„Wir hatten Befehl, auf jeden zu schießen“: Israelische Soldaten erzählen von Gaza-Offensive 2014

Von 6. Mai 2015 Aktualisiert: 6. Mai 2015 18:42

"Israel gab einen Schießbefehl auf palästinensische Zivilisten", das ist die Aussage neuen Video-Materials, das von der israelischen Veteranenvereinigung "Breaking the Silence" veröffentlicht wurde.

Beim Krieg im Gazastreifen 2014, bekannt als Operation "Protective Edge", kamen im Sommer 2014 über 2200 Menschen ums Leben, meist palästinensische Zivilisten. Mehrere Video-Interviews mit israelischen Soldaten geben nun beredtes Zeugnis von der extremen Grausamkeit der 51 Tage dauernden Offensive: Zivilisten wurden willkürlich erschossen, Häuser unnötig zerstört, Autos und Plantagen mit Panzern plattgemacht.

Die israelische Armee versuchte umgehend, die Anschuldigung herunterzuspielen: Weil die Zeugenaussagen des Berichts anonym sind, sei es nicht möglich, sie unabhängig zu überprüfen. Auch lehnte es die Armee ab, zu geschilderten Einzelheiten Stellung zu nehmen.

Unangenehme Bekenntnisse

„Breaking the Silence“ ist eine Organisation von Veteranen, welche es sich zum Auftrag gemacht hat, Israels Öffentlichkeit über den Alltag in den besetzten Gebieten aufzuklären. Dort seien Übergriffe auf Palästinenser und Plünderung und Zerstörung deren Eigentums schon seit Jahren die Norm, würden aber als „Einzelfälle“ deklariert: „Unsere Zeugnisse zeigen ein anderes und weit düstereres Bild, in dem sich moralischer Verfall im Charakter der Befehle und der Einsatzregeln ausdrückt und gerechtfertigt wird im Namen der Sicherheit Israels“, so die Website.

Die Soldaten sagten, sie wurden angewiesen, alle Palästinenser in den Kampfzonen als potenzielle Bedrohung zu sehen, egal ob bewaffnet oder nicht. Auch Menschen, die in Fenstern und auf Dächern beobachtet wurden, konnten als potenzielle Kundschafter der Hamas erschossen werden.

Ein Oberfeldwebel, der während des Krieges im nördlichen Gaza stationiert war, sagte, sie bekamen die Anweisung: „Sofort schießen. Egal, wen auch immer Sie sehen – ob bewaffnet oder unbewaffnet. Diese Anweisung ist sehr klar. Auf jeden Menschen, dem man begegnet oder sieht, tödliche Schüsse abgeben.“ Dies sei eine explizite Anweisung gewesen.

Ein Unteroffizier erinnerte sich an die Weisung: „Wir gehen keine Risiken ein und sparen nicht an Munition. Wir entladen, wir verwenden soviel wie möglich.“ Manchmal schossen die Soldaten sogar einfach aus Langweile auf Zivilisten, um ihre Treffsicherheit unter Beweis zu stellen. Oder sie überrollten aus Spaß mit Panzern Autos.

Ermordung eines alten Mannes

Ein Soldat erinnert sich detailliert an die Ermordung eines Zivilisten: „Ein alter Mann kam auf uns zu, und der … Posten – ich weiß nicht, was ihm durch den Kopf ging – sah den Zivilisten, feuerte auf ihn und er wurde nicht richtig getroffen."

„Der Zivilist lag da und wand sich vor Schmerzen. Jedem war klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: Ihn entweder langsam sterben lassen, oder sein Elend beenden. Schließlich beendeten wir sein Elend und ein D9 [gepanzerter Bulldozer] kam, ließ einen Trümmerhaufen über ihm ab und das war´s.“ Als sie ihren Kommandanten informierten, habe dieser kein Interesse an dem Vorfall gehabt.

Ein Infanteriefeldwebel sagte zu Breaking the Silence, dass Soldaten Handgranaten in Häuser warfen, bevor sie sie betraten. Auch erzählte er, wie ein Obstgarten von Panzern und Bulldozern sinnlos plattgewalzt wurde:„Einer der schönsten Obstgärten, die ich je gesehen habe … innerhalb weniger Stunden war er völlig … zu Sandhaufen pulverisiert."

Mehrere Zeugen beschrieben detailliert, dass die Soldaten angewiesen wurden, palästinensische Häuser zu zerstören und andere Infrastruktur dem Erdboden gleichzumachen – oft samt ihrer Bewohner.

Die israelische Menschenrechtsgruppierung B’Tselem veröffentlichte dieses Jahr einen Bericht, wonach Israel während des Gaza-Angriffs eine „open-fire Politik" betrieb. „In dutzenden Fällen wurden Wohngebäude aus der Luft oder vom Boden angegriffen und begruben ganze Familien unter sich."

Die Bombardierung von Häusern wurde in ganz Gaza politisch veranlasst, so der B’Tselem-Bericht: „Diese Angriffe waren keine Launen einzelner Soldaten, Piloten oder Kommandeure. Sie waren das Ergebnis einer Politik, die von Regierungsbeamten und hochrangigen Militärs formuliert wurde. "

Keine Konsequenzen

Für israelische Soldaten und Kommandeure hatte dieses Treiben keine Konsequenzen, obwohl es Stimmen gab, die eine Untersuchung der Kriegsverbrechen in Gaza forderten.

Zwar behauptete das israelische Militär dem Guardian gegenüber „allen glaubwürdigen Anschuldigungen“ bezüglich von Kriegsverbrechen nachgehen zu wollen, doch verweigerte Israel schon während des Angriffs und in den Tagen danach wiederholt unabhängigen Menschenrechtlern die Einreise nach Gaza. Unter anderem wurden Amnesty International, Human Rights Watch und UN-Beobachter abgewiesen.

Quelle: globalresearch / zerohedge / rf

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