„Horror-Clowns“: Was tun, wenn man einem begegnet? – Polizei sagt: Notwehr erlaubt

Von 25. Oktober 2016 Aktualisiert: 25. Oktober 2016 22:49
Egal ob Witzbold oder Krimineller: Niemand will einem Horror-Clown begegnen, denn die Leute mit der Maske haben unterschiedliche Motive. Ob sie nur erschrecken wollen oder Schlimmeres vorhaben, ist für die Opfer nicht absehbar. Die Polizei sagt, dass Notwehr erlaubt ist.

„Nicht das Kostüm ist das Problem, sondern der kranke Mensch dahinter“, erklärt sich Björn Lindert, Geschäftsführer einer Firma, die Masken, u. a. auch für Horror-Clowns herstellt. Als Hersteller sei man da machtlos, die Polizei sei zuständig“, so der Geschäftsmann laut „Bild“. Die Polizei hat heute davon abgeraten, an Halloween Clowns-Kostüme zu tragen – damit man nicht mit einem gefährlichen Horror-Clown verwechselt wird. „Man sollte das dieses Jahr auslassen. Da ist etwas hochgekocht“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf laut „Tagesspiegel„. Auch rät er, dass man Kinder nur unter Aufsicht zum „Süßes oder Saures“ losziehen lassen sollte.

Kinder besonders gefährdet

Für Kinder kann das Zusammentreffen mit einem Horror-Clown traumatisch enden.

Das bewirkt generell eine Traumatisierung, denn ein Kind ist in jeder Hinsicht in einer ’schwachen Position‘ – physisch wie mental.“

(Michael Titze, Psychologe)

Daher fühle sich ein Kind dem Horror-Clown gegenüber ausgeliefert und zeige dies durch eine Schreckreaktion, was dem Täter ein Gefühl der Übermacht gebe, so der Psychologe zur „Bild“.

Diese Arten Grusel-Clowns gibt es

Horror-Clowns haben oft eine sadistische Ader. Darum suchen sich Täter für ihre Abwärtsvergleiche gern vermeintlich Schwächere aus. „Bei physisch und/oder mental starken Menschen gelingt dies nicht so leicht“, erklärt Michael Titze. Damit sagt der Psychologe schon einiges über die Natur der Täter aus: „Für alle Leute, die an ihrem eigenen Selbstwert zweifeln, scheint das unheimlich attraktiv zu sein.“ Er gehe sogar davon aus, dass sich die Welle noch weiter verstärken werde.

Wie die „Welt“ berichtet, haben die Behörden in den USA schon seit zwei Jahren mit dem Phänomen zu tun. In Europa registrierte man dies erst seit einigen Wochen. Oft tauchen die Angriffe als Videos im Internet auf.

Jens Hoffmann ist Leiter des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. Seiner Meinung nach ist das für viele nur ein Spaß. Es gebe aber auch Täter, die eine sadistische Motivation zu haben scheinen, „wenn man sich die Aggressivität einiger Taten anschaut“, so Hoffmann.

Der „Gruseleffekt“ entsteht laut Hoffmann dadurch, dass kulturell als niedlich geltende Figuren zu Horrorwesen stilisiert werden. Dies wird auch oft in Filmen ausgenutzt. Der Psychologe rät betroffenen Personen, keine Angst zu zeigen und sich nicht provozieren zu lassen. Stattdessen solle man die Person deutlich auffordern, wegzugehen. Notfalls greife man zum Telefon, um die Polizei zu alarmieren.

Notwehr bei Angriff gegeben

Frank Scheulen vom LKA in NRW warnt: „Das ist absolut keine Kleinigkeit oder kein Scherz, denn so ein Erschrecken kann durchaus auch einen Herzinfarkt verursachen.“ Jedoch sei das Verkleiden als Horror-Clown an sich nicht strafbar, so der Sprecher in der „Welt“, doch habe die Polizei einen Blick darauf und beobachte den Trend.

Thomas Neuendorf von der Polizei Berlin sagte in der „Bild“: „Ein Angriff von so einem Clown kann Körperverletzung, Bedrohung oder Nötigung sein“, so der Beamte.

Wenn ich mich wehre, ist das Notwehr.“

(T. Neuendorf, Polizei Berlin)

„Das heißt, es ist ein Rechtfertigungsgrund, warum man den Angreifer schlägt.“ Das Problem sei, dass die Notwehr angemessen sein muss. Wenn dies gegeben sei, werde man auch nicht bestraft, so Neuendorf.

So sah es auch eine Frau aus Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern. Als sie letzten Sonntag plötzlich von einem Grusel-Clown angegriffen wird, wehrt sie sich mit Pfefferspray. Auch in Bremen wehrte sich ein junger Mann (21) gegen den Angriff zweier krimineller Clowns, die ihn bestehlen wollten. Er schlug einem der Clowns auf die Nase, worauf die Maskierten flüchteten, so die „Welt“.

Politik droht Clowns

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigt eine harte Vorgehensweise gegen die Horror-Clowns an. In der „Passauer Neuen Presse“ sagte Herrmann, dass solche „üblen Gags“ schlimme Folgen haben können. „Wir werden da deshalb auch nichts durchgehen lassen und jeden Fall konsequent verfolgen sowie entsprechend ahnden.“

Thomas Kutschaty (SPD), Justizminister in NRW, geht noch einen Schritt weiter. Er sieht jemanden, der andere „sprichwörtlich zu Tode erschrecken will“ als Straftäter. Es könne als strafbare Bedrohung gewertet werden.

Und auch hierfür kann der demaskierte Clown schon bis zu einem Jahr im Gefängnis landen.“

(T. Kutschaty, Justizminister NRW)

Dort gehöre er dann auch hin, so der Minister laut „Bild“.

Meiste Fälle in NRW, Hauptwaffe Messer

Die „Bild“ veröffentlichte eine Übersicht der letzten zehn Tage. Demnach gab es in Deutschland seit dem 14. Oktober mindestens 25 Fälle von Angriffen durch Horror-Clowns, die meisten in NRW (10), Meck-Pomm (5) und Sachsen (4). Fünf Menschen wurden bisher verletzt, laut Aufstellung.

Bei der Bewaffnung der Täter wurden hauptsächlich Messer (8), Baseballschläger (6) und Äxte (3) eingesetzt. In Einzelfällen wurde auch eine Pistole, eine Kettensäge und ein Morgenstern eingesetzt.

Siehe auch:

Tragisches Ende eines Horror-Clowns: Dorfbewohner jagen verkleideten Studenten in den Tod

 

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