Berlin: Steht „Flüchtlingsschule“ vor dem Aus? – 500.000 Euro für neues Konzept vorhanden

Epoch Times20. October 2017 Aktualisiert: 20. Oktober 2017 17:41
Steht die umstrittene „Flüchtlingsschule“ in Berlin vor dem Aus? Die Schüler schwänzen, die ersten Lehrer legten bereits ihre Arbeit nieder – und das nach nur zwei Wochen Unterricht.

„Ghettoschule“, „Sonderschule“ und „Apartheidsschule“ für minderjährige Asylbewerber – mit diesen Namen machte die Luise-und-Wilhelm-Teske-Oberschule im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg im Juli Schlagzeilen.

Damals hatte die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) laut „RBB24“ beschlossen, die leerstehende Schule in eine Bildungseinrichtung für 100 junge Asylbewerber zu verwandeln. Die Jugendliche im Alter von 15 bis 16 Jahren haben in ihren Heimatländern nur mangelhaft oder gar nicht lesen und schreiben gelernt. Sie haben auch keine Kenntnisse in Mathe, Englisch, Deutsch und anderen Fächern, was ihnen den Besuch einer 9. oder 10. Jahrgangsstufe in einer regulären Schule unmöglich machen würde.

Nach ihrem Bildungsstand könnten sie höchstens in eine vierte oder fünfte Regelklasse aufgenommen werden. Mit Zehnjährigen gemeinsam zu lernen, sei für die Jugendlichen aber nicht zumutbar, meinte Senatorin Scheeres als Begründung. In der Teske-Schule hätten sie die Möglichkeit, in altershomogenen Gruppen zu lernen und so auf den regulären Unterricht vorbereitet zu werden, so Scheeres laut „RBB24“ weiter.

Kritik: Isolation von der Gesellschaft – schädlich für Integration

Genau dagegen hagelte es Kritik. Die Jugendlichen würden von den hier aufgewachsenen Schüler isoliert. Dies würde der Integration der jungen Asylbewerber im Wege stehen, da dafür die soziale und sprachliche Inklusion mit anderen Jugendlichen unentbehrlich sei, warnte der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Tom Erdmann. Auch andere Vereine, Initiativen und Netzwerke sahen die Schule als „pädagogisch falsch und integrationsfeindlich“.

Unterrichtsbeginn um vier Wochen verzögert

Am 3. September sollte der Unterricht schließlich losgehen, doch das verzögerte sich bis Anfang Oktober. Das habe vor allem organisatorische Gründe gehabt, erklärte die Bildungsverwaltung laut der „Welt“ die zeitliche Verzögerung. Bereits zwei Wochen später legten die ersten Lehrer wegen Überforderung die Arbeit nieder.

Der Besuch der Bildungseinrichtung sei freiwillig, schrieb die „Berliner Woche“ Ende Juli. Von den geplanten 100 Jugendlichen besuchen laut dem Berliner Bildungssenat rund 50 Schüler die Schule. Es seien überwiegend 15-Jährige, einige Jugendlichen seien auch 16 oder 17 Jahre alt – ein Drittel seien Mädchen. In vier Klassen werden sie nun in dem rund hundertjährigen Backsteingebäude im Tempelhofer Weg unterrichtet.

Laut „Welt“ gebe es „Disziplinierungsprobleme“ mit den Jugendlichen. Einige Schüler verschwänden während der regulären Unterrichtszeit oder schwänzten. Niemand wisse, wo sie sich aufhalten. Ein Schüler soll der Drogenszene angehören.

Kein Internetanschluss, Pausenraum oder Getränkeautomat

Ein anderes Problem sei laut „Welt“ die Ausstattung der Schule: Es gebe weder einen Internetanschluss noch einen Pausenraum oder Getränkeautomaten. Das Gebäude befände sich in einem Gewerbegebiet, sodass die Schüler kein Mittagessen kaufen könnten.

Auf Google Maps ist hingegen zu sehen, dass die Schule nur sieben Gehminuten von den S-Bahnhaltestellen Schöneberg und Berlin Südkreuz entfernt ist. Dort gibt es in der Nähe Imbisse, Cafés, Restaurants und Bäckereien.

„Schöneberg hilft“: „Teske-Schule fördert Jugendliche nicht gut genug“

Hans-Jürgen Kuhn vom Verein „Schöneberg hilft“ kämpfe seit Beginn gegen die Bildungseinrichtung in der Teske-Schule. „Das sind sehr schwierige Jugendliche, sie benötigen eine besonders gute Förderung. Doch davon kann hier keine Rede sein“, so Kuhn laut der „Welt“. Deswegen sollten die Lernerfolge der Schüler aufgezeigt und die Lehrpläne offengelegt werden, fordert der Verein.

Trotz der Probleme und der Kritik will die Senatorin im nächsten Halbjahr weitere Jugendliche aufnehmen, sagte Senatssprecherin Beate Stoffers. Die Erfahrungen seien gut, so die Begründung.

„Teske-Schule zu realitätsfern“: 500.000 Euro stehen für neues Konzept bereit

Ihre SPD-Parteikollegen sehen das anders. Gemeinsam mit den Grünen und Linken entwickelten sie ein Alternativangebot: Zu Beginn des nächsten Jahres will die Rot-rot-grüne Regierung 500.000 Euro aus dem Haushalt bereitstellen, um jungen Asylbewerbern zu einem Abschluss zu verhelfen, meinte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Maja Lasic.

Es sei zwar richtig, dass schwierige Schüler gesondert unterrichtet werden sollten, doch dürfe dies nicht „abschlussorientiert“ erfolgen. „Die Teske-Schule ist zu weit entfernt von der Lebensrealität“, so die Sprecherin.

Deswegen soll die Teske-Schule geschlossen werden. Mit der halben Million Euro sollen dafür 16 Lerngruppen an bereits bestehenden Schulen eingerichtet und nach dem Konzept des „produktiven Lernens“ unterrichtet werden. Auf diese Weise sollen die „schwer beschulbaren“ Jugendlichen direkt in Berufe integriert werden. Sollte es gelingen, die Berliner Verwaltung von diesem Konzept zu überzeugen, werde es spätestens zum Schuljahr 2018/2019 eingeführt, schloss Lasic ab.

(as)

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