Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz am 25. September 2018 in Fulda, Westdeutschland.Foto: ARNE DEDERT/DPA/AFP via Getty Images

Missbrauch durch Kleriker erschüttert katholische Kirche in vielen Ländern

Epoch Times20. Januar 2022 Aktualisiert: 20. Januar 2022 8:10

Die katholische Kirche wird seit Jahrzehnten von Missbrauchsskandalen erschüttert. Am Donnerstag legt eine Münchner Kanzlei ein mit Spannung erwartetes Gutachten zu Missbrauch im Erzbistum München-Freising vor. Ein Überblick über vier Länder, in denen das Thema eine große Rolle spielt:

DEUTSCHLAND

Der katholischen Kirche in Deutschland ist es seit dem Bekanntwerden ihres Missbrauchsskandals im Jahr 2010 nicht gelungen, wieder Vertrauen aufzubauen. Im Gegenteil: Missbrauchsopfer verlangen inzwischen eine staatliche Aufklärung, da sie der Kirche dies nicht mehr zutrauen.

Diese hat in den vergangenen Jahren immer wieder ihre Verfahren verändert. Auch mittlerweile mögliche Entschädigungszahlungen von bis zu 50.000 Euro je Opfer reichen den Betroffenen aber nicht.

Ein Herzstück der Aufklärung der deutschen Kirche ist die im Jahr 2018 von der Bischofskonferenz vorgelegte sogenannte MHG-Studie. Nach Auswertung von Personalakten und anderen Dokumenten gab es mindestens 1670 Kleriker, die zwischen 1946 und 2014 mindestens 3.677 Kinder missbrauchten. Die meisten waren demnach Jungen unter 13.

Besonders viel Streit gibt es um die Aufarbeitung in den von Kardinälen geführten Erzbistümern Köln und München. In Köln löste Kardinal Rainer Maria Woelki eine Austrittswelle aus, nachdem er immer wieder die Veröffentlichung eines Gutachtens verzögert hatte.

Woelki nimmt gerade eine Auszeit, soll aber Aschermittwoch zurückkehren. In München wollte Kardinal Reinhard Marx schon vergangenes Jahr und damit vor dem für Donnerstag erwarteten Gutachten zurücktreten. Papst Franziskus lehnte dies aber ab.

FRANKREICH

Nach dem 2021 veröffentlichten Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission waren in Frankreich seit 1950 schätzungsweise 216.000 Minderjährige von katholischen Priestern und Ordensleuten sexuell missbraucht worden. Die Zahl steigt auf 330.000 Opfer, wenn Täter mitgezählt werden, die als Laien in katholischen Einrichtungen Dienst taten.

Eine nationale Instanz befasst sich derzeit mit den Anträgen der Opfer. Die Höhe der Entschädigungen ist noch nicht entschieden. Die Bischofskonferenz hatte angekündigt, sich auch von Immobilien zu trennen, um die Entschädigungen zu finanzieren.

Der Bericht hatte eine Schockwelle in Frankreich ausgelöst. Die Bischofskonferenz bekannte sich erstmals zur institutionellen Verantwortung der Kirche. Die Kirche habe die Opfer „weder angehört noch begleitet“.

USA 

Zwischen 1950 und 2013 gab es in der katholischen Kirche der USA 17.000 Beschwerden wegen sexueller Gewalt. Die Vorwürfe richteten sich gegen rund 6.400 Geistliche. Experten bezifferten im Jahr 2012 die Zahl der minderjährigen Opfer auf schätzungsweise 100.000.

Allein im Bundesstaat Pennsylvania missbrauchten mehr als 300 katholische Priester über Jahrzehnte hinweg mehr als tausend Kinder, wie ein 2018 veröffentlichter Bericht ans Licht brachte.

Wegen ihrer Verstrickung in Missbrauchsskandale verloren zwei US-Kardinäle ihre Ämter: Kardinal Donald Wuerl trat nach Vorwürfen zurück, er habe den Missbrauch in Pennsylvania vertuscht. Kardinal Theodore McCarrick wurde sexueller Missbrauch Minderjähriger zur Last gelegt. Daraufhin wurde er von Papst Franziskus aus dem Klerikerstand entlassen.

Nach Schätzung von Anwälten wurden mittlerweile 11.000 Klagen von Opfern pädophiler Priester eingereicht. Die Diözesen haben schätzungsweise Hunderte von Millionen Dollar Entschädigungen gezahlt. Opferverbände beklagen, dass die Täter nicht systematisch vor Gericht gestellt werden.

AUSTRALIEN

Nach mehreren Skandalen ermittelte eine nationale Kommission von 2013 bis 2017 zu Missbrauchsfällen in der Kirche, aber auch in Sportvereinen, Privatschulen und Waisenhäusern. Dabei kam heraus, dass 58 Prozent der Fälle in katholischen Einrichtungen stattfanden.

Zwischen 1950 und 2019 wurden etwa sieben Prozent der Priester sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Zwischen 1980 und 2015 wurden innerhalb der Kirche etwa 4400 Fälle gemeldet. Die Anhörungen der Opfer waren live im Fernsehen übertragen worden, was im Land für Entrüstung gesorgt hatte.

Die Kommission hatte sich auch mit Kardinal George Pell befasst, der in einem ersten Verfahren 2018 wegen sexuellen Missbrauchs zweier Jugendlicher zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war. Das Oberste Gericht Australiens hob das Urteil gegen den früheren Finanzchef des Vatikans im vergangenen Jahr in allen Punkten auf.

IRLAND

In Irland gibt es seit vielen Jahren Vorwürfe des Kindesmissbrauchs in katholischen Einrichtungen. Einem Bericht von 2009 zufolge wurden seit den 30er Jahren Kinder in katholischen Schulen und Waisenhäusern häufig Opfer sexueller, aber auch physischer und psychologischer Gewalt.

Mehrere Bischöfe und Priester wurden wegen sexueller Gewalt oder wegen Vertuschung solcher Taten bereits bestraft. Die Skandale brachten der einst mächtigen katholischen Kirche in Irland einen dramatischen Vertrauensverlust. (afp/dl)



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