FDP-Politikerin Nicola Beer diskutiert mit Markus Lanz über Organspende

Epoch Times23. Januar 2020 Aktualisiert: 23. Januar 2020 14:49
Die Gesellschaft müsse sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen. Doch diese Thematik würden viele von sich wegschieben, sagte Vizepräsidentin des EU-Parlaments und FDP-Politikerin Nicola Beer in der TV-Sendung von Markus Lanz.

Herz, Lunge, Niere. 2.995 Menschen spendeten im vergangenen Jahre in Deutschland ihre Organe. Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments und FDP-Politikerin Nicola Beer wirbt seit vielen Jahren für Organspenden. Sie ist nicht nur selbst als Organspenderin registriert, sondern hat auch ihr Knochenmark typisieren lassen. Bei der Bundestagsdebatte stimmte Beer – wie die Mehrheit der Abgeordneten – gegen die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angestrebte Widerspruchslösung, nach der jeder ohne Entscheidung per Gesetz automatisch Organspender geworden wäre. In der TV-Sendung von Markus Lanz begründete die FDP-Politikerin ihre Entscheidung.

Bei der Debatte um die Organspende gehe es um Ängste und um Misstrauen in das System, sagte die FDP-Politikerin. Zustimmung oder Widerspruch zur Organspende sei nicht ausschlaggebend, sondern das „Vertrauen in das System“. So hätte beispielsweise die Schweiz, in der die Zustimmungslösung – also die aktive Entscheidung für die Organspende – gelte, bessere Spendenquoten als Deutschland. Bulgarien stehe hingegen wesentlich schlechter dar, obwohl es die von Spahn beabsichtigte Widerspruchslösung hat.

Zudem weist Beer auf die Regelungen in Spanien hin. Im Jahr 2018 kamen dort auf eine Million Einwohner 46,9 Organspender, in Deutschland hingegen nur 9,7 Spender. Im Gegensatz zu Deutschland werden dort die Organe nicht nach der Feststellung des Hirntods entnommen. In Spanien erfolgt die Organentnahme nach Feststellung des Herztods. Diese Regelung, die vor sieben Jahren eingeführt wurde, führte laut  „Deutschlandfunk“  stetig zu einer größeren Anzahl von Spenderorganen.

Auseinandersetzung mit dem Tod

Beer ist der Überzeugung, dass die Gesellschaft sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen müsse. Doch diese Auseinandersetzung würden viele von sich wegschieben. Laut Beer sei eine Organspende eine höchstpersönliche Entscheidung und das müsse sie auch bleiben.  Der Staat könne nicht einfach über den Körper verfügen. Sie sagte:

Wir brauchen eine stärke Beratung, wir brauchen das Onlineregister. Wir müssen auch klarmachen, dass Missbrauch nicht möglich ist. Wir müssen auch aufklären, dass es wirklich eine Entnahme bei Toten ist.“

Das voraussichtlich im ersten Quartal 2022 in Kraft tretende Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende sieht unter anderem die Einrichtung eines bundesweiten Online-Registers beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor, in dem Bürger ihre Entscheidung für oder gegen ein Organspende eintragen lassen können. Zukünftig sollen Einwohnermeldestellen Aufklärungsmaterial und Organspendeausweise aushändigen oder bei elektronischer Antragstellung übermitteln. Auch bei Erwerb der Fahrerlaubnis soll im Vorfeld im Rahmen von Erste-Hilfe-Kursen Grundwissen zur Organspende vermittelt werden. Zudem sollen Hausärzte zukünftig in einer ergebnisoffenen Beratung ihre Patienten über Organspenden informieren.

Aufklärung in Frage gestellt

Chantal Bausch, die seit 14 Jahren mit einem Spenderherzen lebt, war ebenfalls bei Markus Lanz zu Gast. Sie sieht die beabsichtigte Aufklärung durch Hausärzte über Organspenden kritisch. Bausch sagte: „Ich bin zum Beispiele alle drei Wochen bei meiner Hausärztin… und sehe, wie überlaufen diese Praxis immer ist.“ Sie bezeichnete es als „realitätsfern“, dass da noch Zeit für Aufklärung über Organspende bestehen solle.

Lanz warf der Politik im Zeitalter der Digitalisierung vor, die Einführung eines Onlineregisters „verschlafen“ zu haben. Er stellte sich die „bizarre“ Situation vor, dass er seinen neuen Personalausweis vom Einwohnermeldeamt abhole und ihm dann die Frage gestellt würde: „Wollen Sie eigentlich auch Organspender sein?“

Der Moderator sagte: „Das ist doch nicht ein Thema, dass ich dort in dem Moment besprechen will, schon gar nicht in einer Behörde, die ich nicht unbedingt länger als nötig von innen sehen will.“  (sua)

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