Skandale und Vertuschung: SOS-Kinderdorf von schwerwiegenden Vorwürfen erschüttert

SOS-Kinderdorf steht wegen Vertuschung von sexuellem Missbrauch und Betrug in der Kritik. Ein interner Untersuchungsbericht enthüllt verschwiegene Vorwürfe der Schändung von Minderjährigen sowie Fälle von Kinderschwangerschaften, Unterschlagungen und Machtmissbrauch.
Ein SOS Kinderdorf soll eine Zuflucht für Kinder sein, doch nun kommen schwere Missstände ans Licht.
Ein SOS Kinderdorf soll eine Zuflucht für Kinder sein, doch nun kommen schwere Missstände ans Licht.Foto: Matthias Balk/dpa
Von 9. Juni 2023

Die internationale Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf hat jahrzehntelang Vorfälle sexueller Gewalt und Betrug in ihren Einrichtungen von Lateinamerika bis Asien vertuscht. Das geht aus einem internen Untersuchungsbericht hervor, der am vergangenen Dienstag auf der Website der Organisation veröffentlicht wurde. Seit den 1980er-Jahren hat demnach die Hilfsorganisation „schwerwiegende Vorwürfe des Missbrauchs“ von Minderjährigen in mehreren Ländern verschwiegen. Außerdem hatte sie „Skandale verschleiert, Beweise vernichtet und Mitarbeiter eingeschüchtert“, die auf die Missstände hinwiesen.

Kinderschwangerschaften und Zwangsabtreibungen

Der Bericht dokumentiert auch „zahlreiche Fälle von Kinderschwangerschaften“, die insbesondere auf Vergewaltigungen zurückzuführen sind. Mädchen seien in den Einrichtungen von SOS-Kinderdorf zu „Zwangsabtreibungen“ gedrängt worden, ohne dass die Familien dazu ihre Zustimmung gegeben hätten, deckt der Bericht weiter auf. Weiter ist die Rede von einer „erheblichen Anzahl“ von Unterschlagungen, Machtmissbrauch und Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Aufträgen.

Der vorgelegte Bericht umfasst 300 Seiten und ist das Ergebnis der Untersuchung einer unabhängigen Sonderkommission (ISC). Diese Kommission gründete sich 2021 nach dem Amtsantritt der Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf international, Ingrid Johansen. Damit wollte man Vorwürfen aus 20 Ländern nachgehen. Johansen hatte sich damals für das „schwere Fehlverhalten“ ihrer Organisation entschuldigt.

Der frühere kenianische Oberste Richter Willy Mutunga leitete das Untersuchungsgremium, das in mehreren Ländern Tausende Dokumente sichtete und rund 200 Interviews mit Betroffenen, ehemaligen Verantwortlichen und derzeitigen Betreuern führte.

Großspender missbraucht Minderjährige

Im Bericht ist beispielsweise zu lesen, dass in Nepal ein Großspender Zugang zu einer Einrichtung hatte, was einen Verstoß gegen die Regeln der Organisation darstellt. In dieser Einrichtung missbrauchte er dann zwischen 2010 und 2014 mehrere Minderjährige. In einer Einrichtung in Panama herrschte nach Erkenntnissen der Kommission ein „Klima der Angst“.

Neben den Ländern Nepal und Panama stellten die Ermittler auch erhebliche Vergehen in Kambodscha, Kenia, Sierra Leone und Syrien fest. Wie es in dem Bericht heißt, sei es den Mitarbeitern dort wichtiger gewesen, die „Organisation zu schützen“ als die Interessen der Kinder.

Die Kommission kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass es in der Organisation „grundlegende Reformen“ geben müsse. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Johansen, dass der Bericht für die Mitarbeiter schwer zu lesen sei. Er zeuge aber von einem Willen zu „umfassender Transparenz“.

Die Kommission rät in ihrem Bericht ausdrücklich dazu, den Kinderschutz zukünftig besser durch Personalschulungen zu stärken. Auch appelliert sie daran, Opfer besser zu unterstützen und die Führungsstrukturen grundlegend zu überarbeiten.

Laufende Ermittlungsverfahren und erste Verurteilungen

Wie das Schweizer Medienportal „Nau.ch“ berichtet, gibt es laut einem Sprecher der SOS-Kinderdörfer mehrere laufende Ermittlungsverfahren. Zudem habe es erste Verurteilungen von Tätern gegeben.

„Wir sind tief erschüttert, dass Kinder und Jugendliche in unserer Obhut Leid erfahren mussten und bitten alle Betroffenen um Entschuldigung. Dies ist durch nichts zu verzeihen“, wird Lanna Idriss, Vorstandsmitglied der SOS-Kinderdörfer weltweit, zitiert. „Wir stehen an einem entscheidenden Punkt: Auf Basis der Erkenntnisse und Empfehlungen werden wir uns weiter verändern müssen und – wo nötig – rigoros erneuern.“

Der Hilfsorganisation attestiert die Kommission in ihrem Bericht aber auch, dass es bereits Fortschritte im Bereich des Kinderschutzes gegeben habe. Bei kritischen Themen wie Schwangerschaft und Drogenmissbrauch bei Jugendlichen müsse die Organisation gegensteuern. Auch die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden in allen Ländern dieser Welt müsse sichergestellt werden.



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