Islamische Ahmadiyya-Gemeinde Hamburg: „Möge 2008 das Jahr der Annäherung sein“

Von 12. Januar 2008 Aktualisiert: 12. Januar 2008 8:01
Einladung der Bürgerschaft zu Neujahrsempfang und Opferfest

Abraham träumte wiederholt, dass er seinen Sohn schlachte. Er fragte seinen Sohn, was jener meine, was das zu bedeuten habe. Der Sohn sagte: “ Tue, wie Dir befohlen. Du sollst mich, so Allah es will, standhaft finden.“ Das ist die deutsche Übersetzung einiger Verse aus dem Koran, die Rehan Umer Din zuvor sehr schön vorgesungen hat. Darin waren Vater und Sohn zu großen Opfern bereit, doch bevor Abraham tatsächlich seinem Sohn das Leben nahm, wurde ihm gesagt, dass er bereits den Willen Gottes erfüllt hatte. Beim islamischen Opferfest wird an den Propheten Abraham (Ibrahim) und an sein Gottvertrauen gedacht. Die islamische Ahmadiyya-Gemeinde in Hamburg lud Gäste aus der Hamburger Bürgerschaft und aus Diplomatenkreisen ein, gemeinsam mit ihnen das Opferfest und das Neujahresfest zu feiern.

Anders und doch nah beieinander

Das islamische Jahr hat aufgrund des islamischen Mondkalenders rund zehn Tage weniger als das gregorianische Jahr, sodass es im kalendarischen Jahr auf unterschiedliche Tage fällt. Das muslimische Neujahr beginnt dieses Jahr am 9. Januar mit Sonnenuntergang. Das heißt, sobald man den Mond sehen kann, hat schon der neue Tag und damit auch das neue Jahr angefangen. Dann wird man das islamische Jahr 1429 zählen, die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, der Auswanderung des Propheten Muhammad nach Mekka – doch wird diese Zeitrechung im Alltag kaum benutzt.

An diesem Neujahresempfang werden also Sylvester und das muslimische Opferfest gefeiert. „Wir feiern eigentlich das islamische Neujahr nicht“, klärt der Pressesprecher des Ahmadiyya Muslim Jamaat e.V., Herr Fazlur Hmwar, auf. Das Opferfest ist das höchste islamische Fest und dauert vier Tage an. Im Jahr 2007 wurde es vom 19. bis 22. Dezember gefeiert.

Der eingeladene Islamwissenschaftler Professor Dr. Udo Steinbach hofft, dass man die zeitliche Nähe des höchsten islamischen Festes zum christlichen Weihnachtsfest als Zeichen für eine Annäherung der Kulturen im Jahre 2008 sehen kann.

Rehan Umer Din singt Verse aus dem Koran und übersetzt sie dann den geladenen Gästen ins Deutsche. (Heike Soleinsky)
Rehan Umer Din singt Verse aus dem Koran und übersetzt sie dann den geladenen Gästen ins Deutsche. (Heike Soleinsky)

Liebe für alle – Hass für keinen

Die Ahmadiyya ist eine muslimische Glaubensgemeinschaft mit Millionen von Anhängern in 189 Staaten und Moscheen in allen Teilen der Welt. Die Fazl-e-Umar Moschee in Hamburg-Lokstedt gehört der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ). Die Ahmadis verstehen den Islam als ein Bekenntnis zum Frieden unter den Mitmenschen, zwischen Mensch und Gott, und Frieden mit sich selbst. Sie distanzieren sich von allen Terrorakten. „Liebe für alle – Hass für keinen“ ist der Leitspruch der AMJ.

Das passt kaum zu den Nachrichten über fanatische Anhänger des Islams. Sind die Ahmadis die besseren Muslime? „Mohammed hatte prophezeit, dass eines Tages ein Messias und Mahdi1) erscheinen würde. Der Messias und Mahdi ist erschienen; wir haben ihn akzeptiert und glauben an ihn“, sagt Hmwar, „aber wir können nicht garantieren, dass Ahmadis bessere Menschen sind als Nicht-Ahmadis.“

Glaube an den Messias

Gegründet wurde die Ahmadiyya 1889 von die Mirza Ghulam Ahmad in Indien als Reformbewegung innerhalb des Islams. Dass Mirza Ghulam Ahmad im Jahre 1891 verkündete, dass er der Verheißene Messias sei, brachte ihm sowohl Gemeindemitglieder als auch eine Menge Spott ein. Ahmadis werden seit Jahrzehnten von anderen Muslimen verfolgt, in den letzten drei Jahren sogar ermordet. Am 7. Dezember 1974 wurde die Ahmadiyya Muslim Gemeinde von der pakistanischen Regierung per Gesetz zu Nicht-Muslimen erklärt.

Der Deutsche Abdullah Uwe Wagishauser wurde in einer christlichen Familie geboren. Bevor er dem Islam und der Ahmadiyya Muslim Jamaat beitrat, verstand er sich in den 70er Jahren als Buddhist und wollte den Buddha Maitreya2) finden. Zu glauben, dass jemand, der Nachfolger von Jesus, Mohammed oder Buddha sei, wird fast automatisch abgelehnt. Obwohl sich westliche Kinder, als sie im Religionsunterricht die Geschichte von Jesus hörten, ziemlich sicher waren, dass sie Jesus nicht verkannt und ein Wunder von ihm gefordert hätten zum Beweis, dass er Gottes Sohn sei. Und dann gibt es noch jene, die meinen, weder einen Jesus, Messias oder Buddha gebrauchen zu können, da ihre große weltliche Macht empfindlich dahinschwinden würde, wenn immer mehr Menschen sich auf geistige Werte besinnen.

Fanatiker können alles missbrauchen

Wie leicht könnte die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Ismael von schlechten Menschen verdreht und missbraucht werden, um einem Muslimen zu „beweisen“, er müsse bereit sein, einen anderen zu töten, selbst wenn er es im Inneren nicht für richtig hält? Hmwar sagt dazu: „Damit, dass Gott dieses Missverständnis richtig stellte, dass Abraham nicht das Leben seines Sohnes Gott opfern sondern nur widmen sollte, ist auch ganz klar, dass man keine Menschen opfern soll, das macht man nicht“, und er fügt nach kurzem Überlegen hinzu: „Aber Fanatiker könnten alles missbrauchen, dafür braucht man keine Lehre.“

Sylvia Canel (FDP) im Gespräch mit Ahmadiyya-Muslimas über Männer, Frauen und Kopftücher. (Heike Soleinsky)Sylvia Canel (FDP) im Gespräch mit Ahmadiyya-Muslimas über Männer, Frauen und Kopftücher. (Heike Soleinsky)

Frei unter dem Kopftuch

Es sind drei Buffets aufgebaut, so dass es sich ergibt, dass die muslimischen Damen an einem Buffet fast unter sich sind. Ab und an huscht ein Mann vorbei, um die exotischen Leckereien aufzufüllen und nicht mehr benutztes Geschirr abzuräumen. Das Essen wurde von den Männern zubereitet, verrät mir Shafi Iqbal, das machen sie immer bei großen Veranstaltungen, denn das sei ja „Knochenarbeit“. Die Atmosphäre bei den Frauen ist offen, herzlich und heiter. Da die Damen vor dem Essen während der Grußworte der Ehrengäste auch schon an Tischen ohne Männer saßen, befrage ich Sadaf, eine junge muslimische Studentin, nach der scheinbar strengen Trennung von Männern und Frauen. Doch „streng“ war schon nicht das richtige Wort. Die Frauen seien einfach gern unter sich, und „manche Dinge kann man mit den Männern einfach nicht so gut besprechen“, sagt sie. Zum Beispiel die Frage nach dem Kopftuch, dazu können diejenigen, die selbst eines tragen, einfach mehr sagen.

Das Thema sei aber ungezwungen. Jede trage das Kopftuch anders, zeigt sie mir. Manche bedecken die Nase, manche tragen nur einen leichten Schleier auf dem Haar. Sadaf selbst hatte mit 12 Jahren beschlossen, ein Kopftuch zu tragen und sei auch auch in der schwierigen Zeit der Pubertät immer respektvoll behandelt worden. Sadaf kam nie auf die Idee, Kalorien zu zählen oder sich Sorgen um ihre Figur zu machen. Somit hat sie ihren Kopf frei für andere Dinge – zum Beispiel auch, um über das Christentum zu lesen. Sie merkt an, dass die Christen damals mit den Kreuzzügen bei den Menschen anderer Kulturen sicher einen ebenso befremdlichen Eindruck hinterlassen haben, wie es heute fanatische Muslime tun. Bei ihr hat Jesus diesen schlechten Eindruck wieder wettgemacht: „Als ich die Bergpredigt las, da dachte ich: Wow!“

1)Mahdi: Im Islam der von Gott gesandte Messias, der in der Endzeit das Unrecht auf der Welt beseitigen wird.
2)Buddha Maitreya: Der Buddha, der nach Buddha Shakyamuni (Siddhartha Gautama) kommt.

Text erschienen in Epoch Times Printausgabe Nr. 2

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