NSU-ProzessFoto: MICHAELA REHLE/AFP/Getty Images

Anwalt hat keinen Zweifel an Zschäpes Schuld – Helmut Roewer: Die Spur der NSU-Täter endet in der Türkei

Von 26. Juli 2017 Aktualisiert: 27. Juli 2017 8:52
Der NSU sei von seiner Gründung bis zu seiner Auflösung als "kleine Zelle" konzipiert gewesen, sagte Bundesanwalt Diemer vor dem Oberlandesgericht München. Zudem ist Zschäpe der Mittäterschaft bei den zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und fünfzehn Raubüberfällen die der NSU ausgeführt haben soll angeklagt. Kritiker und Beobachter zweifeln jedoch stark an den offiziellen Darlegungen.

Die Bundesanwaltschaft hat nach mehr als vier Jahren NSU-Prozess keine Zweifel an der Schuld von Beate Zschäpe: Zschäpe sei „Mittäterin“ bei allen Morden, Bombenanschlägen und Raubüberfällen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), sagte Bundesanwalt Herbert Diemer am Dienstag zu Beginn seines Plädoyers vor dem Oberlandesgericht München. Für die Anklage war sie der „entscheidende Stabilitätsfaktor der Gruppe“.

Diemer begann am Dienstag mit dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft, das an mehreren Prozesstagen gehalten werden soll. Das Motiv für die angebliche Terrorserie des NSU sei die „rechtsextreme Ideologie“ von Zschäpe sowie ihrer Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen. „Die Täter, Hoher Senat, waren Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe“, sagte Diemer weiter.

Zschäpe wegen zehn Morden angeklagt

Zschäpe ist der Mittäterschaft bei den zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und fünfzehn Raubüberfällen angeklagt die der NSU zugeschrieben werden, obwohl es keine Beweise gibt, dass sie eine der Taten selbst ausgeführt hat. Nach Auffassung der Anklage wären die Taten ohne ihre Rolle als „Tarnkappe“ für das jahrelange Leben im Untergrund des Trios aber nicht möglich gewesen.

Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft sollten durch die Taten aus der Türkei stammende Kleinunternehmer „um ihr Leben fürchten, eingeschüchtert und aus dem Land vertrieben werden“. Acht der zehn Toten waren türkischstämmige Einwanderer und Kleinunternehmer, einer war Grieche. Der deutsche Staat wiederum habe vorgeführt werden sollen, der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter habe sich gegen die verhasste Polizei gerichtet.

Die Anklage hält auch die Vorwürfe gegen die vier mitangeklagten mutmaßlichen NSU-Helfer für im Wesentlichen bestätigt. Neben Zschäpe stehen der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, André E. sowie die aus der rechten Szene ausgestiegenen Holger G. und Carsten S. vor Gericht.

Anwalt sieht keine Verstrickung staatlicher Stellen

Diemer ging zu Beginn seines Plädoyers auch auf Kritik am NSU-Prozess ein. Es sei „unzutreffend, wenn immer noch kolportiert wird, der NSU-Prozess habe seine Aufgaben nur unzureichend erfüllt“. Mögliche Fehler staatlicher Behörden aufzuklären sei eine Aufgabe politischer Gremien. Anhaltspunkte für eine strafrechtliche Verstrickung staatlicher Stellen seien im Ermittlungsverfahren nicht aufgetreten.

„Anderes zu behaupten verunsichert die Opfer, verunsichert die Bevölkerung“, sagte Diemer zu anhaltenden Spekulationen über ein über das NSU-Trio hinausgehendes Netzwerk. Die These von einer größeren Gruppe hält die Anklage laut Oberstaatsanwältin Reger für widerlegt. Der NSU sei von seiner Gründung bis zu seiner Auflösung als „kleine Zelle“ konzipiert gewesen. Er habe durchgehend und ausschließlich aus Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe bestanden.

Helmut Roewer: Die Mörder sind unter uns

Kritiker und Beobachter, wie der ehemalige Thüringer Verfassungsschutzpräsident Helmut Roewer, sehen dies jedoch anders. Tatsächlich gibt es zahlreiche Hinweise und Belege dafür, dass im Fall NSU von staatlicher Stelle massiv vertuscht wurde.

Im Anfang 2017 erschienenem Interview mit Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt spricht Dr. Helmut Roewer über die angebliche juristische Aufarbeitung der sogenannten NSU-Mordserie.

In dem Gespräch wird geklärt, dass es sich in Wirklichkeit bei den Bluttaten nicht um rechtsextremistischen Terrorismus gehandelt hat, sondern um solche aus dem Bereich des organisierten Verbrechens, dessen Spuren in der Türkei verschwinden. Es wird geklärt, dass die im großen Umfang zugänglichen polizeilichen Ermittlungsakten genau in diese Richtung zeigen.

Hier das Interview:

https://www.youtube.com/watch?v=zISJ5jNMuV0

Siehe auch:

Thüringer Ex-Verfassungsschutzpräsident glaubt nicht an „NSU-Märchen“ – Wer beging die zehn Morde?

NSU-Akte soll 120 Jahre lang geheim bleiben – Kasseler Mord 2006

Gedenkveranstaltung für vor zehn Jahren ermordete Polizistin Kiesewetter – Viele Fragen im NSU-Skandal bleiben unbeantwortet

Sieben NSU-Zeugen sind tot – Zeugin sah „blutverschmierten“ Osteuropäer nach Kiesewetter-Mord

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN