Christoph Schönborn (r).Foto: ELVIS BARUKCIC/AFP/Getty Images

Streit der Bischöfe nach Impfgegner-Schelte – Weitere Austritte befürchtet

Von 19. April 2022 Aktualisiert: 19. April 2022 14:57
St. Pöltens katholischer Diözesanbischof Schwarz hat Äußerungen seines Wiener Amtskollegen Kardinal Schönborn über Impfgegner in einer Fernsehsendung kritisiert. Schwarz befürchtet dadurch weitere Kirchenaustritte – nachdem diese schon im Vorjahr zugenommen hatten.


Nachdem die Zahl der Austritte aus der Katholischen Kirche in Österreich im Corona-Jahr 2020 auf 58.727 gesunken war, ist sie im Vorjahr wieder auf 72.055 Personen österreichweit empor geschnellt. Den Löwenanteil dabei stellte die Bundeshauptstadt Wien, wo sie, wie der ORF berichtet, im Vorjahr um rund 20 Prozent auf 12.475 anstieg. Nun sorgt ein öffentlich ausgetragener Streit von Landesbischöfen um den Umgang mit Impfgegnern erneut für Wirbel.

„Lieber Gott, lass Hirn regnen“

In der „Pressestunde“ des öffentlich-rechtlichen ORF warf Wiens Kardinal Christoph Schönborn der österreichischen Bevölkerung „ständiges Nörgeln“ über die Maßnahmen der Regierung in der Corona-Pandemie vor – und der Regierung, dem Unmut zu häufig nachgegeben zu haben.

Es sei nicht die Regierung, die einen Zickzackkurs in der Pandemiebekämpfung fahre, sondern das Virus, so Schönborn. Die Österreicher sollten sich, so der Kardinal, dessen bewusst werden, „wie gut es ihnen geht“.

Mit Blick auf die verhältnismäßig hohe Zahl an Impfgegnern in Österreich, die sich unter anderem auch in der parlamentarischen Verankerung einer neuen Partei, der MFG, Ausdruck verschaffte, äußerte Schönborn den Satz: „Lieber Gott, lass Hirn regnen.“

Schwarz: Kirche hätte auch Impfgegner „hereinnehmen“ sollen

Wie der „Standard“ berichtet, zeigte sich Schönborns St. Pöltener Amtskollege Alois Schwarz „persönlich erschrocken“ über diese Aussage. Ein Bischof müsse gleichermaßen da sein „für die, die sich impfen lassen und die, die Gründe haben, dass sie sich nicht impfen lassen“.

Gegenüber dem ORF Niederösterreich äußerte Schwarz am Samstag, 16. April, die Befürchtung, dass Schönborns Äußerungen eine neue Welle an Austritten aus der katholischen Kirche bewirken könnte.

Schwarz äußerte zum Teil Verständnis für kritische Briefe, die ihn erreichten und in denen die Frage nach dem Sinn einer so eindeutigen Positionierung mancher Bischöfe aufgeworfen würde:

Es stimmt und da haben sie vielleicht auch Recht. Wir haben zu wenig darauf geachtet, alle Menschen hereinzunehmen und mit ihnen zu reden.“

Diakonie: Onlinegottesdienste in Österreich oft besser besucht als reale

Auch die in Österreich traditionell weniger bedeutende evangelische Kirche ist von einer weiteren Austrittswelle betroffen. Genaue Daten für 2021 hat sie noch nicht veröffentlicht. Es ist jedoch auch hier von einer Zahl deutlich über 1.000 bundesweit auszugehen – bei zuletzt 43.900 Mitgliedern.

Die Direktorin der Diakonie, Maria Katharina Moser, nimmt die Kirche gegenüber dem ORF mit Blick auf ihr Gebaren in der Corona-Krise in Schutz. Eine generelle Tendenz zur Individualisierung führe zu einem Verlust der Bedeutung von Gemeinschaftsinstitutionen.

Man sei für die Menschen, die einen gebraucht hätten, jedoch da gewesen – auch, wenn das Gemeindeleben eher unterhalb der öffentlichen Wahrnehmbarkeitsschwelle verlaufen sei. Jeden Sonntag besuchten auch in der Pandemie rund 600.000 Gläubige der christlichen Kirchen einen Gottesdienst, so Moser.

Das seien mehr als Besucher bei irgendwelchen Demonstrationen. Man sei „nach einem ersten Schock“ umgestiegen auf Onlinegottesdienste, von denen „einige besser besucht gewesen“ seien als die realen Sonntagsmessen. Zudem habe es viel an sozialem Engagement und wechselseitiger Unterstützung gegeben.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion