Baden-Württemberg: Schulbesuchspflicht ab September aufgehoben – Abstandsgebot entfällt

Von 9. Juli 2020 Aktualisiert: 9. August 2020 18:38
Künftig reicht in Baden-Württemberg eine formlose Meldung der Eltern an die Schule, wenn ihre Kinder nicht am Präsenzunterricht teilnehmen wollen. Es muss kein Attest vom Arzt vorgelegt werden. Das Abstandgebot entfällt - doch über eine Maskenpflicht für ältere Schüler wird beraten.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) stellte am Mittwoch in Stuttgart den Plan für die schulische Bildung nach den Sommerferien vor. So sollen Schüler zwar grundsätzlich im Klassenzimmer lernen, Präsenzunterricht sei die Regel. „Wir streben so viel Präsenz an wie möglich“, erklärt Eisenmann. Doch, so meldet das Bildungsportal „News4teachers“, gelte:

Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule formlos melden. Dann müssen die Kinder aus der Ferne mitlernen. Eine Attestpflicht für Schüler besteht nicht.“

Das Abstandsgebot soll – wie es derzeit schon an Grundschulen und in Kitas praktiziert wird – auch in den weiterführenden Schulen entfallen. Wenn 1,5 Meter weiterhin als Distanzgebot gelten würden, könnten nicht alle Schüler gleichzeitig unterrichtet werden. Es würde mehr Platz sowie für die kleineren Gruppen würden auch mehr Lehrer als bisher benötigt.

Kommt die Maskenpflicht für ältere Schüler?

Um die Infektionsgefahr zu minimieren, soll der Unterricht laut Plan des Kultus so weit wie möglich in festen und konstanten Gruppen ablaufen, sodass sich die Schüler möglichst wenig durchmischen. Schulen brauchen außerdem Konzepte zur Wegeführung im Schulgelände. Bei Kontakten zu SARS-CoV-2-Infizierten sollten die Schüler zu Hause bleiben.

Die Landesregierung erwägt die Maskenpflicht für ältere Schüler und hat bereits 27 Millionen Alltagsmasken und 800.000 FFP2-Masken vorrätig. In Baden-Württemberg gibt es rund 1,5 Millionen Schüler und 130.000 Lehrer.

Singen in geschlossenen Räumen, Besuche im Schullandheim, mehrtägige außerschulische Veranstaltungen, Schüleraustausche und Studienreisen bleiben untersagt. Die Kultusministerin wirbt dafür, dass es mehr freiwillige Testmöglichkeiten für Lehrer gibt.

Lehrergewerkschaft und Grüne kritisieren das Konzept

„Dass Schülerinnen und Schüler ohne ärztliches Attest vom Präsenzunterricht befreit werden, halten wir für schwierig“, kommentiert die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sandra Boser. „Hier wünschen wir uns eine klare und nachvollziehbare Regelung, unter welchen Voraussetzungen eine Befreiung erfolgt.“

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft äußert Kritik. Der Plan sei „riskant und falsch“. GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz verweist darauf, dass sich die Lehrer wie Versuchskaninchen der Landesregierung fühlen würden. Es gebe keine klaren Zusagen, welche Schutzmaßnahmen zur Verfügung stünden. Sie fordert Schutzmasken vom Ministerium.

Wenn erneut Infektionen mit der Wuhan-Lungenentzündung auftreten, könnten immer wieder Schulstandorte (zeitweise) geschlossen werden. Für den notwendigen Fernunterricht werden verbindliche Qualitätskriterien und Leitlinien entwickelt.

Baden-Württemberg plant außerdem den Kauf von rund 300.000 Laptops für das Bildungswesen. Schüler ohne technische Möglichkeiten sollen diese von den Schulen erhalten.

Ein Drittel der Jugendlichen unzufrieden mit Fernunterricht

Jugendliche Schüler haben ihren Schulen deutschlandweit ein uneinheitliches Zeugnis für die digitalen Lernangebote in der Corona-Krise ausgestellt. Rund ein Drittel (34 Prozent) der 16- bis 18-Jährigen sind mit den Lernangeboten fürs Homeschooling unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden, wie aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Postbank hervorgeht, die afp am Donnerstag vorlag.

Demgegenüber gaben 46 Prozent der Befragten an, eher zufrieden mit den Angeboten zu sein. Nur dreizehn Prozent sagten, sie seien sehr zufrieden mit den während der Schulschließungen als schnelle Lösung für den Unterricht zu Hause angebotenen Möglichkeiten. Sieben Prozent der jugendlichen Schüler nutzen keine Online-Lernprogramme.

Die im April und Mai unter tausend Jugendlichen durchgeführte Befragung zeigte dabei deutliche regionale Unterschiede. So sind in den ostdeutschen Bundesländern nur 51 Prozent der Schüler zufrieden – gegenüber 58 Prozent in Westdeutschland. In Norddeutschland zeigten sich 59 Prozent – in Süddeutschland 64 Prozent zufrieden.

(Mit Material von afp)

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