„Corona-Oma“: Böhmermann will im ZDF an „Umweltsau“-Skandal anknüpfen

Von 20. Dezember 2020 Aktualisiert: 20. Dezember 2020 21:31
Ein Jahr nach dem „Umweltsau“-Skandal des WDR lässt auch ZDF-Moderator Jan Böhmermann einen Kinderchor ein Spottlied auf eine „Oma“ singen. Diesmal geht es dabei nicht um „Klima“, sondern um Corona. Der Text soll angeblich von Kabarettistin Lisa Eckhart stammen.

Vor einem Jahr sorgte ein als „Satire“ deklariertes Musikstück des „WDR-Kinderchors“ für erhitzte Gemüter in der Öffentlichkeit. In einer Persiflage des Liedes „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ wurde diese als „alte Umweltsau“ bezeichnet. Kritiker, darunter etwa NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, warfen dem Sender vor, Feindseligkeit unter den Generationen zu schüren und Kinder ideologisch zu missbrauchen. WDR-Intendant Tom Buhrow entschuldigte sich „ohne Wenn und Aber“ für den „verunglückten“ Beitrag.

Nun hat Jan Böhmermann im „ZDF Magazin Royale“ mit dem Kölner Chor „Lucky Kids“ das Projekt „Meine Oma 2.0“ eingespielt – in dem „Corona-Leugnung“ kritisiert werden soll.

Böhmermann lässt „Oma“-Lied Corona-gerecht umtexten

Auch in diesem Jahr wird der „Satire“-Beitrag wieder zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ gesungen. An die Stelle der „Oma“ des Vorjahres, die als „Klimasünderin“ an den Pranger gestellt worden war, ist in der Neufassung jedoch nunmehr eine solche getreten, die „nicht mehr an ‚Tagesthemen‘ oder ‚MoMa‘“ glaube, sondern stattdessen Publikationen, denen zufolge es „gar kein Corona, Corona, Corona“ gäbe.

Diese feiere, so heißt es weiter „Après-Ski in Ischgl“, habe „keinen Bock auf Social Distance“ und stürme sogar „in Schwarz-Weiß-Rot den Reichstag“, damit „da oben endlich einer mal Bescheid sagt“.

Die moralische Belehrung, die am Ende des Stückes steht, wird am Ende von Böhmermann selbst intoniert. Darin wird erläutert, was die „Oma“ am Ende von ihrer „Corona-Leugnung“ habe. Der Moderator trägt vor: „Meine Oma liegt seit vorgestern im Koma, im Koma, im Koma. Mit ’nem Plastikschlauch in ihrem Tracheostoma.“ Am Ende singen alle: „Pandemie vorbei und meine Oma auch.“

Lauterbach äußert sich begeistert – ist Lisa Eckhart die Autorin?

Zumindest einen Politiker hat Böhmermann mit seiner Inszenierung schon jetzt begeistert. SPD-Gesundheitssprecher Karl Lauterbach feiert ihn auf Twitter mit den Worten: „Die Querdenker Oma: Ganz grosse Klasse. Harter, tiefschwarzer Humor, intelligent. Der Song des WDR Kinderchors bei @janboehm – „Meine Oma 2.0“ | ZDF Magazin Royale“:

Böhmermann selbst will die Lorbeeren für das Werk unterdessen nicht allein ernten und verkündet ebenfalls auf Twitter, dass er beim Texten Hilfe aus Österreich hatte. Auf dem Kurznachrichtendienst schrieb er:

„Übrigens: Der Text des WDR-Kinderchor-Weihnachtsliedes über die realitätsresistente Corona-Oma aus dem gestrigen @zdfmagazin stammt aus der spitzen Feder der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart. Wirklich wahr!“ https://twitter.com/janboehm/status/1340253019708026881

Eckhart geriet in den vergangenen Monaten mehrfach in die Kritik. So hatten unter anderem Angehörige der jüdischen Gemeinde in den Programmen der Kabarettistin antisemitische Anklänge wahrgenommen. Andere verteidigte Eckhart und meinten, es sei erkennbar, dass sie bewusst mit Klischees spiele.

ZDF sieht sich zu „Satire“-Hinweis veranlasst

Eine Bestätigung vonseiten Eckharts, dass der Text tatsächlich von ihr stamme, gibt es bis dato nicht. Das ZDF selbst sieht sich veranlasst, seine Ankündigung zu dem Beitrag auf Facebook mit dem Hinweis „Achtung, Satire!“ zu versehen.

Die Reaktionen in sozialen Medien sind bis dato uneinheitlich.

Die sächsische AfD-Funktionsträgerin Daniela Zwerg kommentiert im ZDF-Thread:

„Frage mich ob Herr B. Solche ‚Satire‘ bringen würde wenn er kein Systemkünstler wäre und für sein Geld arbeiten müsste? Für ihn kommt der Tag ganz bestimmt, wo er im öffentlichen rechtlichen Fernsehen nicht mehr gefragt ist. Ob er dann ‚Hallen‘ füllt bezweifle ich stark … oder Lagerhallen mit Klopapier vielleicht ?.“

Integrationskurs-Dozent Andreas Molau schreibt:

Schon wieder Kinder instrumentalisieren und alte Leute beleidigen. Ekelhaft.“

Sylvia Hansen meint:

Das ist keine Satire, Satire ist scharfsinnig, spitzzüngig, intelligent. Das ist eine widerwärtige Geschmacklosigkeit.“

Geschmacklos gegenüber Angehörigen von Corona-Opfern?

Zustimmung findet der Beitrag hingegen bei Nutzern, die es begrüßen, dass den Teilnehmern von „Querdenken“-Kundgebungen „endlich mal der Spiegel vorgehalten“ werde. Dazu gehört etwa Obeid Melatyar, der die Auffassung vertritt: „Böhmermann gefährdet niemanden mit einer Satire, im Gegensatz zu Coronaleugnern, Querdenker, und Aluhut-Trägern.“

Claudia Winkler hingegen meint: „Was denken wohl die Kinder, deren Oma Corona nicht überlebt? Auch Satire sollte gewisse Grenzen kennen.“



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