

 



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